Gadhafis Sohn Saif al-Islam in Libyen zum Tod verurteilt

TRIPOLIS. Die Richter in Tripolis haben den 43jährigen Diktatoren-Sohn Saif al-Islam unter anderem wegen Mordes und Korruption schuldig gesprochen. Hintergrund sind die Ereignisse während des Aufstands gegen Gadhafi 2011. Der Verurteilte kann noch Berufung einlegen.

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Saif al-Islam Sohn von Muammar al-Gadhafi (Bild: epa)

Saif al-Islam Sohn von Muammar al-Gadhafi (Bild: epa)

TRIPOLIS. Die Richter in Tripolis haben den 43jährigen Diktatoren-Sohn Saif al-Islam unter anderem wegen Mordes und Korruption schuldig gesprochen. Hintergrund sind die Ereignisse während des Aufstands gegen Gadhafi 2011. Der Verurteilte kann noch Berufung einlegen.

Drei Todesurteile

Zusammen mit Al Islam wurden acht Vertraute des langjährigen Machthabers zur Hinrichtung durch ein Erschiessen verurteilt, darunter der frühere Regierungschef Baghdadi al-Mahmudi und der ehemalige Geheimdienstchef Abdullah Senussi. Auch ihnen wurden Verbrechen während des Aufstands vorgeworfen. Insgesamt waren mehrere Dutzend Männer angeklagt, einige von ihnen wurden zu Gefängnisstrafen von fünf Jahren bis lebenslänglich verurteilt.

Der Prozess gegen den einst als Gadhafis Nachfolger auserkorenen Saif al-Islam fand seit April in der libyschen Hauptstadt Tripolis statt. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag hatte sich zuvor vergeblich um eine Auslieferung des Gadhafi-Sohns bemüht. Er sollte sich wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor der internationalen Justizbehörde verantworten. Menschenrechtsgruppen befürchteten, dass er in Libyen kein faires Verfahren bekommt. Saif al-Islam war während des Prozesses nicht im Gericht anwesend, seine Aussage macht er per Video. Er wird seit 2011 von einer früheren Rebellengruppe festgehalten.

Gadhafis liberale Maske

Saif al-Islam hatte lange als das liberale Gesicht des Gadhafi-Clans gegolten. Während des Umsturzes in Libyen trat er aber als radikaler Anhänger seines Vaters auf. Seit dem mit Hilfe der Nato erfolgten Sturz Gadhafis ist Libyen in einen Bürgerkrieg geraten, in dem sich zwei rivalisierende Regierungen und Parlamente gegenüberstehen. Zudem kämpfen auch IS-Jihadisten um Einfluss. (rtr/wbr)