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FRANKREICH: Marine Le Pen will ihre Blamage vergessen machen

Front-National-Chefin Marine Le Pen versucht am Parteitag in Lille einen Neuanfang. Doch die Populistin vermag nicht vom Zeitgeist zu profitieren. Und überall lauern Feinde – auch in der eigenen Partei.
Stefan Brändle, Paris
Marine Le Pen muss sich am Parteitag des Front National beweisen. (Bild: Ian Langsdon/EPA (21. November 2017))

Marine Le Pen muss sich am Parteitag des Front National beweisen. (Bild: Ian Langsdon/EPA (21. November 2017))

Stefan Brändle, Paris

Er habe «Mitleid mit ihr», sagt der Vater. Tapfer müht sich Marine Le Pen (49) durch die Fernsehstudios, und am Sonntag wird sie am Kongress des Front National (FN) in Lille eine kämpferische Chefrede halten.

Nahestehende schildern sie aber als «deprimiert». Seit ihrem blamablen TV-Streitgespräch mit Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron im letzten Frühjahr, als sie mit einem aggres­siven und improvisierten Auftritt ihre letzte Wahlchance vermasselte, ist die Luft draussen. Marine Le Pen sagt es selbst: «Politik schafft nur Leid.»

Namensänderung sei «Verrat»

Papas Mitleidsbekundung ist natürlich pure Heuchelei. In Wahrheit stellte sich Jean-Marie Le Pen mit der Publikation seiner Memoiren kurz vor dem FN-Parteitag selbst seiner Tochter vors Licht. Zuerst wollte er gar uneingeladen nach Lille kommen, um dort mit Marines Leibwächtern notfalls eine kleine «Strassenschlacht» anzuzetteln, wie der 89-Jährige erklärte. Nun verzichtet er doch noch auf den Showdown. Dafür wirft er seiner Nachfolgerin an der Parteispitze Knüppel zwischen die Beine.

Ihre Absicht, dem Kongress die Änderung des Parteinamens «Front National» zu unterbreiten, bezeichnet er als «absurd» und als «Verrat». Marine Le Pen will sich mit dem neuen Namen – nach letzten Gerüchten «les Nationaux» (die Nationalen) – vom Schatten des Parteigründers befreien. Und die Bewegung gleich auch von ihrem rechtsextremen Etikett. Doch wie Papa freund­licherweise bemerkt: «Ihre Verbindung zu mir wird sie nur los, wenn sie Selbstmord macht.» Weniger offen, aber umso gefährlicher gehen zwei andere Clan-Vertreter vor.

Marion statt Marine

Marine Le Pens ehemalige rechte Hand, Florian Philippot, hob vor drei Wochen in Arras, nur vierzig Kilometer von Lille entfernt, eine eigene Partei namens «Les Patriotes» aus der Taufe. Damit rächte er sich dafür, dass ihn die FN-Chefin für die ver­lorene Präsidentenwahl verantwortlich gemacht und aus der Partei geekelt hatte. Bei Nachwahlen in Ostfrankreich haben die «Patrioten» zwar nicht mehr als zwei Prozent Stimmen erhalten, doch das genügt, um die FN-Wählerbasis zu schwächen. Le Pens Nichte Marion Maréchal-Le Pen hatte ihr Abgeord­netenmandat in Südfrankreich eigentlich schon im vergangenen Sommer niedergelegt. Erst 28-jährig, ist die aparte «Identitäre» schon überaus populär auf der ­katholischen Rechten. So populär, dass das Satireblatt «Canard Enchaîné» die Front-National-Chefin warnt: «Der FN sucht ­einen neuen Namen: Marine könnte bald Marion heissen.»

Soweit ist es aber noch nicht. Aber die Vertreterin der dritten Le-Pen-Generation sägt bereits wacker am Stuhl ihrer Tante. Bei der jüngsten Konferenz der ameri­kanischen Rechtskonservativen (CPAC) trat Marion Maréchal-Le Pen nach US-Vizepräsident Mike Pence und vor Präsident Donald Trump auf. Mit ihrem perfekten Englisch und dem Slogan «France first» neben «America first» ­erntete sie tosenden Applaus. Das klang wohl wie Hohn in den Ohren von Marine Le Pen: Des Englischen nicht mächtig, hatte sie vor gut einem Jahr stundenlang im Trump-Tower gewartet, um einen Fototermin mit dem ­gerade neu gewählten Präsi­denten zu ergattern. Und das vergeblich.

Le Pen ist bereit für Allianzen

Am Parteitag muss sich vor allem zeigen, über wie viel Rückhalt die FN-Chefin an der Basis bewahrt. Das hängt wohl auch davon ab, ob sie bereit ist, ihr altes Lieblingsfeindbild EU zurückzustellen. Für die FN-Wähler hat ein Ausstieg aus dem Euro oder gar der EU laut neuen Umfragen keine Priorität. Sie wollen zuerst der Immigration einen Riegel schieben. Nach den Wahlerfolgen ihrer Gesinnungsfreunde in Österreich (FPÖ), Deutschland (AfD) oder Italien (Lega) hätte Marine Le Pen viel Interesse daran, in Lille ebenso laut auf die Pauke zu ­hauen.

Ihr Problem ist: Zugleich will sich die Parteichefin möglichst gemässigt geben. Wenn sie den Parteinamen ändern möchte, dann auch, um die Bereitschaft zu Allianzen mit anderen Parteien zu signalisieren. Nur so kann sie aus der politischen Isolation gelangen. Bloss, wer will schon mit den Frontisten ins Boot steigen? Nicht die konservativen Republikaner, die unter ihrem neuen Vorsteher Laurent Wauquiez zwar nach rechts driften, aber nur, um Le Pen Stimmen abzujagen. Und sicher auch nicht die zwar ebenso eurokritischen, aber stramm linken «Unbeugsamen» von Jean-Luc Mélenchon. Ob mit neuem Parteinamen oder nicht: So rasch wird Marine Le Pen in Frankreich nicht mehrheitsfähig.

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