Französische Polizisten fassen Kopf der ETA

Die französische Polizei hat den ranghöchsten Anführer der baskischen Untergrundorganisation ETA gefasst. Festgenommen wurden auch drei weitere gesuchte ETA-Mitglieder.

Ralph Schulze
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madrid. Um 6.15 Uhr morgens stürmten schwerbewaffnete Polizisten das Versteck der ETA-Terroristen in einem Wohnhaus in der südfranzösischen Kleinstadt Bayonne. Die Beamten machten einen grossen Fang: Sie konnten die Chefs der militärischen Führung der Terrororganisation ETA festnehmen, die gerade wieder eine neue Anschlagsserie im Nachbarland Spanien vorbereiteten.

Geschwächt, aber aktionsfähig

«Wir haben die Nummer eins der ETA gefasst und den Stellvertreter», erklärte Spaniens Innenminister Rubalcaba später. «Das waren die beiden in Spanien wie auch Frankreich meistgesuchten Personen.» Zudem wurden zwei weitere Terroristen verhaftet.

Der neue spektakuläre Schlag gegen die ETA-Führung ist ein weiterer Erfolg der engen Zusammenarbeit zwischen Spaniens und Frankreichs Sicherheitsbehörden.

In den letzten zwei Jahren haben die Fahnder beider Länder insgesamt sechs Mal den Kopf der ETA festnehmen können. Sie gilt inzwischen als stark geschwächt, aber immer noch als einsatzfähig.

In Bayonne ging der Polizei Mikel Carrera Sarobe ins Netz. Der 37-Jährige mit dem Kampfnamen «Ata» gehört seit Jahren zum harten Kern der ETA-Führung. Vor drei Monaten, nach der Festnahme seines Vorgängers, rückte er an die Spitze. «Ata» wird auch der Bombenserie im letzten Sommer auf Mallorca beschuldigt.

Damals kamen zwei Polizisten um.

Rückzugsgebiet Frankreich

Der zweite dicke Fisch ist der 28jährige Arkaitz Agirregabiri. Er wird seit Wochen von Frankreichs Polizei gejagt, weil er in jenen Polizistenmord verwickelt sein soll, den ein ETA-Kommando im März in der Nähe von Paris begangen hatte. Präsident Sarkozy schwor damals, dass Frankreich «die Stützpunkte der ETA ausmerzen» werde. Das Land ist seit Jahren deren Rückzugsgebiet, um Attentate in Spanien vorzubereiten.

Die ETA will mit ihrem Bombenkrieg die Unabhängigkeit der Baskenregion in Nordspanien erzwingen; auch das Baskengebiet in Südfrankreich soll dieses Staatsgebilde einverleibt werden.

Seit Gründung der ETA vor über 50 Jahren wurden annähernd 850 Menschen von der Terrorgruppe umgebracht.