Frankreich
François Hollandes Renaissance: Von 12 auf 88 Prozent in einer Woche

Seine Umfragewerte waren im Keller. Doch seit den Terrorattacken punktet der Präsident bei seinen Landsleuten. Und dies zu Recht: Bislang hat Francois Hollande in der Krise alles richtig gemacht. Doch das Hoch dürfte nur von kurzer Dauer sein.

Stefan Brändle, Paris
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François Hollande hat nach dem Attentat auf «Charlie Hebdo» richtig reagiert. Das steigert seine Umfragewerte.

François Hollande hat nach dem Attentat auf «Charlie Hebdo» richtig reagiert. Das steigert seine Umfragewerte.

Keystone

Es war kein weiterer Terroranschlag, als am Mittwochabend ein dunkles Auto eine wachhabende Polizistin vor dem Élysée-Palast umfuhr. Doch François Hollande suchte die verletzte Frau noch im Notfallauto auf.

Seit ein paar Tagen ist der 60-jährige Staatschef überall. Tagsüber war er auf dem in den Persischen Golf auslaufenden Flugzeugträger Charles-de-Gaulle, am Dienstag im Ehrenhof der Pariser Polizeipräfektur. An der dortigen Trauerzeremonie für die drei ermordeten Polizisten der Terroranschläge von vergangener Woche meinte er mit echter Anteilnahme, aber ohne falschen Pathos: «Sie haben ihre Mission mit Mut, Bravour und Würde erfüllt. Sie sind tot, damit wir in Freiheit leben können.»

Souverän und anteilnehmend

Wie zuvor in einer Pariser Synagoge fand Hollande auch gestern Donnerstag im Arabischen Institut die richtigen Worte für die französischen Muslime: Er stellte sich schützend vor sie, «die ersten Opfer von Fanatismus, Fundamentalismus und Intoleranz».

Zugleich erinnerte er sie aber auch an «die Werte, die nicht verhandelbar sind und es nie sein werden, wie Freiheit und Demokratie». Souverän hatte Hollande auch die Grosskundgebung von letztem Sonntag angeführt, umgeben von Regierungschefs aus aller Welt. Ruhig und gefasst schritt er voran, während sich hinter ihm sein politischer Gegner Nicolas Sarkozy wie ein Schulbub ins vordere Glied drängte.

«Hollande-Bashing» ist vorbei

Natürlich steht die Rolle des betroffenen und versöhnlichen Staatsoberhauptes jedem Politiker gut an. Die Franzosen zeigen sich aber erkenntlich: In einer neuen Umfrage erklären 88 Prozent, Hollande habe seine Aufgabe gut gemacht. Das ist das genaue Gegenteil früherer Erhebungen, in denen der seit zweieinhalb Jahren amtierende Präsident auf 12 Prozent Zustimmung abgesackt war und Gegenstand eines eigentlichen «Hollande-Bashings» wurde: Bei seinen öffentlichen Auftritten zog mehrmals ein Kleinflugzeug ein Transparent mit der Aufschrift «Hollande démission» hinter sich her, und im Internet keimten Seiten wie «Ich bin dumm, ich habe für Hollande gestimmt.»

Die Beliebtheitsquote des Präsidenten ist mittlerweile wieder auf 20 Prozent gestiegen, in einem Fall sogar auf 29 Prozent. Für Hollande ist das viel, sehr viel. Sogar Sarkozy musste widerwillig einräumen, Hollande habe «getan, was zu tun war». Auch die Zeitung «Le Monde» lobt das präsidiale Auftreten «sans faute», also ohne Fehl und Tadel. Der bekannte Kolumnist Alain Duhamel schaut bereits weiter und meint, für Hollande sei «das Schlimmste nicht mehr sicher». Damit meint er, der sozialistische Staatschef habe bei den Präsidentschaftswahlen 2017 vielleicht doch wieder eine Chance.

Das muss sich allerdings noch zeigen. Die Gründe für das Hollande-Tief haben sich nicht verändert: Die Wirtschaftsflaute lässt die Arbeitslosigkeit weiter ansteigen, und der Präsident war auch bei seinem letzten grossen Fernsehauftritt Anfang Januar nicht in der Lage, dafür die richtigen Worte, geschweige denn Taten zu finden. Gelingt es ihm nicht, das Steuer wirtschaftspolitisch herumzureissen, wird ihm – und Frankreich – auch kein Wohlfühl-Auftritt aus der Patsche helfen. Die Terroranschläge könnten zudem eine neue gesellschaftliche Front – neben der ökonomischen – öffnen.

Hollande erklärte deshalb, er wolle nun auch den geplanten Abbau der Streitkräfte «überdenken». Was er nicht sagte: Die Reduktion der Armeebestände um 34 000 Soldaten bis 2019 hatte er in den letzten Jahren selber vorangetrieben. Die Rechtsopposition wird es sich nicht nehmen lassen, Hollande auf diesen Widerspruch festzunageln, wenn die Zeit der «nationalen Einheit» abgelaufen ist. Aber Hollande hat nun zumindest klargemacht, dass er durchaus seinen Mann stehen kann.

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