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Wassernot am Hindukusch: Gefährlicher als islamistischer Terror

Pakistan und Afghanistan leiden unter akuter Wassernot. Das könnte schwere Folgen für die politische Stabilität in der Region haben, warnen Beobachter.
Ulrike Putz, Singapur
Bewohner der pakistanischen Stadt Karatschi kühlen sich bei Aussentemperaturen von 44 Grad in einem Fluss ab. (Fareed Khan/AP (30. Mai 2018))

Bewohner der pakistanischen Stadt Karatschi kühlen sich bei Aussentemperaturen von 44 Grad in einem Fluss ab. (Fareed Khan/AP (30. Mai 2018))

In der pakistanischen Hafenmetropole Karatschi herrschen dieser Tage wahrlich lebensfeindliche Bedingungen: Tag für Tag klettert das Thermometer auf über 40 Grad C, in den Häuserschluchten der 25-Millionen-Stadt steht eine Bruthitze. Doch wer mit einem Kaltgetränk seinen Durst löschen möchte, muss vorsichtig sein: Während des Ramadans ist öffentliches Essen und Trinken tagsüber verboten und wird mit bis zu drei Monaten Gefängnis bestraft. Und auch mit Anbruch der Dunkelheit hören die Beschwerlichkeiten nicht auf. Denn Karatschis Stadtwerke liefern nur 60 Prozent des Wassers, das die Stadt eigentlich bräuchte. Und von dem wenigen Wasser, das aus dem Hahn kommt, sind 91 Prozent für den Verzehr ungeeignet.

Nicht nur Karatschi, ganz Pakistan hat ein massives Wasserproblem. Gerade mal 1017 Kubikmeter Wasser pro Kopf stehen den etwa 200 Millionen Pakistanern jährlich zur Verfügung. Ab weniger als 1000 Kubikmeter pro Person sprechen Wissenschafter von chronischem Wassernotstand. Bei 2 Prozent Bevölkerungswachstum pro Jahr wird dieser Zustand bald erreicht sein.

Wasserversorgung fahrlässig vernachlässigt

Pakistan sucht den Grund der Wassernot vor allem bei seinem Nachbar Indien. Es bezichtigt seinen Erzfeind, sich mehr vom Himalaja-Schmelzwasser zu nehmen, als ihm nach dem Indus-Wasserabkommen von 1960 zusteht. Aktueller Zankapfel ist der Kishanganga-Damm, den Indiens Premier vor zwei Wochen einweihte. Islamabad ist der ­Ansicht, dass Indien mit dem Damm Wasser zurückhalte.

Doch die pakistanische Trockenheit ist auch hausgemacht. Die teils uralte Infrastruktur wird kaum gewartet. Bis zu 60 Prozent des Wasserreichtums Pakistans versickert dank lecker Leitungen, schätzen Beobachter. Wasserprojekte verlaufen wegen Korruption und Unfähigkeit im Sande, die staatliche Planung hinkt um Jahrzehnte hinterher. Den Prognosen nach wird die heute benötigte Wassermenge erst 2050 produziert werden – bis dahin wird sich die Bevölkerung jedoch fast verdoppelt haben. Beobachter sagen, der Mangel an verwendbarem Wasser für Pakistans Zukunft stelle eine weitaus grössere Gefahr dar als islamistischer Terror oder der Nachbar Indien. Trotzdem gingen im letzten Jahr wieder knapp 30 Prozent des Budgets ans Militär – 24-mal so viel wie für den Ausbau der Wasserversorgung.

Notstand spielt den Taliban in die Hände

Es mag kein Trost sein, doch Pakistan steht mit seinen Sorgen nicht allein da. Auch das Nachbarland Afghanistan ringt mit akuten Problemen bei der Wasserversorgung. Ausbleibende Regen- und Schneefälle im vergangenen Winter haben eine heftige Dürre ausgelöst. Da zudem die Ernte in Mitleidenschaft gezogen worden ist, laufen bis zu zwei Millionen Afghanen Gefahr, in sechs Monaten schweren Hunger zu leiden, warnt das UN-Nothilfebüro (Ocha) in Kabul.

Die Regierung versichert, dass sie die Dürre «genauso ernst nimmt wie die Sicherheitslage», wie ein Sprecher sagte. Tatsächlich spielt der Notstand den Taliban in die Hände. Viele Bauern sehen sich gezwungen, die herkömmliche Landwirtschaft aufzugeben und auf den Anbau von Mohn zur Opiumgewinnung umzusteigen. Da Opium enorme Gewinne abwirft, können sich die Landwirte erlauben, den Mohn mit in Tanklastern herbeigebrachtem Wasser zu bewässern. Die Taliban füllen durch Opiumschmuggel ihre Kriegskasse: Für die Regierung stellt die Dürre so eine ernste Gefahr dar.

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