George Bush senior betreibt Wahlkampf für Sohn Jeb

WASHINGTON. Versucht da Vater Bush zu retten, was noch zu retten ist – im Namen der Familie, die so lange wie keine andere die Geschicke der USA aus dem Weissen Haus heraus bestimmte. Genau so könnte man die Biographie «Destiny and Power.

Thomas Spang
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WASHINGTON. Versucht da Vater Bush zu retten, was noch zu retten ist – im Namen der Familie, die so lange wie keine andere die Geschicke der USA aus dem Weissen Haus heraus bestimmte. Genau so könnte man die Biographie «Destiny and Power. The American Odyssey of George Herbert Walker Bush» verstehen, die der Journalist Jon Meacham publiziert hat.

Sie erscheint zu einer Zeit, in der der jüngere Bush-Sohn Jeb im Vorwahlkampf der Republikaner zur Präsidentschaft nicht auf Touren kommt. Das hat zum Teil zu tun mit eigenen Fehlern und Schwächen eines Kandidaten, der wenig Tuchfühlung zu der weit nach rechts abgedrifteten Parteibasis findet. Darüber hinaus fällt es ihm schwer, aus dem Schatten seines Bruders George herauszutreten. Dessen vielfach als Desaster beurteilte Präsidentschaft hängt wie eine düstere Wolke über ihm. Die beiden Amtszeiten haben in der Wahrnehmung der Amerikaner das Erbe des Seniors getrübt und verstärken die Vorbehalte gegenüber einem dritten Bush im Weissen Haus.

Mit alten Bekannten abgerechnet

Dies dürfte erklären, warum der 91jährige Patriarch gegenüber seinem Biographen zur Abrechnung mit Dick Cheney und Donald Rumsfeld ausholt, die seinen Sohn George nach den Terrorattacken vom 11. September 2001 am stärksten beeinflussten. Zwei Politiker notabene, mit denen auch Bush senior lange Jahre zu tun hatte – Cheney diente ihm als Verteidigungsminister, Rumsfeld sah er immer schon als Rivalen an.

Diesen nennt er denn auch einen «arroganten Kerl», der seinem Sohn geschadet habe. «Er versucht, seine Gegenüber nicht zu verstehen. Er ist mehr daran interessiert, Leute fertigzumachen.» Cheney kommt in seiner Rolle als Vizepräsident nicht viel besser weg. Mit seiner kriegerischen Haltung und seinem «eisenharten» Auftreten habe er den USA geschadet. Er habe in der Regierung seines Sohnes ein eigenes Reich aufgebaut, in dem er eine eigene Aussen- und Sicherheitspolitik betrieben habe.

Auch der Sohn wird kritisiert

Kritisiert wird auch Sohn George, der den beiden zu viel Freiraum gelassen habe. Selber habe er auch nicht immer den Ton getroffen. Etwa in seiner Rede zur Lage der Nation im Jahr vor dem Irak-Krieg, 2002, als er Irak, Iran und Nordkorea zur «Achse des Bösen» erklärte. «Mit heisser Rhetorik lässt sich immer gut Schlagzeilen machen, aber es lassen sich nicht unbedingt diplomatische Probleme lösen.»

Dennoch geht Bush senior in den Gesprächen mit seinem Biographen nicht soweit, die Invasion Iraks einen Fehler zu nennen. Sein Sohn habe als Präsident «sein Bestes gegeben». Er habe seine volle Unterstützung. «Der Sturz und die Gefangennahme Saddam Husseins war einer der stolzesten Momente der amerikanischen Geschichte», sagt er zur Entscheidung des Sohnes, das zu tun, wovor er 1991 im ersten Golfkrieg selber noch zurückgeschreckt war.

Sohn George sieht es anders

Biograph Meacham gab George W. Bush Gelegenheit, sich zu den Urteilen seines Vaters zu äussern. Sein Vater habe ihm gegenüber weder während der Zeit im Weissen Haus noch danach gesagt, wie er über Cheney, Rumsfeld und die Politik seiner Regierung dachte. «Ich stimme nicht mit seiner Charakterisierung überein, wie die Dinge liefen.» Bush junior verwahrt sich gegen die Darstellung, die Dinge nicht unter Kontrolle gehabt zu haben. «Ich habe die Entscheide getroffen. Das war meine Philosophie.»