Ganz und gar ohne Mass

Entsetzt, ratlos, schockiert – so lauteten gestern Reaktionen auf die blutige israelische Attacke auf die Schiffe vor dem Gaza-Streifen. Sie wollten Hilfsgüter in den abgeriegelten Landstrich bringen. Tatsächlich erscheint die Aktion ganz und gar unverhältnismässig.

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Entsetzt, ratlos, schockiert – so lauteten gestern Reaktionen auf die blutige israelische Attacke auf die Schiffe vor dem Gaza-Streifen. Sie wollten Hilfsgüter in den abgeriegelten Landstrich bringen. Tatsächlich erscheint die Aktion ganz und gar unverhältnismässig. Gewiss hätte es für die hochgerüstete israelische Militärmacht andere Möglichkeiten gegeben, die Schiffe zu stoppen – wenn dies denn überhaupt sein musste.

Ging es also einfach um eine Machtdemonstration, mit der ein für allemal klargemacht werden sollte, dass Israel solche Hilfsaktionen nicht mehr toleriert?

Auf der anderen Seite hat der Chef der palästinensischen Hamas, die den Gaza-Streifen kontrolliert, einer solchen israelischen Attacke zynisch entgegengesehen, sie gar herbeigesehnt.

Auch wenn die Schiffe von den «Zionisten» behindert und «terrorisiert» würden, sei dies «ein Sieg für Gaza», sagte Ismail Haniyeh am Wochenende. Die Bevölkerung im Gaza-Streifen spielte in diesem seinem Kalkül keine Rolle.

Jedenfalls droht die Spirale der Gewalt im Nahen Osten sich wieder schneller zu drehen. Ausgerechnet in einem Moment, da nach einer langen Phase von Forderungen und Gegenforderungen wieder indirekte Verhandlungen zwischen Israeli und Palästinensern

aufgenommen worden sind – mit denen die Hamas allerdings nichts zu tun haben will. Nun ist wieder die gesamte Region in Aufruhr. Ebenso ist es die Arabische Liga, ohne deren Zustimmung neue Verhandlungen kaum aufgenommen worden wären. Möglicherweise ist der Aufruhr aber ganz im Sinne der Fanatiker und Hardliner hüben wie drüben, die an einem Friedensprozess, der diesen Namen verdient, gar kein Interesse haben. Urs Bader

u.bader@tagblatt.ch

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