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Frankreich bleibt auf Atomkurs

Auch die Franzosen waren 2011 erschreckt über den Tsunami und den Reaktorunfall in Fukushima. Zuvor hatten die Grünen allein auf weiter Flur einen Atomausstieg verlangt; nach dem Unfall in Japan stiess ihr einsamer Ruf erstmals überhaupt auf ein Echo in der französischen Öffentlichkeit.
Stefan Brändle/Paris

Auch die Franzosen waren 2011 erschreckt über den Tsunami und den Reaktorunfall in Fukushima. Zuvor hatten die Grünen allein auf weiter Flur einen Atomausstieg verlangt; nach dem Unfall in Japan stiess ihr einsamer Ruf erstmals überhaupt auf ein Echo in der französischen Öffentlichkeit. Mit Rücksicht darauf versprach François Hollande im Präsidentschaftswahlkampf von 2012, den atomaren Anteil an der nationalen Stromproduktion von 75 auf 50 Prozent zu senken. Heute ist die Halbwertszeit der medialen Bestürzung aber längst wieder abgelaufen. Es zeigt sich, dass Hollande das Versprechen nur aus taktischem Kalkül gemacht hatte: Er holte damit die Grünen in seine Linksregierung. Ein auch nur teilweiser Ausstieg aus dem Atom kommt für ihn nicht in Frage. Ausser den Grünen erinnert ihn keine Partei an sein Post-Fukushima-Versprechen – das wohl gemerkt keinen Atomausstieg bedeutet hätte.

Kein Verständnis für deutsche Ängste

Wollte Hollande die Atomstromproduktion auf 50 Prozent zurückfahren, müsste er bis zu 20 der 58 französischen Atomreaktoren stilllegen. Er gedenkt aber, nur ein AKW – das elsässische Fessenheim – abzuschalten. Und sogar diesen Entscheid zögert er wahrscheinlich über seine 2017 endende Amtszeit hinaus. Das heisst, dass der nächste Präsident darauf zurückkommen könnte.

Frankreich verfolgt damit weiter den entgegengesetzten Atomkurs von Deutschland. Gerade der Fall Fessenheim zeigt, wie tief der energiepolitische Graben über den Rhein hinweg seit «Fukushima» geworden ist. Die meisten Franzosen verstehen nicht, warum sich die Deutschen vor der Atomenergie ängstigen und dafür sogar die klimaschädliche Kohlenenergie fördern. Vielenorts liest man in Frankreich, es sei doch in Fukushima niemand an den direkten Folgen der atomaren Verstrahlung gestorben; und was Fessenheim anbelange, gehöre dieser Doppelreaktor heute zu den sichersten im Land.

Unbestritten ist jedoch, dass die früher sehr unkritische Zustimmung der Franzosen zur «politique nucléaire» in den letzten Jahren gelitten hat. Schuld daran ist aber nicht so sehr «Fukushima», sondern der lamentable Zustand der französische Atomindustrie. So fährt der weltweit tätige Konzern Areva seit 2015 Milliardenverluste ein.

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