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FUSSBALL: Randale: Es drohen harte Strafen

Als wäre die Lage in Frankreich nicht schon genug gespannt: Die Krawalle russischer und englischer Hooligans zeugen von der Ermattung der französischen Polizei, die seit Wochen an der Streik- und an der Terrorfront im Einsatz ist.
Stefan Brändle/Paris
Wüste Szenen in Marseille: Englische, russische und französische Hooligans liefern sich eine Strassenschlacht. Die Polizisten klagen derweil über Ermüdungserscheinungen. (Bild: ap/Darko Bandic)

Wüste Szenen in Marseille: Englische, russische und französische Hooligans liefern sich eine Strassenschlacht. Die Polizisten klagen derweil über Ermüdungserscheinungen. (Bild: ap/Darko Bandic)

FUSSBALL. Eine Minute vor Ablauf der regulären Spielzeit, als England noch mit 1:0 führte, flog eine Rauchbombe von der russischen Tribüne in das englische Publikum. Der Knall war so laut, dass viele Zuschauer zuerst an einen Terroranschlag glaubten. In Wahrheit war es das Fanal für einen harten Kern russischer Anhänger, Gesichtsmützen überzuziehen, die Absperrung zum englischen Sektor zu überwinden und auf die Fans der Gegenseite loszugehen.

Vor dem Spiel hatten sich Hooligans aus England, Russland und Frankreich mit der Polizei im alten Hafen von Marseille drei Tage lang heftige Gefechte geliefert. Dass es nur 35 Verletzte – darunter vier schwerverletzte Engländer – gab, ist fast ein Wunder. Ein am Boden liegender 51-Jähriger wurde von einem wohl russischen Fan mit dem Fuss so oft an den Kopf getreten, dass er noch gestern in Lebensgefahr schwebte. Der mit einem blauen Sommerhut gefilmte Täter wird gesucht.

Urteil morgen Dienstag

Ein Sprecher des französischen Innenministeriums erklärte, viele Hooligans seien von den jeweiligen Polizeibehörden ihres Landes nicht weitergemeldet worden, was die Kontrolle und Fahndung erschwere. Bei den Engländern soll es sich allerdings kaum um registrierte Hooligans handeln. Die meisten sollen nach Marseille gereist sein wie früher nach Ibiza – des Trinkens und der «Action» wegen.

Die russischen Schläger hingegen stammen gemäss ihren schwarzen Halstüchern meist aus den Fanclubs von Lokomotive Moskau und Zenit St. Petersburg. Sie wirkten gut trainiert und viel organisierter als die meist betrunkenen Engländer. In den Altstadtgassen von Marseille traten sie in kleinen Kommandos auf, droschen mit Eisenstangen und Klappstühlen auf ihre «Gegner» ein und verzogen sich blitzschnell wieder.

Das Exekutivkomitee der Uefa eröffnete am Sonntag ein Verfahren gegen den russischen Fussballverband. Morgen Dienstag sollen die Massnahmen verkündet werden. In ähnlichen Fällen wurden bisher Geldstrafen verhängt; doch jetzt sind härtere Sanktionen zu erwarten. Schockierte die Gewalttätigkeit der Schläger doch nicht zur die direkten Opfer. 2018 soll Russland die nächste Fussball-Weltmeisterschaft ausrichten.

Viele mit Einreiseverbot

Kritik gibt es am Sicherheitsdispositiv vor dem Spiel. Der französische Hooligan-Forscher Patrick Mignon sagte, bei der WM in Deutschland 2006 seien die Fans von ihrer Ankunft an den Bahnhöfen an flankiert worden – anders als in Marseille. Statt Betreuern sahen sich die Fans schwer ausgerüsteten Polizisten gegenüber. Und diese hatten keine Betreuermission. Sie stehen seit Monaten unter Terroralarm, und dazu seit Wochen an diversen Streikfronten im Einsatz. Dabei gehen vermummte Jugendliche ebenfalls mit Eisenstangen und Pflastersteinen auf sie los. Schon im Mai hatten sie bei einer Kundgebung in Paris über gefährliche Einsätze, Dauerstress und Erschöpfung geklagt. Entsprechend aggressiv geben diese Einheiten die Gewaltbereitschaft nun an die Hooligan-Gewalt zurück. Innenminister Bernard Cazeneuve bestritt zwar am Sonntag, dass die 1300 Sonderpolizisten in Marseille überfordert gewesen seien. Er selbst, verteidigte er sich, habe die Gefahr von Schlägern «ebenso berücksichtigt wie andere Bedrohungen, insbesondere die terroristische». 3000 Hooligans sei die Einreise nach Frankreich verwehrt worden.

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