Flucht der "Charlie-Hebdo"-Attentäter hält Frankreich im Bann

Stille Trauer und hektische Fahndung: Während die Franzosen eine Schweigeminute für die Opfer des Anschlags auf die Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo" einlegen, sucht die Polizei einen Tag nach dem mutmasslich islamistischen Angriff nach den flüchtigen Attentätern.

Drucken
Teilen
Dringend tatverdächtig: die Brüder Chérif (links) und Said Kouachi. (Bild: Keystone)

Dringend tatverdächtig: die Brüder Chérif (links) und Said Kouachi. (Bild: Keystone)

Die Fahndung nach den Tätern hält ganz Frankreich in Atem. Die beiden Hauptverdächtigen wurden nach Angaben von Ermittlern am Donnerstag in Nordfrankreich gesichtet, in dem Gebiet zog die Polizei Eliteeinheiten zusammen.

In der Gegend von Villers-Côtterets im Département Aisne waren am Nachmittag Beamte der Anti-Terror-Polizeieinheit RAID und der Gendarmerie-Sondereinheit GIGN im Einsatz. In der Region rund 80 Kilometer nordöstlich von Paris sei ein Auto entdeckt worden, das die beiden Verdächtigen als Fluchtwagen benutzt hätten.

Flaggen und Waffen
Zuvor hatte es von Seiten der Ermittler geheissen, der 32-jährige Chérif Kouachi und sein 34-jähriger Bruder Said seien in einem grauen Renault Clio gesichtet worden. Der Betreiber einer Tankstelle in der Nähe von Villers-Côtterets habe die beiden "eindeutig erkannt". «Die beiden Männer sind vermummt, mit Kalaschnikow und anscheinend mit Raketen-Werfern» ausgerüstet, hiess es weiter.

Bild: Dave Brown
24 Bilder
Bild: Klaus Stuttmann
Bild: Maumont
Bild: Uderzo
Bild: Magnus Shaw
Bild: Ruben L. Oppenheimer
Bild: Plantu
Bild: Jean Jullien
Bild: Tomi Ungerer
Bild: Neelabh Banerjee
Bild: Ann Telnaes
Bild: Nono
Bild: Ferran Martin
Bild: Rod Emmerson
Bild: Chill
Bild: Matt
Bild: Adam Zyglis
Bild: Loïc Sécheresse
Bild: Darrin Bell
Bild: David Pope
Bild: Carlos Latuff
Bild: Chappatte
Bild: James Walmesley
Bild: Lucille Clerc

Bild: Dave Brown



In einem anderen kurz nach dem Anschlag in Paris zurückgelassenen Auto wurden nach Angaben der Ermittler zwei dschihadistische Flaggen und ein Dutzend Molotow-Cocktails gefunden. Der Fund zeige die islamistische Gesinnung der Täter und deute daraufhin, dass sie womöglich weitere Anschläge geplant hätten, hiess es.

Beim schwersten Anschlag in Frankreich seit Jahrzehnten hatten am Mittwoch zwei schwer bewaffnete Männer die Redaktion von "Charlie Hebdo" überfallen und dort sowie auf ihrer Flucht insgesamt zwölf Menschen erschossen. Unter den Todesopfern sind der Chef des bekannten Satire-Magazins, Stéphane Charbonnier, mehrere weitere Zeichner sowie zwei Polizisten. Elf weitere Menschen wurden verletzt.

Schweigeminute für die Opfer
Laut Premierminister Manuel Valls sind die beiden Hauptverdächtigen bereits polizeibekannt. Chérif Kouachi war 2008 wegen Unterstützung des Terrornetzwerks Al-Kaida im Irak verurteilt worden. Von der dreijährigen Haftstrafe wurden anderthalb Jahre auf Bewährung ausgesetzt. Die Ermittler waren den Brüdern nach dem Anschlag auf die Spur gekommen, weil ein Ausweis von Said in einem zurückgelassenen Auto entdeckt wurde.

Ein möglicher Komplize, der 18-jährige Hamyd Mourad, stellte sich am späten Mittwochabend der Polizei. Es gab aber Zeugenaussagen, wonach er sich zum Tatzeitpunkt in seiner Schule befand. Die Polizei nahm am Morgen sieben Verdächtige aus dem Umfeld der mutmasslichen Täter in Gewahrsam.

In Frankreich galt am Donnerstag offizielle Staatstrauer. Mit einer Schweigeminute wurde landesweit der Opfer des Anschlags gedacht − unter anderem in Behörden, Unternehmen und Schulen. Tausende hielten Plakate mit dem Schriftzug "Je suis Charlie" (Ich bin Charlie) hoch. Die Glocken der Kirche Notre-Dame erschallten in Paris.

Eine junge Frau trauert in Washington um die Opfer. (Bild: Keystone)
49 Bilder
Menschen in Seattle trauern um die erschossenen Personen. (Bild: Keystone)
Vor dem französischen Konsulat in San Francisco versammelten sich hunderte Menschen. (Bild: Keystone)
In San Francisco haben Menschen mit Kerzen "Je suis Charlie" geschrieben. (Bild: Keystone)
Auf der ganzen Welt gingen die Menschen für die ermordeten Journalisten und Polizisten auf die Strasse. (Bild: Keystone)
Auf dem Union Square in New York kamen ebenfalls viele Menschen zusammen. (Bild: Keystone)
Auch Karikaturisten reagierten auf den Anschlag. Hier ein Cartoon von MacLeod. (Bild: Keystone)
In New York haben die Trauernden Schilder mit den Augen der ermordeten Charlie Hebdo Mitarbeitern hochgehalten. (Bild: Keystone)
"Je suis Charlie" ist derzeit weltweit ein Thema. (Bild: Keystone)
In Paris haben viele Menschen Schreibgeräte statt Blumen abgelegt. (Bild: Keystone)
Polizisten bewachten die Redaktion von Charlie Hebdo, während im Innern die Spurensicherung arbeitet. (Bild: Keystone)
Auch in Lima gab es Kundgebungen. (Bild: Keystone)
Auf der französischen Botschaft in Tokio standen die Fahnen auf Halbmast. (Bild: Keystone)
Auf dem "Freiheitsbaum" in Paris hinterliessen die Menschen ihre Nachrichten. (Bild: Keystone)
In Rio de Janeiro hat sich eine Frau "Je suis Charlie" auf den Arm geschrieben. (Bild: Keystone)
Die Menschen zünden auf den Place de la Republique in Paris Kerzen an. (Bild: Keystone)
Der Slogan "Je suis Charlie" ging um die Welt. (Bild: Keystone)
Ein Mann in Chile mit einem "Je suis Charlie"-Schild. (Bild: Keystone)
Nach der Attacke auf die Redaktion des Satiremagazins "Charlie Hebdo" haben Menschen in Gedenken an die Opfer ein Plakat mit der Aufschrift "Je suis Charlie" sowie Kerzen aufgestellt in Paris. (Bild: Keystone)
Französische Soldaten patrouillieren am Bahnhof Montparnasse in Paris. (Bild: Keystone)
Polizisten und Rettungskräfte vor dem Redaktionsgebäude des Satiremagazins in Paris. (Bild: Keystone)
Vor der französischen Botschaft in Berlin haben Menschen Rosen hingelegt. (Bild: Keystone)
Der französische Premierminister Manuel Valls (Mitte) begab sich zum Tatort in Paris. (Bild: Keystone)
Ermittler untersuchen das mutmassliche Fluchtauto der Täter. (Bild: Keystone)
Rettungskräfte helfen einer Frau. (Bild: Keystone)
Forensiker und Polizisten sichern Spuren. (Bild: Keystone)
Ein Grossaufgebot von Polizisten und Rettungskräften am Tatort. (Bild: Keystone)
Die französischen Flaggen stehen auf Halbmast. (Bild: Keystone)
Menschen an einer Solidaritätskundgebung in Genf. (Bild: Keystone)
Vor der französischen Botschaft in Dänemark wurden Blumen und Kerzen hingelegt. (Bild: Keystone)
In der Türkei wurden die Botschaft "Je suis Charlie" sowie Blumen an einen Zaun gebunden. (Bild: Keystone)
Ein Mann entzündet eine Kerze vor der französischen Botschaft in Prag. (Bild: Keystone)
Solidaritätskundgebung vor dem Brandenburger Tor in Berlin. (Bild: Keystone)
Menschen nehmen an einer Solidaritätskundgebung in Genf teil. (Bild: Keystone)
Solidaritätskundgebung für die Attentatsopfer in Genf. (Bild: Keystone)
Menschen werden aus dem Redaktionsgebäude gebracht. (Bild: Keystone)
Polizisten riegeln eine Strasse nahe des Tatorts in Paris ab. (Bild: Keystone)
Ein Polizeibeamter nahe des Tatortes. (Bild: Keystone)
Einsatzkräfte bei der Redaktion von "Charlie Hebdo". (Bild: Keystone)
Polizeibeamte riegeln den Tatort ab. (Bild: Keystone)
Unfassbare Trauer nach dem Massaker. (Bild: Keystone)
Sicherheitskräfte beim Eiffelturm: In Paris wurde nach der Attacke die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen. (Bild: Keystone)
Ein Verletzter wird abtransportiert. (Bild: Keystone)
Grosse Bestürzung beim Ort des Angriffs. (Bild: Keystone)
Ein bestürzter Präsident François Hollande bei seiner Ankunft am Tatort. (Bild: Keystone)
"Das Leben Mohammeds": Aufnahme der hoch umstrittenen Spezialausgabe von "Charlie Hebdo" vom Januar 2013. (Bild: Keystone)
Polizisten und Feuerwehrleute beim Tatort. (Bild: Keystone)
Die Sicherheitskräfte rückten mit einem Grossaufgebot aus. (Bild: Keystone)
Die Suche nach den Tätern, welche den Angriff ausführten, läuft auf Hochtouren. (Bild: Keystone)

Eine junge Frau trauert in Washington um die Opfer. (Bild: Keystone)



Staatspräsident François Hollande forderte seine Landsleute auf, in dieser schweren Zeit zusammenzustehen. Zudem hielt er eine Reihe von Krisentreffen ab, unter anderem mit seinem konservativen Rivalen, Ex-Präsident Nicolas Sarkozy.

"Charlie Hebdo" macht weiter
Die Belegschaft von "Charlie Hebdo" will indes nicht aufgeben. "Wir werden weitermachen", sagte Patrick Pelloux nach einem Treffen mit anderen Redaktionsmitgliedern. "Das ist sehr hart, wir alle sind voller Leid, Schmerz, Angst", sagte Pelloux weiter. "Aber wir machen es trotzdem, denn die Dummheit wird nicht gewinnen. Charb hat immer gesagt, dass die Zeitung erscheinen müsse, koste es, was es wolle." Der Anwalt des Wochenblatts kündigte für kommende Woche gar eine Rekordauflage von einer Million Exemplaren an.

Polizistin erschossen
Für neue Terrorangst sorgte zunächst eine Schiesserei im Süden von Paris am Donnerstagmorgen, bei der ein Unbekannter eine Polizistin tötete und einen Polizisten verletzte. Zunächst gab es keine Hinweise darauf, dass die Taten zusammenhängen. Die Anti-Terrorismus-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen.

In mehreren Gemeinden Frankreichs gab es Attacken auf muslimische Einrichtungen. Verletzt wurde bei den Angriffen jedoch niemand.

In der Schweiz machten Sicherheitsorgane keine erhöhte Terrorgefahr aus. Einige Schweizer Medienhäuser erhöhten aber ihre Sicherheitsvorkehrungen. Die Muslimen-Verbände distanzierten sich vom Attentat auf "Charlie Hebdo", Zeitungskommentatoren verurteilten den Anschlag scharf als Angriff auf die Freiheit.
Viele Medien publizierten auch Karikaturen. Chappatte zeichnete auf dem Titelblatt von "Le Temps" etwa einen Grabstein in Kreuzform mit den Worten "Morts de rire", wörtlich übersetzt: "Totgelacht". (sda)