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Autobahnbrücke in Genua: Regierung hat Überprüfung von Autobahnbetreiber angeordnet

Beim Einsturz einer vierspurigen Autobahnbrücke in der italienischen Hafenstadt Genua sind am Dienstag Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Die Suche nach Überlebenden geht weiter.
sda/bro/lex
Nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa stürzte die Brücke in mehr als 40 Metern Höhe auf einem etwa 100 Meter langen Stück ein. (Bild: Keystone)

Nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa stürzte die Brücke in mehr als 40 Metern Höhe auf einem etwa 100 Meter langen Stück ein. (Bild: Keystone)

«Leider ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich unter den Trümmern weitere Opfer befinden, sehr hoch», sagte der italienische Innenminister und Vize-Regierungschef Matteo Salvini am Mittwochabend dem Fernsehsender «La7».

Für die 38 offiziell bestätigten Toten soll es am Samstag ein Begräbnis geben, erklärte Regierungschef Giuseppe Conte auf Facebook. Für den Tag soll auch eine Staatstrauer gelten.

Autobahnbetreiber wird überprüft

Die italienische Regierung hat nach dem Brückeneinsturz in Genua eine Überprüfung des Autobahnbetreibers Autostrade per l'Italia gestartet. Autostrade per l'Italia hat 15 Tage Zeit, um zu beweisen, dass es alle vertraglichen Verpflichtungen bezüglich der ordnungsgemässen Funktion der Brücke und der Vermeidung von Unfällen erfüllt habe, erklärte das italienische Verkehrsministerium am Donnerstag. Sollten die Auskünfte als ungenügend eingestuft werden, wäre dies ein Bruch der Konzessionsbedingungen.

Die Muttergesellschaft Atlantia wurde aufgefordert, die Brücke auf eigene Kosten wieder aufzubauen. Für den Wiederaufbau der unter er Brücke zertstörten Gebäude müsse Atlantia ebenfalls aufkommen.

Atlantia wird von der Familie Benetton, der italienischen Modedynastie, kontrolliert. Benetton besitzt 88 Prozent von Autostrade per l'Italia, dem grössten Betreiber mautpflichtiger Strassen in Italien.

Fünf Millionen Euro Nothilfe

Die Regierung hatte am Mittwoch den Notstand für die Hafenstadt verhängt und fünf Millionen Euro Nothilfe bereit gestellt. Das Dekret soll ermöglichen, «erste wichtige Massnahmen zu treffen, um dem Ausnahmezustand zu begegnen», erklärte Conte. Dazu gehöre, schnellstmöglich die Sicherheit in der betroffenen Region der Stadt zu garantieren und Betroffenen zu helfen. Der Notstand soll zwölf Monate gelten und in diesem Zuge auch ein Sonderbeauftragter für den Wiederaufbau benannt werden.

Vieles deutet darauf hin, dass die Brücke abgerissen und eine neue errichtet werden soll. Die Tragödie hat Hunderte Menschen obdachlos gemacht: Sie mussten ihre Häuser nahe der Brücke aus Sicherheitsgründen verlassen - und das möglicherweise für immer. «Bis Ende dieses Jahres werden wir all diesen 634 in Sicherheit gebrachten Genuesen ein neues Zuhause geben», versprach Salvini.

«Es hätte jeden treffen können»

Laut diversen Nachrichtenagenturen stürzte die Brücke am Dienstagmittag in mehr als 40 Metern Höhe auf einer Länge von etwa 200 Metern ein. Die Behörden vermuten, dass der Einsturz durch strukturelle Schwächen am Bau ausgelöst worden sei. Das Bauwerk stammt aus den 1960er Jahren.

Augenzeugen berichten von Szenen wie in einem Katastrophenfilm. Am Mittwochvormittag herrscht in Genua eine gespenstische Ruhe. Die Bewohner der italienischen Hafenstadt stehen unter Schock. «Ich bin immer wieder über die Brücke gefahren, für alles mögliche, um meine Familie zu sehen, um zur Arbeit zu fahren», sagt der 22-jährige Genuese Dario. «Alle Genuesen sind über die Brücke gefahren. Es hätte jeden treffen können.»

Auf einem Video, den die italienische Polizei ins Internet stellte, sind zwei Teile einer abgebrochenen Brücke zu sehen. Zwischen beiden Seiten klafft eine riesige Lücke. In einem anderen Video sind Stimmen von Menschen zu hören, die aus der Ferne den Einsturz sehen und geschockt aufschreien. In sozialen Netzwerken veröffentlichte Bilder zeigten, dass ein grosser Teil des Ponte Morandi, der auch als Polcevera-Viadukt bezeichnet wird, fehlte.

Staatsanwaltschaft: 42 Opfer

42 Opfer sind die traurige Bilanz des Unglücks, beziffert die Staatsanwaltschaft. Unter den Opfern sind auch drei Minderjährige im Alter von 8, 12 und 13 Jahren. Es gebe 15 Verletzte, der Zustand von neun Personen sei kritisch, teilte die Präfektur am Mittwoch mit.

«Man kann nicht wissen, ob es weitere Überlebende gibt», sagte ein Vertreter der Feuerwehr, Emanuele Gissi. Die Suche werde mehrere Tage andauern. Wie viele Opfer vermisst werden, bleibt auch am Donnerstag noch unklar.

Keine Schweizer unter den Opfern

Laut Aussagen der Stadtverwaltung von Genua sind unter den Opfern des Brückeneinsturzes keine schweizerischen Staatsangehörigen zu beklagen. Das teilte das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Mittwoch mit. Vom tragischen Unfall am Dienstag in Genua habe das EDA mit Bestürzung zur Kenntnis genommen, hiess es. Es versichere den Angehörigen der Todesopfer, den Verletzten und der italienischen Bevölkerung seine Betroffenheit und Sympathie.

Im Namen der Schweiz habe Bundespräsident Alain Berset den Familien und Freunden der Opfer sein tief empfundenes Beileid ausgesprochen. Der Vorsteher des EDA, Bundesrat Ignazio Cassis, habe seinem Amtskollegen, dem italienischen Aussenminister Enzo Moavero Milanesi, ein Kondolenzschreiben übermittelt.

Lastwagen im Fluss

Der Einsturz riss mehrere Fahrzeuge mit. Um die 30 Fahrzeuge waren auf der Brücke unterwegs. Mehrere Lastwagen landeten im Fluss Polvecera, über den die mehr als 40 Meter hohe Brücke der A10 auch führt. Auch zahlreiche Autos seien zwischen den Trümmern eingequetscht worden, wie die italienische Tageszeitung «Corriere della Sera» berichtet.

Elf Überlebende seien aus den Trümmern geborgen worden, sagte Bürgermeister Marco Bucci dem Fernsehsender SkyTG24.

Das Viadukt überquert unter anderem Einkaufszentren, Fabriken, Wohnhäuser, Eisenbahnlinien und den Fluss Polcevera. (Bild: Keystone/Luca Zennaro, 14. August 2018)
(Bild: Keystone/Luca Zennaro, 14. August 2018)
(Bild: Keystone/Luca Zennaro, 14. August 2018)
(Bild: Einsatzkräfte in Genua, 14. August 2018)
(Bild: Keystone/Luca Zennaro, 14. August 2018)
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(Bild: Keystone/Luca Zennaro, 14. August 2018)
(Bild: Keystone/Luca Zennaro, 14. August 2018)
(Bild: Keystone/Luca Zennaro, 14. August 2018)
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Unglück bei Genua: Autobahnbrücke stürzt ein

Rettungsarbeiten dauern an

In der Ferne waren Baggergeräusche zu hören, die Einsatzkräfte suchten in der Nacht weiter in den Trümmern nach Überlebenden. Immer wieder kommen einige von ihnen auf ihrem Rückweg von der Unglücksstelle am Parkplatz vorbei, die Schutzhelme noch auf dem Kopf, die Erschöpfung ins Gesicht geschrieben. Für die Einsatzkräfte ist die Suche nach weiteren Opfern und Überlebenden noch längst nicht beendet.

Die Rettungsarbeiten an der Unglücksstelle im Westen der Hafenstadt gingen unvermindert weiter. Mehr als 200 Rettungskräfte waren nach Angaben der Feuerwehr im Einsatz. In der Nähe der Brücke wurden nach dem Einsturz vorsichtshalber Gebäude evakuiert. Es bestehe das Risiko, dass weitere Teile einbrechen, berichtete Ansa unter Berufung auf Rettungskräfte vor Ort. Drei Krankenhäuser in Genua wurden in Alarmbereitschaft versetzt.

Aus der Luft zeigt sich das ganze Ausmass des Unglücks.

Es liefen Bauarbeiten

An der eingestürzten Autobahnbrücke waren zum Zeitpunkt der Tragödie Bauarbeiten im Gange. Wie die Betreibergesellschaft Autostrade per Italia am Dienstag auf ihrer Homepage mitteilte, sei an der Sohle des Polvecera-Viadukts gerade gearbeitet worden. Auf der Brücke selber habe ein Baukran gestanden.

Der Zustand der Brücke sowie der Fortgang der Renovierung seien immer wieder kontrolliert worden. Erst wenn ein gesicherter Zugang zur Unfallstelle möglich sei, könne Näheres über die Ursachen des Einsturzes gesagt werden, teilte das Unternehmen weiter mit.

Der "Viadotto Polcevera" war nach vierjähriger Bauzeit 1967 vom damaligen Staatspräsidenten Giuseppe Saragat eröffnet worden. Die vom italienischen Ingenieur Riccardo Morandi (1902-1989) entworfene elegante Schrägseilbrücke gilt als ein Meisterwerk der Architektur des 20. Jahrhunderts. Der 1182 Meter lange Viadukt wird von 90 Meter hohen Pylonen - drei davon mit Schrägseilen - gestützt.

Der Viadukt überquert ein Industriegebiet auf einer Höhe von 45 Metern und stützt sich auf drei Betonpfeiler. Das längste Teilstück ist 210 Meter lang.

Autostrade weist Vorwurf mangelnder Kontrolle zurück

Der Betreiber der eingestürzten Autobahnbrücke in Genua, Autrostrade, hat den Vorwurf von Pflichtverletzungen bei der Überwachung des Bauwerkes zurückgewiesen. Man habe die Brücke auf vierteljährlicher Basis entsprechend den gesetzlichen Vorgaben kontrolliert.

Das Unternehmen erklärte am Mittwoch, man habe aber auch zusätzliche Prüfungen vorgenommen unter Nutzung modernster Technologien und der Hinzuziehung externen Expertenrates. Das Ergebnis dieser Kontrollen zum Zustand der Brücke sei Basis für das von der Regierung abgesegnete Wartungs- und Unterhaltungsprogramm gewesen.

Der italienische Verkehrsminister Danilo Toninelli hatte zuvor die Führung der Betreibergesellschaft zum Rücktritt aufgefordert. Zugleich kündigte er an, dass dem Unternehmen die Lizenz zum Betrieb der Strasse entzogen werden solle und es mit Strafzahlungen von bis zu 150 Millionen Euro belegt werden könnte.

"Autostrade per l'Italia war nicht in der Lage, die Verpflichtungen aus dem Vertrag zur Verwaltung der Infrastruktur zu erfüllen", sagte Toninelli dem staatlichen Sender RAI 1.

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