Fussball-Star Marcus Rashford wird zum Coronahelden und zwingt Boris Johnson in die Knie

Der Manchester-United-Stürmer (22) musste als Kind Hunger leiden. Jetzt hat er mit einem Brief die britische Regierung umgestimmt. Die Online-Gemeinschaft fordert, die Queen solle ihn zum Ritter schlagen.

Samuel Schumacher
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Marcus Rashford: Fussballstar, Multimillionär – und gefeierter Coronaheld.

Marcus Rashford: Fussballstar, Multimillionär – und gefeierter Coronaheld.

Keystone

Helden waren Mangelware in den schwierigen Wochen, die Grossbritannien seit Ausbruch der Coronakrise durchlebt hat. Über 42'000 Briten sind an Covid-19 gestorben (mehr als in jedem anderen europäischen Land) und die Regierung von Boris Johnson sorgt mit ihrem Schlitterkurs für tiefe Sorgenfalten auf den Stirnen der Insulaner.

Auf der Höhe der politischen Krise platzt jetzt ausgerechnet ein 22-jähriger Fussballstar in die Manege und liest den Mächtigen im Land die Leviten: Marcus Rashford, Stürmer bei Manchester United, englischer Nationalspieler und in diesen Tagen vor allem besorgter Bürger.

Der Ausnahmekönner auf dem Rasen hat diese Woche unter Beweis gestellt, dass es ihm auch auf dem politischen Parkett nicht an Treffsicherheit fehlt. In einem offenen Brief hat sich Rashford an die Abgeordneten im Unterhaus gewendet und sie gebeten, sich für Gratis-Mahlzeiten für hunderttausende bedürftige Kinder im Land einzusetzen.

200'000 britische Kinder gehen hungrig ins Bett

Hintergrund für den Brief, den Rashford mit dem Hashtag #maketheuturn (#wagtdieWende) am Montag auf Twitter veröffentlicht hatte, war das nahende Ende eines Programmes, das rund 1,3 Millionen Kindern aus armem Haus Zugang zu Gratismahlzeiten an den Schulen ermöglicht hatte. Das Programm sollte noch vor den Sommerferien auslaufen.

In seinem Brief unterstrich Rashford, dass die Beendigung des Hilfsprogramms gerade jetzt in Zeiten der Coronakrise ein fataler Fehler wäre. 200‘000 Kinder hätten laut der Organisation Food Foundation seit Beginn des Lockdowns im März regelmässig auf Mahlzeiten verzichten müssen. «Wenn wir unsere Parteibücher zur Seite legen, können wir uns dann nicht darauf einigen, dass kein Kind je hungrig ins Bett gehen sollte?», schrieb der Fussballstar.

«Ungenügende Nahrungsmittelversorgung in England ist eine Pandemie, die über Generationen Anhalten könnte.»

Rashford, der bei Manchester United heute mehr als 12 Millionen Franken pro Jahr verdient, weiss aus eigener Erfahrung, wie es ist, hungrig ins Bett zu gehen. Seine alleinerziehende Mutter schaffte es mit ihrem Minimallohn nicht jeden Tag, alle fünf Kinder durchzufüttern.

Rashford erzählte der BBC in einem Interview, wie sie als Familie regelmässig auf Gratismenüs aus Suppenküchen angewiesen waren und wie er immer mal wieder im Haus von Freunden etwas zu essen erhielt, wenns daheim nichts gab.

«Ungenügende Nahrungsmittelversorgung in England ist eine Pandemie, die über Generationen Anhalten könnte, wenn wir jetzt nicht einschreiten», ermahnte Rashford deshalb die Parlamentarier. «Ich ermutige Sie alle, die Bitten der Kinder zu erhören und ihre Menschlichkeit nicht zu vergessen. Bitte überdenken Sie Ihre Entscheidung.»

Ritter Rashford?

Und sein Brief, der auf den Sozialen Medien hunderttausendfach geteilt worden ist, hat schnell Wirkung gezeigt. Noch bevor es im Parlament überhaupt zu einer Debatte über eine Verlängerung des Programms kam, liess die Regierung von Boris Johnson vermelden, dass man einen Fonds mit 140 Millionen Franken einrichte, um das Gratis-Essen-Programm für bedürftige Schulkinder über die Sommerferien hinaus zu verlängern.

«Ich weiss gar nicht, was ich sagen soll. Schaut, was wir erreichen können, wenn wir zusammenstehen», schrieb Rashford daraufhin auf Twitter. Und die Online-Gemeinschaft schrie tausendfach #SirMarcusRashford in den Äther. Doch den königlichen Ritterschlag, den hat der neue britische Coronaheld gar nicht mehr nötig.