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Merkel trifft Putin in Sotschi

Nach Merkels Kurztrip zu Putin nach Sotschi bleibt das Verhältnis beider Länder angespannt. Dabei wünschen sich viele Deutsche eine Verbesserung der Beziehungen. Die Vorzeichen dafür stehen schlecht.
Christoph Reichmuth, Berlin

Es war der Höhepunkt der deutsch-russischen Woche, als Bundeskanzlerin Angela Merkel gestern in Sotschi mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammengetroffen war. Vor acht Tagen stattete der neue SPD-Aussenminister Heiko Maas seinem russischen Amtskollegen Sergeij Lawrow einen Antrittsbesuch ab, wenige Tage später reiste Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in die russische Hauptstadt.

Nach Maas’ Besuch bei Lawrow hiess es, das Treffen habe in «frostiger Atmosphäre» stattgefunden. Kaum verwunderlich, hatte der 51-jährige Sozialdemokrat seit seiner Amtsübernahme doch recht forsche Töne gegenüber Russland angeschlagen.

Gewichtige Differenzen

Misstöne gab es gestern in Sotschi keine. Das Bild bestätigte sich, wonach die Kanzlerin und der Kreml-Chef sich nach all den Jahren ihrer Macht grundsätzlich respektieren. Putin überreichte seinem Gast aus Berlin sogar weisse Rosen zur Begrüssung. Dieses von Putin wohl nicht ohne Hintergedanken ausgewählte Symbol für Unschuld vermochte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die beiden Länder derzeit keine ungetrübte Freundschaft verbindet. «Wir haben ein strategisches Interesse daran, gute Beziehungen zu Russland zu haben», sagte Merkel. Aller Differenzen zum Trotz gebe es «Themen, bei denen sind wir durchaus einer Meinung».

Putin bemerkte: «Die Probleme zu lösen ist nicht möglich, wenn man keinen Dialog miteinander führt.» Gemeinsam ist etwa das Interesse an der Aufrechterhaltung des von den USA aufgekündigten Iran-Abkommens. Abgesehen vom Atomabkommen und dem auch von Berlin bekundeten Interesse an der Ölpipeline Nord Stream 2, mit welcher russisches Gas durch die Ostsee direkt nach Deutschland befördert werden soll, sind die Differenzen erheblich: Da ist der Ukraine-Konflikt und die europäische Sanktionspolitik gegenüber Russland, die Cyberattacken gegen deutsche Institutionen, hinter denen – so ist Berlin überzeugt – Russland steckt. In der Syrien-Politik liegen Welten zwischen den beiden. Hinzu kommen Konflikte nach dem mutmasslich von Russland gesteuerten Giftgasanschlag gegen Ex-Agent Sergej Skripal. Putin, der eine Mitverantwortung Russlands stets bestritten hatte, wünschte Skripal gestern demonstrativ gute Gesundheit. Skripal wurde gestern aus dem Spital in Salisbury entlassen.

Notwendiger Generationenwechsel

Das unberechenbare Agieren Donald Trumps hat den latent vorhandenen Anti-Amerikanismus beflügelt. Viele Deutsche wünschen sich, dass sich das Verhältnis zu Moskau entspannt. Stefan Meister, Russland-Experte bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, glaubt nicht an eine rasche Verbesserung der Beziehungen. Er beklagt eine seit Jahren eingesetzte Entfremdung zwischen den beiden Ländern. Das gestrige Zusammentreffen werde daran nichts ändern: «Trotz Überschneidungen in einzelnen Interessensgebieten lässt sich der Grundkonflikt nicht einfach in einigen Gesprächen überwinden.» Immerhin, eine weitere Gemeinsamkeit gabs gestern doch noch: Merkel will eine UNO-Friedenstruppe für die Ukraine, Putin hält die Idee für gut.

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