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FRANKREICH: Der Chef, der sitzt im Elysée

Die Bürgerbewegung La République en Marche des französischen Präsidenten Macron hat sich an ihrem ersten Parteitag auf unbedingte Cheftreue eingeschworen. Die Kritiker blieben aussen vor.
Stefan Brändle, Lyon
Die Regierungspartei La République en Marche hat gestern den Macron-Vertrauten Christophe Castaner zu ihrem Vorsitzenden gewählt. (Bild: Laurent Cipriani/AP (Lyon, 18. November 2017))

Die Regierungspartei La République en Marche hat gestern den Macron-Vertrauten Christophe Castaner zu ihrem Vorsitzenden gewählt. (Bild: Laurent Cipriani/AP (Lyon, 18. November 2017))

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: www.tagblatt.ch/epaper

Wo ist die Euphorie geblieben? Und wo Emmanuel Macron? Noch Anfang Jahr hatte der Präsidentschaftskandidat der Eigenbau-Bewegung «En Marche» in Lyon Tausende von Anhängern mitgerissen und ihnen zugerufen: «Ich liebe euch wahnsinnig.»

Jetzt, an diesem kalten Novembertag, sind die «marcheurs» (Marschierer) erneut in der Rhonestadt zusammengekommen, um über die Zukunft ihrer neuen Partei La République en Marche zu diskutieren. Der Präsident ist in Paris geblieben, um sich um das libanesische Politchaos zu kümmern. Als Staatschef kann er auch nicht gut in die Parteiniederungen steigen. Aber er hat vorgesorgt. Schliesslich ist «En Marche» seine Schöpfung – sie trägt ja auch seine Initialen.

Der einzige Kandidat wird durchgewinkt

Die neue Parteiführung hat der Staatschef selber ausgewählt. Die 750 Delegierten müssen sie in der schmucklosen Messehalle nur noch abwinken, und dies zur Sicherheit unter Ausschluss der Presse. Sie wird erst zu den abschliessenden Debatten zugelassen. Auch der neue Parteichef Christophe Castaner (siehe Kasten) stand vor Kongressbeginn fest: Er ist der einzige Kandidat und wird per Handheben bestätigt, was den Gruppendruck erhöht. Offiziell hat es nur zwei «Stimmenthaltungen» gegeben. Eine «marcheuse» meint nachher verwundert, sie habe gegen Castaner gestimmt. Aber das fällt nun wirklich nicht ins Gewicht.

In seiner Antrittsrede erklärt der enge Macron-Vertraute, er sei nur ein «Animator» und «kein Chef». Der Chef, der sitzt im Elysée. Sehr politisch wird der für drei Jahre gewählte «Generaldelegierte», wie sich Castaner nun nennen darf, mitnichten: Der Einsatz «für die Kaufkraft der Bürger» und «gegen den Front National» steht im Programm jeder besseren Landespartei.

Kritische Worte gibt es nur ausserhalb der Messehalle. Ein «marcheur» beklagt das «un­demokratische Prozedere». Die meisten Delegierten finden es aber «selbstverständlich», dass sich die Spontibewegung in eine wahlpolitisch aufgestellte Heerschar des Präsidenten verwandle.

Nichts zu sehen ist von den hundert Ex-Macron-Wählern, die letzte Woche lauthals aus der Partei ausgetreten waren. Sie prangerten die internen Wahlpraktiken an und verweigerten den «Kadavergehorsam». Auch darin zeigt sich der Frust der «marcheurs» über die Einheitsmeinung in der Partei, die bedingungslose Einschwörung auf den präsidialen Kurs. Die Ernüchterung ist umso grösser, als «En Marche» mit dem Anspruch einer jungen, dynamischen, vernetzten Bürgerbewegung angetreten war.

Kein Alarmsignal für den jungen Politfuchs

Für Macron ist die schlechte Stimmung in seiner Partei vorerst nicht alarmierend. Bis 2019 stehen keine Wahlen an, und eine schlagkräftige Opposition ist nicht in Sicht. Am Donnerstag brachten die Gewerkschaften in Paris klägliche 8000 Demonstranten gegen Macrons «neoliberale» Wirtschaftspolitik auf die Strasse. Der konservative Gegenpart zu Macron, Laurent Wauquiez, überzeugt auch nur die Hälfte der Republikaner. Ex-Präsidentschaftskandidat Alain Juppé liess vergangene Woche durchblicken, er stehe Macron näher als seinem Parteifreund Wauquiez. Wird dieser im Dezember neuer Republikanerchef, könnte der gemässigte Flügel der Partei noch ganz zu Macron überlaufen.

Der Staatschef wäre damit seiner Strategie, die gaullistische Sammelbewegung und die Sozialistische Partei zu spalten und zu zerschlagen, einen Schritt näher. Erst 39-jährig, aber wie ein Politfuchs taktierend, beherrscht er derzeit nicht nur seine neue Partei nach Belieben, sondern die ganze französische Politik.

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