Furcht in Südafrika wächst

Die Ermordung des Rassistenführers Eugene Terreblanche weckt in Südafrika die Angst vor massiven Ausschreitungen. Die Spitzenpolitiker des Landes mahnen zur Besonnenheit. Doch die Fronten drohen zusehends zu verhärten.

Frank Räther
Drucken
Teilen
Der getötete Rechtsextremist Eugene Terreblanche auf einem früheren Bild. Dahinter eine Flagge mit hakenkreuzähnlichem Symbol. (Bild: epa/Johann Hattingh)

Der getötete Rechtsextremist Eugene Terreblanche auf einem früheren Bild. Dahinter eine Flagge mit hakenkreuzähnlichem Symbol. (Bild: epa/Johann Hattingh)

Johannesburg. Südafrikas politische Führer haben sichtlich Angst. Noch vor den Abendnachrichten wurde eine Ansprache von Präsident Jacob Zuma in einer Sondersendung ausgestrahlt – die erste in seiner bisherigen knapp einjährigen Amtszeit. «Seid besonnen», sagte er in der fast zehnminütigen Rede immer wieder. Den gleichen Tenor schlugen auch Stellungnahmen aller massgeblichen Parteien an.

Der Grund für die Aufregung: Am Ostersamstag war der Führer der weissen Rassistenpartei Afrikaner Weerstandsbeweging (AWB), Eugene Terreblanche (69), in seinem Haus von zwei Schwarzen mit einem Knüppel und einem Buschmesser ermordet worden. Die beiden Täter, 15 und 28 Jahre alt, waren Arbeiter auf seiner Farm bei Ventersdorp, etwa 100 Kilometer westlich von Johannesburg, und wollten ihren ausstehenden Lohn von umgerechnet je 30 Euro, was Terreblanche verweigerte. Sie riefen hinterher selbst die Polizei an und wurden verhaftet.

«Die Gefühle aufheizen»

Obwohl die Ermordung von Terreblanche keinen politischen Hintergrund hat, geht die Furcht vor einer eskalierenden Konfrontation zwischen Schwarzen und Weissen in Südafrika um. «Der Mord wird unweigerlich die Gefühle in Südafrika polarisieren und aufheizen», warnte Oppositionsführerin Helen Zille von der Demokratischen Allianz.

Sie bezog sich vor allem auf den Führer der Jugendbewegung des regierenden Afrikanischen Nationalkongresses (ANC), Julius Malema, der mit dem öffentlichen Singen eines alten Kampfliedes, in dem es heisst «Tötet die Buren», Stimmung macht. Buren steht dabei für die Farmer und die Weissen generell. Malema erklärte zudem während seines gegenwärtigen Besuchs in Simbabwe, dass die dortige gewaltsame Enteignung weisser Farmer eine revolutionäre Leistung sei, die Südafrika noch vor sich habe.

Und da zudem in den vergangenen 15 Jahren über 1600 weisse Farmer in Südafrika ermordet wurden, was die Polizei bisher stets als «normale Kriminalität» herunterspielte, macht auch deren Verband Agrisa die Warnlampen an. Musa Zondi, Generalsekretär der Inkatha-Partei fürchtet, «einige skrupellose Leute könnten das Kampflied wörtlich nehmen, was zur Eskalation des Rassenhasses und der Ermordung von Farmern führt.»

Obwohl Präsident Zuma nachdrücklich verlangte, dass politische Führer erst sehr ernst nachdenken sollten, bevor sie Erklärungen abgeben, forderte er nicht seinen Jugendführer Malema auf, seine Eskapaden einzustellen. Vorige Woche noch hatte der ANC sogar erklärt, er wolle das vorige Woche ergangene Gerichtsurteil, das das Lied als zur Rassenhatz auffordernd verbot, anfechten.

Unterdessen drohte der Generalsekretär von Terreblanches AWB, Andre Visagie, mit Revanche für die Ermordung des Parteiführers. Er riet Fussballteams und ihren Anhängern, die zur WM in zwei Monaten anreisen wollen, lieber zu Hause zu bleiben (siehe auch Kasten).

Neue Zerreissprobe

All dies erinnert an die Eskalation der Stimmung nach der Ermordung des beliebten ANC-Führers Chris Hani 1993 durch weisse Rassisten, ebenfalls zu Ostern. Auch wenn es sich diesmal um keine politische Tat handelte.

Doch viele Schwarze, vor allem in Ventersdorp, äusserten sich zufrieden, dass «der Hund» endlich tot sei. Terreblanche hatte vor einem Jahrzehnt einen seiner schwarzen Arbeiter so misshandelt, dass der noch immer einen geistigen Schaden hat, sowie einen schwarzen Tankwart zusammengeschlagen. Dafür wurde er zu sechsjähriger Haft verurteilt, von der er die Hälfte absass.

Vor einem halben Jahr erklärte Terreblanche, dass sich seine Organisation vehement gegen ein Beiseitedrängen der afrikaanssprachigen Weissen zur Wehr setzen werde. Nun ist er ermordet – und die Gefahr, dass seine Anhänger – einige Tausend, die fanatisch und militärisch gedrillt sind – dies zum Anlass für Terroranschläge nehmen, ist beträchtlich.

Aktuelle Nachrichten