Nordkorea
Gemästeter Kim Jong Un

Der künftige Diktator zeigt sich am Parteitag gut genährt Nordkorea.

Daniel Kestenholz, Bangkok
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Gemästeter Kim Jong Un

Gemästeter Kim Jong Un

Der Sohn feist wie einst der Vater, der Vater dagegen eingefallen und kleiner als der Sohn: Zum Ende des Parteitages der nordkoreanischen Kommunisten veröffentlichte das Regime erstmals eine offizielle Aufnahme von Kronprinz Kim Jong Un. Das Bild zeigt einen angespannten, für nordkoreanische Verhältnisse wie gemästet wirkenden jungen Mann, der offensichtlich viel besser ernährt ist als die Mehrheit der Bevölkerung in Nordkorea. Zu seiner Linken sitzt ein älterer General in voller militärischer Aufmachung und daneben Machthaber Kim Jong Il. Der «Geliebte Führer» trägt eine Sonnenbrille, als versuche er, sein mageres Gesicht zu verbergen.

Der 27-jährige Kim Jong Un in der vordersten Reihe und gleich im Herzen von Nordkoreas rund 300-köpfiger militärischer und politischer Parteielite – das ist so symbolschwer, das Bild braucht gar keine Erklärung. Die Nordkoreaner verstehen auch so: Der junge Kim wurde aus dem Nichts in den Mittelpunkt der Macht katapultiert, umgeben und beschützt von Partei- und Militärspitze. Doch der grosse, eben noch unbekannte Sohn, dessen Namen Nordkoreas Bevölkerung diese Woche zum ersten Mal offiziell hörte, scheint verkrampft und ballt die Hände. Gezeigt wird kein gewöhnlicher junger Mann, sondern ein gestrenger Dynast im dunklen Anzug. Sein totalitärer Vater im üblichen kakifarbenen Anzug wirkt daneben fast harmlos.

Ältere Fotos des jungen Kim, als dieser noch eine Privatschule bei Bern besuchte, zeigten einen lachenden, frohen Burschen. In den zehn Jahren seither hat er sich in eine Kopie des Vaters verwandelt. Doch so pummelig, mit zurückgekämmtem Haar, erinnert der Führer von morgen noch eher an seinen Grossvater, Staatsgründer Kim Il Sung. Aber auch von Kim Il Sung hat die Parteipropaganda keine Bilder mit so mürrischem Blick überliefert. Der «Grosse Führer» wird gerne lachend gezeigt.

Alles, was Nordkoreas Regime publik macht, ist voller Symbolik. Ein ernster Kim Jong Un, der sich wegen seines jungen Alters erst noch Autorität zu verschaffen hat, soll wohl eines demonstrieren: Mit dem jungen Führer ist nicht zu spassen.