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Mit Friedrich Merz kehrt ein alter Rivale Angela Merkels zurück

Angela Merkels ehemaliger Gegenspieler Friedrich Merz will CDU-Chef werden. Schafft er es an die Parteispitze, dürfte dies Merkels Kanzlerschaft auf die Probe stellen.
Christoph Reichmuth, Berlin
Einst waren sie Wegbegleiter, später wurden sie zu Rivalen: Friedrich Merz und Angela Merkel bei einer Debatte im Berliner Reichstag vor 18 Jahren. (Bild: Fritz Reiss/AP, 17. Februar 2000)

Einst waren sie Wegbegleiter, später wurden sie zu Rivalen: Friedrich Merz und Angela Merkel bei einer Debatte im Berliner Reichstag vor 18 Jahren. (Bild: Fritz Reiss/AP, 17. Februar 2000)

Kaum hatte Noch-CDU-Chefin und Kanzlerin Angela Merkel am Montag ihren Rücktritt nach 18 Jahren von der Parteispitze erläutert, geisterte der Name Friedrich Merz als möglicher neuer CDU-Chef durch die Medien. Gestern nun gab Merz seine offizielle Kandidatur beim Bundesparteitag der Christdemokraten Anfang Dezember in Hamburg bekannt. «Wir brauchen in der Union Aufbruch und Erneuerung mit erfahrenen und mit jüngeren Führungspersönlichkeiten», teilte der 62-jährige Jurist in einer Stellungnahme mit. «Ich bin bereit, dafür Verantwortung zu übernehmen.»

Merz war einst ein Wegbegleiter Merkels, später wurden die beiden zu Rivalen. Anfang der 2000er-Jahre entschied die Physikerin einen parteiinternen Machtkampf für sich, der talentierte Finanzpolitiker zog sich in den folgenden Jahren immer stärker zurück und trat 2009 sogar aus dem Bundestag aus. Der verlorene Machtkampf gegen Merkel kränke Merz bis heute, heisst es. Nach seiner politischen Laufbahn konzentrierte er sich auf Tätigkeiten in der Wirtschaft, 2016 wechselte er zum internationalen Vermögensverwalter Blackrock.

Merz' Kandidatur löste Wellen der Begeisterung aus

Merz vermied es, die CDU unter Angela Merkel allzu stark zu kritisieren, liess indes keine Zweifel daran, dass er mit dem Kurs der Liberalisierung der CDU fremdelt und die Flüchtlingspolitik des Jahres 2015 für einen Fehler hält. Die Ankündigung seiner Kandidatur löste nicht nur in konservativen Parteikreisen geradezu Wellen der Begeisterung aus. «Als Parteichef wird Friedrich Merz den CDU-Mitgliedern und CDU-Anhängern den verlorenen Stolz zurückgeben», meinte etwa der CDU-Bundestagsabgeordnete Christian von Stetten.

Auf die Rückkehr von Merz haben offenbar viele Parteimitglieder der älteren Generation sehnlichst gewartet. Die Kandidatur des Sauerländers durchkreuzt wohl nun die Pläne des amtierenden Gesundheitsministers Jens Spahn (38). Dieser ist Hoffnungsträger des konservativen Flügels und vor allem bei der jungen Garde der Union äusserst beliebt. Er hat sich parteiintern immer wieder dem Kurs der CDU-Chefin entgegengestellt. Spahns Vorteil ist, dass seine Kandidatur für einen Generationenwechsel steht. Möglicherweise ist er aber noch zu jung und geniesst in der Partei zu wenig breiten Rückhalt.

Merz verkörpert die alte CDU, die es nicht mehr gibt

Merz wiederum ist ein erfahrener Vollblut-Politiker, der sich die Finger in den letzten Jahren nicht schmutzig gemacht hat: Vor fast zehn Jahren ist er aus der Politik ausgestiegen und steht nicht für die umstrittene Euro-Rettungspolitik, nicht für die Migrationspolitik der Bundesregierung und auch nicht dafür, konservative Werte über Bord geworfen zu haben. Merz verkörpert ein Stück weit jene alte CDU, die viele Konservative nach all den Merkel-Jahren so sehr vermissen, die es allerdings nicht mehr gibt. Insofern wirkt Merz’ Kandidatur ein wenig so, als wolle hier ein einst aus dem Weg geräumter CDU-Hoffnungsträger Rache üben. In seiner Kandidatur liegt also auch die Gefahr der weiteren Spaltung der Partei.

Merkel, die bis Ende der Legislatur 2021 weiterregieren möchte, muss darauf hoffen, dass beim Parteitag im Dezember die amtierende Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer oder der ihr ebenfalls wohlgesinnte nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet an die Spitze der CDU gewählt wird. Jens Spahn oder Friedrich Merz könnten das konservative Profil der Christdemokraten derart stärken, dass Merkels Machtbasis in der Partei zusammenbricht. Unter diesen Umständen wäre es eine Überraschung, könnte Merkel noch mehrere Jahre weiterregieren. Zu bedenken ist auch, dass der künftige CDU-Chef oder die neue CDU-Chefin mit der Ambition ausgestattet ist, das Land nach der Ära Merkel zu regieren. Die CDU wird versuchen, Merkels Nachfolger mit dem Kanzlerbonus in die nächste Bundestagswahl zu schicken. Das heisst, dass die Kanzlerin ohnehin vor 2021 weichen müsste.

AfD droht ihren Lieblingsfeind zu verlieren

Die Wahl an die CDU-Spitze ist auch für die AfD und die SPD von hoher Bedeutung. Übernimmt in der CDU ein Konservativer wie Merz oder Spahn das Zepter, hat die SPD die Chance, endlich wieder erkennbar zu werden. Die Rechtspopulisten von der AfD hingegen drohen mit Merkel ihren Lieblingsfeind zu verlieren. «Wir hätten es schwerer, wenn Herr Spahn Parteivorsitzender würde», räumte AfD-Chef Alexander Gauland ein. Das gelte wohl auch für Friedrich Merz.

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