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Forscher empfehlen mehr Abklärungen nach Verkehrsunfällen

Personen nahmen sich zwischen 2000 und 2010 das Leben durch einen Verkehrsunfall.

Studie Geschätzte 1 bis 7 Prozent aller Verkehrstoten sterben im Rahmen eines Suizids. Das schreiben Saskia Gauthier, Oberärztin für Rechtsmedizin am Kantonsspital Aarau, und andere Autoren in der 2015 erschienenen Studie «Suizide im Strassenverkehr in der Schweiz». Die Forscher stützen ihre Schätzung auf Angaben aus der internationalen Literatur. Sie vermuten eine hohe Dunkelziffer von Suiziden im Strassenverkehr.

Für ihre Untersuchung haben Gau­thier und ihr Team alle 4885 Suizide ausgewertet, die in den Archiven der rechtsmedizinischen Institute der Schweiz zwischen 2000 und 2010 erfasst wurden. 53 Personen, gut ein Prozent, nahmen sich das Leben im Strassenverkehr. Bei diesen Unfällen rissen die Suizidbegehenden sechs Personen mit in den Tod.

Ein jüngerer Fall, der für Schlagzeilen sorgte, ereignete sich im November 2011 in Einsiedeln. Eine 28-jährig Frau steuerte ausserorts auf gerader Strecke einen Brückenpfeiler an, kollidierte dabei aber in ein Fahrzeug. Die Unfallverursacherin und der Lenker des entgegenkommenden Autos starben, dessen Ehefrau überlebte schwerverletzt. Das Spurenbild und die Ermittlungen im Umfeld der jungen Frau hätten zum Ergebnis geführt, dass es sich um einen Suizid gehandelt habe, sagte Florian Grossmann, Mediensprecher der Schwyzer Kantonspolizei, später gegenüber «Tele Züri».

«Ein Suizid im Strassenverkehr lässt sich einfach als Unfall tarnen», sagt Gauthier. In den Schlussfolgerungen zur Studie schlägt die Rechtsmedizinerin deshalb vor, dass bei jedem schweren Unfall, der durch eine Einzelperson verursacht wird, auch interdisziplinäre Abklärungen bezüglich eines Suizids getroffen werden sollen. Konkret kämen dabei neben der Staatsanwaltschaft als Auftraggeber die Polizei, der unfalltechnische Dienst und rechtsmedizinische Experten zum Einsatz. So könnte man zum Beispiel abklären, ob es Abschiedsbriefe oder andere Anzeichen für einen Suizid gab, ob sich Bremsspuren finden lassen, wie hoch die Aufprallgeschwindigkeit war und ob die getötete Person unter Einfluss von Medikamenten oder Suchtmitteln stand.

Technische Massnahmen

Als Schutzmassnahmen für «diese offenbar deutlich unterschätzte, fremdgefährdende, erfolgreiche Suizidmethode» kommen für Gauthier neue technische Entwicklungen wie Fahrassistenzsysteme mit Kollisionsschutz in Frage, um zum Beispiel Suizide im Affekt zu verhindern. Die Rechtsmedizinerin sieht auch eine Möglichkeit, Überlebende eines solchen Suizidversuchs durch Prävention vor einem weiteren Versuch abzuhalten. Denn oft hätten Suizidwillige bereits zuvor versucht, sich das Leben zu nehmen.

Die Kantonspolizei St. Gallen prüft jährlich bei zwei bis drei Unfällen, ob eine Suizidabsicht vorlag. «Das ist dann der Fall, wen wir keinen Anhaltspunkt für den Unfallhergang finden», sagt Sprecher Hanspeter Krüsi. Anhaltspunkte sind etwa fehlende Spuren, ein zielstrebiges Befahren der Gegenfahrbahn, das Nichtragen der Sicherheitsgurte oder ein bewusst ausgewählter Unfallort wie ein Tobel.

Im letzten Jahr publizierte der Bund einen Bericht zur Suizidprävention. Die häufigste Suizidmethode bei Männern zwischen 30 bis 69 Jahre sind demnach Erhängen und Erschiessen, bei den Frauen Vergiften und Erhängen. (kä)

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