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Geliebt von Volk und Generälen

Thailands Bevölkerung trauert um ihren verehrten König. Er war der weltweit am längsten amtierende Monarch. Thronfolger Maha Vajiralongkorn wird Nachfolger seines Vaters.
Willi Germund/Bangkok
Eine Thailänderin in Trauer über den Tod ihres Königs. (Bild: Diego Azubel/EPA)

Eine Thailänderin in Trauer über den Tod ihres Königs. (Bild: Diego Azubel/EPA)

Die letzte Amtshandlung war vor wenigen Tagen die Unterschrift unter die Liste der diesjährigen Beförderungen von Offizieren der Streitkräfte Thailands gewesen.

Gestern starb König Bhumibol, der am längsten amtierende Monarch, im Alter von 88 Jahren nach langer Krankheit im Siriraj-Hospital in Thailands Hauptstadt Bangkok. Kaum einer der 66 Millionen Thais kennt das Königreich ohne Bhumibol. Viele können sich das Land ohne den Monarchen kaum vorstellen.

Es entspricht seiner Regentschaft, dass die letzte Amtshandlung des Königs ausgerechnet den Streitkräften galt. Sie dienten dem Monarchen immer als unentbehrliche Stütze. Wann immer die Generäle mit einem Staatsstreich die Modernisierung des Landes unterbrachen, gab Bhumibol den Militärs grünes Licht. Lediglich mit erhobenem Zeigefinger hatte er zwei Generäle zurechtgewiesen, als die Offiziere bei massiven Protesten über 100 Studenten massakriert hatten.

Über den blutigen Zwischenfall wird heute in dem Königreich, das seit 2014 erneut von einer Militärjunta regiert wird, ebenso ungern geredet wie über ein ähnliches Massaker 1976.

Unklare Umstände der Thronbesteigung

Am 5. Dezember 1927 in Cambridge, Massachusetts, geboren und mit dem Namen «Baby Songkla» ins Geburtenregister eingetragen, deutete in der ersten Lebensphase Bhumibols nichts darauf hin, dass er Thailand länger als 70 Jahre im Namen seiner Chakri-Dynastie führen würde. Bhumibol ging in der Schweiz zur Schule, als ihn erstmals ein Schicksalsschlag ereilte. Bei einem Autounfall auf einer der gebirgigen Strassen der Schweiz kollidierte sein kleiner Fiat mit einem Lastwagen. Bhumibol verlor eine Auge. Die Verletzung hinderte den jungen Thailänder nicht daran, auf dem Krankenbett seiner späteren Ehefrau Sirikit den Hof zu machen. Doch entscheidend für das weitere Leben von Bhumibol wurde eine verhängnisvolle Nacht am 9. Juni 1946. Bhumibols älterer Bruder König Ananda Mahidol starb unter mysteriösen Umständen an den Folgen einer Schusswunde. Die offizielle Version, laut der es sich um einen selbstverschuldeten Unglücksfall handelte, wurde bald verworfen.

Zwei Mitarbeiter im Palast wurden schliesslich hingerichtet. Eine dritte Möglichkeit, wonach Bhumibol beim Spiel der Brüder mit Pistolen den tödlichen Schuss auslöste, wurde nie ernsthaft untersucht. Dabei hatten britische Ermittler herausgefunden, dass Bhumibol als letzter Besucher bei König Ananda war.

Wirtschaftlich erfolgreiche Amtszeit des Monarchen

Trotz des blutigen und mysteriösen Beginns seiner Amtszeit verhalfen Bhumibol und seine Ehefrau Sirikit in den ersten Jahrzehnten Thailands Monarchie zu neuer Blüte und neuem Respekt. Die offizielle Darstellung Thailands verherrlichte Bhumibol schon zu Lebzeiten als «König der Entwicklung». Das südostasiatische Königreich wandelte sich unter dem Monarchen von einer landwirtschaftlich geprägten Gesellschaft, in der im Jahr 1986 noch 67 Prozent der Bevölkerung in bitterer Armut lebte, zu einer 390 Milliarden US-Dollar schweren Wirtschaft mit einer Armutsrate von nur elf Prozent im Jahr 2014.

Aus Bauern wurden Bürger der Mittelklasse. Sie verlangen mehr politische Mitsprache, die ihnen von der militärischen und ökonomischen Elite rund um das Königshaus bis heute verwehrt wird. Zunehmend geriet dabei auch «Crown Property» in die Kritik. Das Unternehmen, das den Besitz der Königsfamilie verwaltet – etwa 30 Milliarden Dollar – hält zum Beispiel einen grossen Anteil der internationalen Hotelkette «Kempinski».

Angeschlagener Ruf der Monarchie

Angeblich sollte die Königsfamilie gegen Kritik und Anfeindungen abgeschirmt werden. Tatsächlich ging es vor allem darum, Kritiker der immer noch bestehenden feudalen Strukturen mundtot zu machen. Der Monarch selber stand manchen Veränderungen durchaus aufgeschlossen gegenüber. Bei seiner Geburtstagsrede 2005 erklärte Bhumibol, das Thailands König kritisiert werden dürfe. Er sei schliesslich ein Mensch. Es war der geradezu revolutionäre Satz eines Monarchen, der bei seinem Amtsantritt im Jahr 1946 und der förmlichen Krönung im Mai 1950 gottähnlichen Status genoss.

Doch die Konflikte der vergangenen zehn Jahre haben den Ruf der Monarchie angekratzt. Die Glaubwürdigkeit der Monarchie war eng an die Respektsperson Bhumibol geknüpft. Bhumibols designierter Nachfolger, der 64jährige Kronprinz Maha Vajiralongkorn, geniesst weit weniger Verehrung als sein Vater, und zudem hält seine Schwester Prinzessin Sirindhorn viele politische Zügel in den Händen.

Nervöse Militärmachthaber

Die massiven Vorsichtsmassnahmen, die das Militärregime während der vergangenen Tage vor dem Tod Bhumibols ergriffen hat, zeigen, wie nervös die Machthaber nach dem Tod des Monarchen sind. Sie rechtfertigten sich, es gebe Terrorwarnungen. Soldaten haben in der Hauptstadt Position bezogen. Jatuporn Pompran, ein Führer der oppositionellen «Union gegen Diktatur und für Demokratie» wurde wegen angeblich «harscher Worte» inhaftiert. Die Hüter der Monarchie fürchten nach dem Tod Bhumibols um ihre Zukunft.

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