Foltervorwürfe gegen Dick Cheney

Der Stabschef des ehemaligen US-Aussenministers Colin Powell, Lawrence Wilkerson, und mehrere andere Insider behaupten, dass die frühere US-Regierung Folter eingesetzt habe, um Argumente für den Irak-Krieg zu finden.

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Washington. Der frühere US-Vizepräsident Dick Cheney zieht seit Tagen durch die US-Medien, um den Einsatz von Folter bei Verhören mutmasslicher Al-Qaida-Gefangener zu rechtfertigen. Die Methoden hätten Leben gerettet und die USA sicher gemacht. Lawrence Wilkerson widerspricht: «Die prinzipielle Priorität für die Geheimdienste bestand nicht darin, einen weiteren Terroranschlag auf die USA zu verhindern, sondern einen rauchenden Colt zu finden, der Al Qaida und Irak in Verbindung bringt.

» Dahin deutet der Fall des Ex-Geheimdienstlers von Saddam Hussein, Khudayr al-Dulaymi, den die USA 2003 verhafteten.

Laut des ehemaligen US-Waffeninspektors Charles Duelfer handelte es sich bei Dulaymi «um den Mann, der von einer unterstellten Beziehung zwischen Irak und den Terroristen hätte wissen müssen». In seinem neuen Buch schreibt Duelfer, «einige in Washington» hätten sich über die «zu sanfte» Behandlung des Geheimdienstlers beklagt und andere Methoden vorgeschlagen.

Zwei höhere US-Geheimdienstler präzisierten dies und sagten, dass aus dem Büro Cheneys direkt angefragt wurde, Dulaymi mit Waterboarding zum Reden zu bringen.

Auch Al Libi, ein mutmasslicher Al-Qaida-Gefangener, wurde auf Drängen des Cheney-Büros vor der Irak-Invasion gefoltert. Um seine Peiniger zu stoppen, erfand Al Libi die Geschichte, wonach Saddam Terroristen in der Herstellung chemischer und biologischer Kampfstoffe geschult habe. Die Falschaussage nannte George W.

Bush 2002 als Beleg für die Zusammenarbeit zwischen Irak und Al Qaida. Die neuen Enthüllungen könnten laut Experten strafrechtliche Konsequenzen für die Verantwortlichen haben. (T.S.)

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