Geldkoffer hinter Klostermauern

Argentinien hat einen neuen Skandal: Der frühere Bauminister José López wird mit acht Millionen Dollar Bargeld in einem Kloster gefasst. Der Politiker trug bei seiner Verhaftung ein Maschinengewehr.

Sandra Weiss/Puebla
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Ein ehemaliger Minister, der im Morgengrauen sieben Koffer voller Bargeld über Klostermauern wirft – das ist der Plot des neuesten Korruptionsskandals in Argentinien. Wie die Polizei von Buenos Aires berichtet, wurde sie in den frühen Morgenstunden per Notruf von einem Nachbarn über verdächtige Bewegungen im Kloster Nuestra Señora de Fátima in einem Aussenbezirk der Hauptstadt informiert. Als sie die Situation näher in Augenschein nahm, stürmte ein Mann in die Klosterküche und erklärte einer verdatterten 95jährigen Nonne, er wolle den Schwestern Geld schenken, und die Polizei wolle es ihm stehlen.

Der Mann, der ein Maschinengewehr mit sich führte, stellte sich als José López heraus, ehemaliger Bauminister der linksperonistischen Präsidenten Nestor Kirchner und Cristina Fernández de Kirchner. Die Polizei liess sich weder von der Erklärung noch von der Waffe oder angebotenen Geldbündeln beeindrucken und nahm den 54-Jährigen in Gewahrsam.

Bauminister unter Nestor Kirchner

Die Oberin erklärte, der Mann sei häufiger Gast im Kloster gewesen und ein «guter Mensch, aber ein bisschen durchgeknallt». Auch die Nachbarn erklärten der Presse, sie hätten öfter Luxusautos vor dem Kloster parkieren sehen und López Gesicht sei ihnen bekannt. In der Tatnacht schlief die Nonne wohl zu tief, um López zu öffnen, weshalb der in seiner Verzweiflung die Koffer über die Mauer warf. Das Bargeld in verschiedenen Währungen stellt eine Summe von über acht Millionen Dollar dar.

In seiner Steuererklärung – die für Staatsdiener verpflichtend öffentlich zu machen ist – habe López nur angegeben, zwei Millionen argentinische Pesos zu besitzen – umgerechnet 145 000 Dollar, schrieb die bürgerliche Zeitung «La Nación».

Der Skandal ist ein weiterer Wermutstropfen für die mittlerweile oppositionellen Linksperonisten, nachdem schon gegen Christina Fernández de Kirchner selbst und zahlreiche ihrer Vertrauten wie den ehemaligen Planungsminister Julio de Vido ermittelt wird. Auch gegen López, der zur Zeit Abgeordneter des Südamerikanischen Parlaments ist, läuft ein Prozess wegen ungerechtfertigter Bereicherung, der jetzt vermutlich um Geldwäsche erweitert wird. Er galt als enger Freund des verstorbenen Nestor Kirchner und war während der zwölf Jahre Regierung des Ehepaars Kirchner durchgängig Bauminister. «Wir hatten zuvor Hinweise auf Bankkonten im Ausland und Firmen, die ihm über Strohmänner gehörten, aber noch keinen für eine Festnahme ausreichenden Tatverdacht», sagte der zuständige Staatsanwalt. Die linksperonistische Fraktion distanzierte sich von López und verurteilte jegliche Art von Korruption oder Steuerhinterziehung.

«Eine unglaubliche Geschichte»

Der Kabinettschef der bürgerlich-rechten Regierung, Marcos Peña, sagte, die Regierung sei über diese filmreife Aktion überrascht. Für den politischen Analysten Victor Hugo Morales handelt es sich um eine «unglaubliche Episode» und «das moralische Ende des Kirchnerismus». Die Episode könnte sich aber auch für die Kirche als peinlich erweisen. Offensichtlich waren López und de Vido häufiger Gast in dem Kloster, das bis vor kurzem von Bischof Rubén Di Monte verwaltet wurde. Nach dessen Tod vor zwei Monaten lebten nur noch die Nonne und eine Betreuerin in dem Gebäude. Das Kloster werde von einer privaten Gemeinschaft autonom geführt, distanzierte sich das zuständige Erzbistum nun von der Affäre.