FRANKREICH: Republikaner geraten in Panik

Der Präsidentschaftskandidat François Fillon gerät im «Penelope-Gate» immer mehr unter Druck. Hinter den Kulissen sucht seine Partei bereits Ersatz für den bisherigen Favoriten.

Stefan Brändle/Paris
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Stefan Brändle/Paris

Vor kurzem noch war sich die französische Rechte ihres Triumphs bei den kommenden Präsidentschaftswahlen sicher. Jetzt sieht sie ihre Felle davonschwimmen. In einer neuen Umfrage erhält François Fillon nur noch 19 bis 20 Stimmenprozent; damit käme er nicht einmal mehr in die Stichwahl, die dann Marine Le Pen (26 bis 27 Prozent) und der Mitte-links-Kandidat Emmanuel Macron (22 bis 23 Prozent) unter sich ausmachen würden.

Schuld ist das «Penelope-Gate». Nachdem Fillon ein hartes internes Ausscheidungsverfahren gegen die Schwergewichte Alain Juppé und Nicolas Sarkozy dank einem klaren liberal-konservativen Programm gewonnen hatte, erwischte ihn die Affäre eiskalt.

Nach einer ersten Enthüllung vor Wochenfrist hat die Zeitschrift «Le Canard enchaîné» gestern nachgedoppelt: Gestützt auf publizierte Dokumentaus­züge rechnet sie vor, dass Fillons Ehefrau Penelope sowie zwei Kinder insgesamt mehr als 1 Million Euro auf möglicherweise ille­gale Weise mit Scheinjobs im Parlament eingenommen hätten. Die Finanzstaatsanwaltschaft ermittelt wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder. Sie hat schon mehrere Hausdurchsuchungen durchgeführt und Protagonisten wie Fillon und seine Gattin einvernommen. In den Reihen der Républicains löst die Affäre langsam Panik aus. Gestern versammelte sich die Parteispitze zu einer Krisensitzung.

Gegen aussen stärkten die Parlamentarier Fillon den Rücken. Der Abgeordnete Thierry Solère beschuldigte die Linke, einen «institutionellen Staatsstreich» zu inszenieren. Dabei sei Fillon der Einzige, der einen Wahlsieg von Marine Le Pen verhindern könne, meinte Solère mit Verweis auf die 40 Stimmenprozent des Front National bei den letzten Lokalwahlen.

Suche nach Ersatz läuft

Ex-Minister Bruno Le Maire, einer der sechs gegen Fillon unterlegenen Primärwahlkandidaten der Republikaner, erklärte, es gehe nicht um «einen Mann, sondern um Frankreich»; zur Debatte stehe ein gewichtiges Reformprogramm, weshalb versucht werde, Fillons Kandidatur zu hintertreiben. Der sozialistische Regierungssprecher Stéphane Le Foll wies die Staatsstreich-Behauptung als «inakzeptabel» zurück. Gelassen verwies er gestern auf die Unabhängigkeit der Justiz. Bei den Republikanern liegen hingegen die Nerven blank. Hinter der Fassade der Solidarität mit Fillon sucht die Partei nach einem Ersatz. Fündig wird sie nicht. Juppé hatte schon letzte Woche erklärt, er stehe nicht mehr zur Verfügung. Viele versuchen jetzt, ihn zu einer Rückkehr zu überreden. Als möglicher Ersatz gelten die ehemaligen Minister Xavier Bertrand oder François Baroin. Letzterer wurde von Sarkozy ins Spiel gebracht. «Fillonisten» machen die Sarkozysten hinter vorgehaltener Hand sogar dafür verantwortlich, dass das «Penelope-Gate» in den «Canard enchaîné» gelangte. Erstmals forderte gestern ein konservativer Abgeordneter einen Kandidatenwechsel. «Wir können nicht mit einem Kandidaten weitermachen, der sich in grössten Schwierigkeiten befindet», sagte Georges Fenech, ein Weggefährte Sarkozys.

Auch Le Pen in Schwierigkeiten

Fast untergegangen ist die Meldung, dass sich Marine Le Pen weigere, wie vom Europaparlament verlangt rund 300 000 Euro zurückzuzahlen, weil sie ähnlich wie Fillon eine Verwandte zum Schein als parlamentarische Assistentin beschäftigt habe. Auch die Front-National-Kan­didatin wirft ihren Gegnern vor, diese Affäre zu inszenieren.