Fischerfamilie in Beit Lahiya steht vor dem Nichts

Nach dem Krieg kehrte Mohammed Sajid nach Hause zurück – und nichts war mehr wie früher. Die Fassade der Bäckerei in Beit Lahiya im nördlichen Gaza-Streifen weggeschossen. Das Minarett weggesprengt. Der Obstgarten umgepflügt, überall Trümmer.

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Nach dem Krieg kehrte Mohammed Sajid nach Hause zurück – und nichts war mehr wie früher. Die Fassade der Bäckerei in Beit Lahiya im nördlichen Gaza-Streifen weggeschossen. Das Minarett weggesprengt. Der Obstgarten umgepflügt, überall Trümmer. Sajids Haus mit Blick aufs Mittelmeer ein Haufen Schutt, daneben der stinkende Kadaver eines Esels mit zwei Einschusslöchern.

«Ich habe völlig den Kopf verloren, als ich das sah», sagt der 55jährige Fischer mit 6 Kindern und 20 Enkeln. «Mein ganzes Haus war weg. Ich hätte tot umfallen können.»

Zu Mohammed Sajid kam der Krieg am 3. Januar, als ihn Geschützdonner und Schüsse weckten. Er band ein weisses T-Shirt an einen Stock und schwenkte es, als er mit zehn Familienmitgliedern aus dem Haus stürzte.

Sie rannten zum Haus der Söhne Hossam und Ghassan, Fischer wie der Vater. Dort drängten sich 34 Familienmitglieder, darunter ein Dutzend Kinder, in einem fensterlosen Hinterzimmer zusammen. Als eine Granate auf dem Dach detonierte und eine zweite den Balkon wegriss, flüchteten die Sajids weiter in eine Schule der Vereinten Nationen. Dort waren schon etwa 500 Menschen. Die Grossfamilie drängte sich in ein Klassenzimmer.

In der Schule mit der UNO-Flagge hätten sie sich sicher gefühlt, berichtet die Schwiegertochter Wisal. Doch am 5. Januar schlug eine israelische Rakete ein und tötete drei Knaben auf dem Weg zum Waschraum. «Wir liefen vor dem Tod davon und ihm direkt entgegen», sagt Mohammed.

Nach dem Waffenstillstand machten sie sich auf den Heimweg. Von den drei Häusern der Grossfamilie war jenes von Wisal noch am ehesten bewohnbar. Jetzt leben sie alle dort. Wisals Kinder machen wieder ins Bett.

Letzten Freitag ging Mohammed zum ersten Mal wieder auf Fischfang. Er und zwei seiner Söhne hatten erst drei Fische gefangen, als ein israelisches Kriegsschiff auf sie schoss. Als sie an Land gingen, feuerten die Schiffsgeschütze auf den Karren und den Esel, mit dem sie den Fang nach Hause hatten bringen wollen. Mohammed glaubt nicht, dass er wieder fischen geht. Aber er hat nichts anderes gelernt. «Wir haben immer vom Meer gelebt. Und jetzt wissen wir nicht, wovon wir leben sollen.»

Ben Hubbard/ap/Beit Lahiya

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