Rache an der Familie von Weizsäcker

Der Arzt Fritz von Weizsäcker wurde bei einem Referat in Berlin von einem offenbar geistig Verwirrten erstochen.

Christoph Reichmuth aus Berlin
Drucken
Teilen
Fritz von Weizsäcker (zweite Person von links). Bild: Keystone

Fritz von Weizsäcker (zweite Person von links). Bild: Keystone

Ein offenbar geistig verwirrter 57-jähriger Mann aus Deutschland hat am Dienstagabend den bekannten Berliner Arzt Fritz von Weizsäcker mit einem Messer niedergestochen und getötet. Ein zufällig anwesender Polizist, ein 33-jähriger Familienvater, wurde schwer verletzt, nachdem er den Täter zurückhalten wollte. Laut «Spiegel online» wollte sich der gebürtige Berliner, zuletzt wohnhaft in Rheinland-Pfalz, an der Familie von Weizsäcker rächen.

Der Vater des getöteten Mediziners war der 2015 im Alter von 94 Jahren verstorbene ehemalige deutsche Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Der CDU-Politiker stand Deutschland von 1984 bis 1994 als Staatsoberhaupt vor, zuvor war von Weizsäcker Regierender Bürgermeister von Berlin.

Merkel: «Entsetzlicher Schlag»

Der Internist Fritz von Weizsäcker hielt am Dienstagabend in einer Privatklinik im Westberliner Bezirk Charlottenburg einen Vortrag zu einem medizinischen Thema. Laut Berliner Medienberichten besuchten etwa 20 Personen den öffentlichen Vortrag. Im Anschluss an das Referat soll der offenbar geistig verwirrte 57-Jährige in den Raum getreten sein.

Ohne Vorwarnung und ohne ein Wort zu sprechen, habe der Mann auf von Weizsäcker mit einem Messer eingestochen. Der zu Hilfe geeilte, privat anwesende Polizist wurde schwer verletzt, überlebte die Attacke aber und schwebt nicht mehr in Lebensgefahr. Von Weizsäcker verstarb trotz Reanimationsversuchen noch in der Klinik. Der Täter konnte von den anderen anwesenden Gästen bis zum Eintreffen der Sicherheitskräfte zurückgehalten werden.

Der Täter soll laut verschiedenen Berichten nicht polizeibekannt sein, auch war er zum Zeitpunkt der Tat kein Patient der privaten Berliner Klinik, in welcher der Vortrag stattgefunden hat. Noch in der Nacht haben Polizeibeamte die Wohnung des 57-jährigen Täters in Rheinland-Pfalz in der Nähe von Koblenz durchsucht – Auffälliges ist dabei offenbar nicht gefunden worden. Auch wurde die Familie von Weizsäcker darüber befragt, ob Familienmitglieder in letzter Zeit Bedrohungen ausgesetzt gewesen waren.

Die Tat sorgte deutschlandweit für Bestürzung. Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich erschüttert. Über ihren Sprecher Steffen Seibert kondolierte die Kanzlerin der Familie und der Witwe des Getöteten: «Es ist ein entsetzlicher Schlag für die Familie von Weizsäcker», so Merkel. Die Berliner Staatsanwaltschaft beantragte laut Medienberichten gestern, den Täter ­aufgrund einer «akuten psychischen Erkrankung» in einer Klinik unterzubringen.

Das jüngste der vier Weizsäcker-Kinder

Der 59-jährige Fritz von Weizsäcker war seit 2005 Chefarzt der Abteilung innere Medizin an der Schlosspark-Klinik in Charlottenburg, wo sich die Tat ereignete. Er studierte Humanmedizin und hielt sich zwischenzeitlich auch in Zürich auf.

Er war das jüngste von vier Kindern des ehemaligen Bundespräsidenten. Nach dem Tod von Fritz von Weizsäcker leben nur noch deren zwei. Auch die 87-jährige Witwe des Ex-Bundespräsidenten, Marianne von Weizsäcker, Mutter des getöteten Mediziners, ist noch am Leben.