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FRANKREICH: Ermittlungen gegen Minister

Es ist ein Fall mit politischem Sprengstoffpotenzial: Budgetminister Darmanin wurde wegen Vergewaltigung angeklagt.

Die Pariser Staatsanwaltschaft ­ermittelt gegen Budgetminister Gérald Darmanin wegen möglicher Vergewaltigung. Klägerin ist das Ex-Callgirl Sophie Spatz. Die heute 46-jährige Pariserin hatte sich offenbar 2009 mit dem Ziel an Darmanin gewandt, eine Vorstrafe zu tilgen. Der damalige Parteikader der konservativen Partei UMP versprach, seiner Parteifreundin Rachida Dati, damals Justizministerin, in dieser Angelegenheit einen Brief zu schreiben. Zuerst aber, so die Klägerin, habe er sie überzeugt, mit ihm den bekannten Pariser Swingerclub Les Chandelles und dann ein Hotelzimmer aufzusuchen. Dort habe er sich an ihr vergangen.

Darmanin bestreitet jeden ­Vergewaltigungsvorwurf, ohne sich zu den Verabredungen und Barbesuchen zu äussern. Die Staatsanwaltschaft muss der Klage wegen Vergewaltigung – weniger weit gehende Tatbestände wie sexuelle Belästigung sind verjährt – von Amtes wegen nachgehen. Dem Vernehmen nach hat sie die Klägerin letzte Woche bereits mehrere Stunden lang einvernommen.

Darmanin streitet Vorwürfe ab

Darmanins Anwalt liess verlauten, die Klage diene dem einzigen Zweck, seinem Klienten zu «schaden». Das stellte die Anwältin der Klägerin gestern in Abrede. Pariser Medien verweisen darauf, dass die Klägerin früher wegen «Erpressung, schädlicher Telefonanrufe und Drohung» verurteilt worden sei.

Darmanin räumte in einer ­Radiosendung ein, er habe sich in Sachen Anmache «manchmal zweifellos etwas plump» verhalten. Die Darstellung der Frau sei aber «falsch». Premierminister Edouard Philippe sprach seinem jungen und medial sehr präsenten Haushaltsminister am Wochenende das Vertrauen aus. Die sozialistische Senatorin Laurence Rossignol bezeichnete den Fall gestern als «peinlich». Der ­Unschuldsvermutung stehe die Pflicht entgegen, das «Wort der Klägerin zu respektieren».

Das gilt für die überwiegende Mehrheit all jener Rechtsklagen, die im Zuge der Weinstein-Affäre in Frankreich eingereicht worden sind. Ein Bericht des Innenministeriums ergab vergangene Woche, dass die Zahl der Klagen wegen sexueller Übergriffe im letzten Quartal des Jahres 2017 landesweit um 31,5 Prozent zugenommen hat. In den meisten Fällen liegen die Vorgänge mehr als ein Jahr zurück. Die Beweislage ist damit nur noch sehr schwer zu klären – meist steht nur noch Aussage gegen Aussage. Auch Dar­manin hat Gegenklage gegen seine Klägerin eingereicht.

Stefan Brändle, Paris

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