Folteropfer zerreisst das Lügennetz Mugabes

Bothwell Pasipamir ist Mitglied der Oppositionspartei MDC in Simbabwe. Im vergangenen Dezember ist er von Robert Mugabes Schergen verschleppt und gefoltert worden. Nach seiner Flucht entlarvt er die Propaganda der Diktatur.

Frank Räther
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Johannesburg. Bothwell konnte fliehen, er, seine Frau und die beiden Kinder, vier und sechs Jahre alt, sind heute in Südafrika in Sicherheit. Jetzt kann er sprechen. Kann der Welt sagen, wie Mugabe lügt. Damit macht er «Beweismittel» des Regimes für einen Hochverratsprozess gegen die simbabwische Menschenrechtlerin Jestina Mukoko und andere zunichte. Die Angeklagten werden beschuldigt, junge Leute für militärische Ausbildungslager im benachbarten Botswana und für Terroranschläge in Simbabwe rekrutiert zu haben, um Mugabe zu stürzen. Als Kronzeuge für den Vorwurf sollte Bothwell Pasipamire dienen.

Zu diesem Zweck war gefilmt worden, wie Bothwell erklärt, er habe unmittelbar vor seiner Festnahme zusammen mit zehn anderen einen Soldaten getötet – auf Befehl von Oppositionschef Morgan Tsvangirai. Er sei mit Tausenden anderen in Botswana für Terroranschläge ausgebildet worden, um das Mugabe-Regime gewaltsam zu stürzen. Das Geld dafür – 1000 US-Dollar für jeden – komme von den Botschaftern Grossbritanniens und der USA in Harare und sei vom botswanischen Präsidenten Ian Khama ausgezahlt worden. Ebenfalls war gefilmt worden, wie Bothwell und die anderen mit Eisenstangen auf einen am Boden liegenden Uniformierten einschlagen.

Doch all dies ist Propaganda, ist gelogen und fabriziert, erzählt der 30jährige Simbabwer.

Hier ist die wahre Geschichte:

Bothwell Pasipamire ist Mitglied der Oppositionspartei MDC Tsvangirais. Er war im vergangenen März in seinem Heimatort Kadoma, etwa 140 Kilometer südwestlich von Harare, in den Stadtrat gewählt worden. Die MDC, nahm der dort zuvor allein herrschenden Zanu-Partei Mugabes 16 der 17 Stadtratssitze ab. Als Bothwell dann Ende November den Antrag des Zanu-Politikers Jimayi Muduwuri auf Überschreibung von 10 Hektar städtischem Land ablehnte, schlugen Mugabes Schergen zu.

In der Nacht zum 14. Dezember vorigen Jahres und nur wenige Stunden nach dem Ende einer Stadtratssitzung hörte Bothwell Geräusche und ging an die Tür seines Hauses. Davor standen zwei Männer. «Einer hielt mir sofort eine Pistole in den Nacken.» Er wusste, die Männer waren Agenten des berüchtigten Geheimdienstes (CIO) Simbabwes.

Mit Folter für «präpariert»

Die Geheimdienstler transportierten ihn in das Folterlager bei Goromonzi, etwa 30 Kilometer östlich von Harare auf einer vor Jahren enteigneten Farm. Bothwell musste sich bäuchlings auf einen Tisch legen, dann wurde auf seine Fusssohlen eingedroschen. Der Lagerchef, Mabhunu, befahl mir dann, mich auszuziehen. Er spielte mit meinen Genitalien bevor er zudrückte. Es war fürchterlich.»

«Wir waren 23 Männer dort. Und es hiess, in einem anderen Gebäudekomplex sei das Frauenlager.» Jede Nacht wurde gefoltert. Ich habe kaum geschlafen.» Als Bothwells Folterer meinte, er sei mürbe, macht er ein Angebot: «Er fragte mich und andere, ob wir auf einen am Boden liegenden Soldaten in Uniform einschlagen und ihn treten könnten.» Da die Gefangenen noch mehr Folter fürchteten, taten sie wie verlangt. Das wurde gefilmt und fotografiert. Anschliessend wurde Bothwell ein Zettel mit Fragen und Antworten vorgelegt, die er auswendig lernen musste, bevor er vor laufender Kamera verhört wurde.

Auch im Regime gute Menschen

Am Abend des vierten Tages in dem Foltercamp wurde Bothwell Pasipamire in ein Auto verfrachtet und Richtung Harare gefahren. «Ich fühlte, dass sie mich umbringen wollten.» Doch er konnte fliehen. Er will nicht erzählen wie, um niemanden zu gefährden. Aber er sagt, dass es «auch in der Zanu und der CIO Menschen gibt, die gut und nicht mit dem einverstanden sind, was ihnen befohlen wird».

Es ist anzunehmen, dass ihm die Flucht ermöglicht wurde, die ihn nun ins sichere Nachbarland Südafrika führte. Er ist der einzige, dem dies bisher gelang. Die anderen Entführten sind noch immer in der Gewalt der Folterer.

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