Gefecht mit Wasserwerfern

Im chinesisch-japanischen Inselkonflikt mischt nun auch Taiwan mit. Peking und Tokio bemühen sich derweil um Schadensbegrenzung.

Bernhard Bartsch
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Wasserschlacht zwischen Japan und Taiwan. (Bild: ap/Kyodo News)

Wasserschlacht zwischen Japan und Taiwan. (Bild: ap/Kyodo News)

PEKING. In den Territorialstreit im Ostchinesischen Meer mischt sich nun auch Taiwan aktiv ein. Am Dienstag lieferten sich japanische und taiwanische Schiffe nahe der umstrittenen Inselgruppe, die auf Chinesisch Diaoyu und auf Japanisch Senkaku heisst, ein Gefecht mit Wasserwerfern. Neben Peking und Tokio erhebt auch Taipeh Anspruch auf die unbewohnten Eilande. Es ist der bislang schwerste Zwischenfall nahe den umstrittenen Inseln, seit der Konflikt zwischen China und Japan vor zwei Wochen eskaliert war und in über 180 chinesischen Städten tagelang antijapanische Demonstrationen stattgefunden hatten.

Seegefecht mit Wasser

Nach Angaben der japanischen Regierung waren am frühen Dienstagmorgen 40 taiwanische Fischerboote, eskortiert von acht Patrouillenbooten, bei der Inselgruppe in Japans Hoheitsgewässer eingedrungen. Die japanische Küstenwache setzte daraufhin Wasserwerfer ein, worauf die taiwanischen Boote ihrerseits mit Wasser «zurückschossen». Angesichts schlechter Wetterverhältnisse sei die taiwanische Flotte schliesslich umgedreht, erklärte die Regierung in Taipeh.

1895 von Japan beansprucht

China und Japan versuchen derweil, ihr stark belastetes Verhältnis zu normalisieren. Tokios Vize-Aussenminister Chikao Kawai nahm am Dienstag in Peking Gespräche auf. Ein Ausweg aus dem Konflikt ist aber noch nicht in Sicht. Die chinesische Regierung publizierte unmittelbar vor dem Besuch Kawais ein Papier mit dem Titel: «Die Diaoyu-Inseln, ein rechtmässiger Teil Chinas». Darin heisst es, China werde seine Souveränität um jeden Preis verteidigen und nicht zulassen, dass «die Ergebnisse des antifaschistischen Weltkriegs von irgendeiner Kraft erschüttert werden».

Japan nahm die Inselgruppe 1895 im Zuge seiner asiatischen Expansion ein, nachdem sie zuvor von keinem Land ausdrücklich beansprucht worden war. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen die USA die Kontrolle über die Inseln und übergaben sie 1972 wieder an Japan. Die Inseln sind vor allem von militärstrategischer Bedeutung. Ausserdem werden in ihrer Umgebung grosse Erdgasvorkommen vermutet. Vor zwei Wochen hatte die Regierung in Tokio die Inseln von privaten japanischen Eigentümern gekauft, was von China und Taiwan nicht anerkannt wurde und die Protestwelle auslöste.

Noch andere Nachbarn besorgt

Es war das erste Mal seit langem, dass die Kommunistische Partei bereitwillig Kundgebungen zuliess und vielerorts gar selbst organisierte. Seitdem wird in politischen Kreisen sowie im Internet jedoch diskutiert, wer die Gewinner und Verlierer der Protestwelle sind, und ob sich die Partei mit dem heftigen Anheizen und Abkühlen patriotischer Gefühle nicht selbst geschadet hat. So sah sich die Partei etwa mit der Forderung konfrontiert, die Diaoyus militärisch einzunehmen. Dass bei den Demonstrationen vielfach Bilder von Mao auftauchten, wurde weithin als Kritik an der Führung verstanden, die den Japanern weniger entschlossen Paroli bietet als Maos Rote Armee.

Neben Japan beobachteten auch andere Nachbarländer Chinas antijapanische Kampagne mit Sorge, vor allem Vietnam, die Philippinen, Malaysia und Brunei, die im Südchinesischen Meer ihre eigenen Territorialkonflikte mit China haben. Sie dürften sich in ihren Vorbehalten gegen China bestätigt sehen und weiter versuchen, sich unter den militärischen Schutzschirm der USA zu begeben.