Für Sarkozy wird es noch enger

Der bekannte französische Umweltschützer Nicolas Hulot tritt bei den nächsten Präsidentschaftswahlen an. Der Amtsinhaber gerät noch stärker in Bedrängnis.

Stefan Brändle
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Nicolas Hulot (Bild: ap)

Nicolas Hulot (Bild: ap)

Paris. Der 55-Jährige hat gestern seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen 2012 in Sevran angekündigt, einem berüchtigten Vorort von Paris. Nicht nur damit sucht sich der Umweltschützer und Abenteurer von der «classe politique» abzusetzen. Hulot pflegt seit langem das Bild des Einzelgängers, der mit Frau und drei Kindern in einem alten Haus an der Bretagne-Küste lebt und sich mehrmals im Jahr auf eine Entdeckungsreise begibt – mit einem imposanten High-Tech-Kamerateam. Hulot leitet auf dem privaten TV-Sender TF1 seit 1987 die Natursendung «Ushuaïa».

Liebling der Nation

Hulot steht dazu, dass die Sendung und die zugehörige Umweltstiftung von Firmen gesponsert werden, unter ihnen der Atom- und Stromkonzern Electricité de France. «Wenn es der Sache dient, umso besser», meint er mit der ihm eigenen Mischung aus Ehrlichkeit und Naivität.

Diese macht Hulot zum Liebling der Nation: Er führt regelmässig die Beliebtheitsskalen an, und seit 2007 figuriert er auch in den Politbarometern – derzeit an erster Stelle vor Jacques Chirac und Dominique Strauss-Kahn, einem möglichen Präsidentschaftskandidaten der Sozialisten. Vor fünf Jahren bereits erwog Hulot, sich um das Amt zu bewerben. Schliesslich legte er den anderen Kandidaten lieber einen «Umweltpakt» vor, den sie unterschrieben. Nicolas Sarkozy versprach, eine CO2-Steuer und ökologisch korrekte Agrarsubventionen einzuführen. Nichts davon blieb.

Hulot will es nicht noch einmal darauf ankommen lassen. Seine Bewerbung fürs Präsidentenamt hat ein kleineres politisches Beben ausgelöst. Zunächst bei den Grünen von «Europe Ecologie/Les Verts» (EELV). Sie haben mit Eva Joly schon eine Kandidatin. Sie kommt aber in ihrer eigenen Partei nur auf 28 Prozent Sympathiestimmen, der parteilose Hulot jedoch auf 60 Prozent. Jolys Anhänger tun Hulot nun als «Fernseh-Grünen» ohne politischen Tiefgang ab.

Er versuchte gestern, dem Ruf des politisch Unbedarften entgegenzuwirken, indem er sagte, er wolle vor allem gegen das «soziale Leiden» der Franzosen ankämpfen. Er verurteilte Profitdenken und Wachstums-Dogmen, womit er sich vom bürgerlichen Regierungslager distanzierte.

Kampf um die Mitte

Hulots Kandidatur bringt Amtsinhaber Sarkozy noch mehr in Bedrängnis. Letzte Woche hatte sich bereits der Zentrumspolitiker Jean-Louis Borloo von ihm abgewendet. Nun drohen ihm auch die Stimmen unpolitischer Grün-Wähler zu entgehen– und die sind seit «Fukushima» zahlreicher denn je. Umfragen zufolge könnte Sarkozy im ersten Wahlgang scheitern, sollte sich die politische Mitte ganz vom ihm abwenden, denn auf der Rechten steht ihm bereits die neue Front-National-Chefin Marine Le Pen im Weg. Sowohl Borloo wie Hulot wurde bisher eine gewisse Nähe zum «Erneuerer» Sarkozy nachgesagt.

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