Frankreichs bürgerliche Opposition vor der Spaltung

François Fillon, der unterlegene Kandidat für den Vorsitz der neogaullistischen Oppositionspartei UMP, gründet eine eigene Parlamentsfraktion.

Stefan Brändle
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PARIS. Der erbitterte Machtkampf um den Chefposten in der Union für eine Volksbewegung (UMP) bewirkt einen ersten Riss durch die Partei: Ex-Premier François Fillon hat gestern eine Fraktion seines Flügels ins Leben gerufen, die «Sammlung UMP» (RUMP) heisst. Nach inoffiziellen Angaben traten ihr rund 70 der 183 UMP-Abgeordneten in der Nationalversammlung bei.

Copé gerät in die Defensive

Die neue RUMP soll gemäss Fillons Wahlkampfchef Eric Ciotti nur so lange Bestand haben, bis eine neue Wahl um den Parteivorsitz organisiert werde. Diese Forderung erhob das Fillon-Lager gestern erneut.

Sein Widersacher, der neue Parteichef Jean-François Copé, lehnte dieses Ansinnen zuerst schroff ab. Die Wahl- und die Rekurskommission hätten ihn mit 98 beziehungsweise 952 Stimmen Vorsprung zum Sieger – von über 175 000 abstimmenden UMP-Mitgliedern – erklärt, argumentierte er; eine neue Wahl sei laut Statuten ausgeschlossen. Copé zieht zwar in der UMP-Zentrale weiterhin die Fäden der Partei, gerät aber zunehmend in die Defensive, da er eine Vermittlungsaktion des früheren Premierministers Alain Juppé ablehnt. Auch unparteiische Mitglieder empfehlen nun Neuwahlen. Ex-Ministerin Nathalie Kosciusko-Morizet lancierte eine entsprechende Petition und sammelte im Nu über 20 000 Unterschriften.

Auch Sarkozy für erneute Wahl

Die gleiche Position vertritt auch Nicolas Sarkozy. Laut seinem Mitstreiter David Douillet soll der ehemalige Präsident «ausser sich» sein über die Vorgänge in der Partei und eine Neuwahl befürworten. Eine Parteispaltung liefe Sarkozys Interessen zuwider, da sie bei einer möglichen Präsidentschaftskandidatur 2017 sein eigenes Wählerpotenzial schmälern würde.

Auf Sarkozys Vermittlung hin zeigte sich Copé dann offen für eine neue Mitgliederbefragung per Internet – aber nur zur Frage, ob die ganze Wahl wiederholt werden solle. Sollte Sarkozy aber auch offiziell Neuwahlen verlangen, könnte sich Copé wohl nicht länger dagegen sträuben.

Schon jetzt wird ihm vorgeworfen, er blockiere jede Lösung. Auf der Homepage des Figaro, dem Hausblatt der UMP-Wähler, votierten 70 Prozent der Online-Leser für eine neue Urnenabstimmung.

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