Geständnis im Fernsehen nach Folter

Die iranische Justiz hat eine angebliche Ehebrecherin und Mordkomplizin gezwungen, im Staatsfernsehen ein Geständnis abzulegen.

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Limassol. In der Sendung «20:30» musste die nach Folter und massiven Drohungen völlig gebrochene, sichtlich traumatisierte Sakine Mohammadi Ashtani zugeben, in die Ermordung ihres Ehemanns verwickelt gewesen zu sein. Auch eine aussereheliche Beziehung mit ihrem Cousin, der den Mord anscheinend ausführte, musste die 43jährige Mutter zweier Kinder einräumen. Zunächst habe sie die Absicht des Cousins, ihren Mann zu ermorden, für einen schlechten Witz gehalten.

Später habe sie dann aber beobachtet, wie ihr Liebhaber elektronisches Zubehör gekauft und ihren Mann durch einen Stromschlag ermordet habe.

Brasilien hat Asyl angeboten

Die Ausstrahlung des von Amnesty International aufs schärfste verurteilten «Geständnisses» erfolgte, nachdem sich US-Aussenministerin Hilary Clinton besorgt über das Schicksal der Frau geäussert hatte. Brasiliens Präsident Lula da Silva hatte Frau Ashtani sogar Asyl angeboten.

Das Engagement der beiden Politiker und das internationale Medienecho habe die iranische Justiz bewogen, «in die Offensive zu gehen», erklären westliche Diplomaten in Teheran: «Mit dem wohl erzwungenen Geständnis wollte die Justiz beweisen, dass die Frau schuldig ist und der Westen kein Recht hat, sich einzumischen.»

Steinigung möglich

Ashtanis Anwalt befürchtet, dass seine Mandantin schon bald hingerichtet werden könnte. Ob durch Steinigung oder am Galgen, müsse abgewartet werden.

Ein iranischer Journalist, der ungenannt bleiben möchte, hält es dagegen für möglich, dass die Frau, die bereits mehrere Jahre im Gefängnis sitzt, «irgendwann freigesprochen wird». Zum gegenwärtigen Zeitpunkt und unter internationalem Druck sei dies aber nicht möglich, weil die iranische Justiz dann das Gesicht verlöre.

Michael Wrase

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