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Feinde und Hilfstruppen

In Irak setzt der türkische Präsident Erdogan auf die kurdischen Peschmerga-Kämpfer – in Syrien bekämpft er die dortigen Kurden.
Walter Brehm
Peschmerga-Kämpfer in einer Stellung in der Region Mossul. (Bild: Khalid Mohammed/AP ( 21. Oktober 2016))

Peschmerga-Kämpfer in einer Stellung in der Region Mossul. (Bild: Khalid Mohammed/AP ( 21. Oktober 2016))

Seit Tagen meldet die türkische Armee erfolgreiche Angriffe in Syrien gegen «kurdische Terroristen». Neben Stellungen der Jihadisten des «Islamischen Staats» wollen Erdogans Truppen über 50 kurdische Ziele bombardiert haben.

Gleichzeitig meldet Ankara Erfolge kurdischer Peschmerga-Truppen in der Schlacht um Mossul in Nordirak – errungen mit türkischer Artillerieunterstützung, um welche die irakischen Kurden gebeten hätten.

Gute Kurden, böse Kurden

Während die türkischen Truppen in Syrien die Kurden quasi als ihren Hauptfeind ansehen, haben sie in ihrem Militärstützpunkt Bashiqa nahe der umkämpften Stadt Mossul Peschmerga selber ausgebildet. Wer für den Präsidenten ein guter und wer ein böser Kurde ist, entscheidet der türkische Präsident Erdogan nach seinen Interessen in Irak und Syrien, aber immer gegen ein einheitliches Siedlungsgebiet beidseits der irakisch-syrischen Grenze.

Im Norden Syriens dominieren die schlagkräftigen Kämpfer der «Volksverteidigungsmilizen» YPG. Diese stehen aber der türkischen Kurdenguerilla PKK nahe. Seit sich im Krieg um Syrien ein Zerfall des Zentralstaates unter Präsident Bashar al-Assad abzeichnet, versucht Ankara mit allen Mitteln zu verhindern, dass in Nordsyrien ein kurdisches Territorium entsteht, das politisch auch die Kurden im Südosten der Türkei noch stärker mobilisieren würde.

Offiziell behauptet die Türkei, die stets den Sturz des Assad-Regimes gefordert hat, es gehe ihr nur um die territoriale Integrität Syriens, die es zu erhalten gelte. Damit steht sie zumindest propagandistisch Russlands Position nahe, das seine Intervention in Syrien ebenfalls mit diesem Ziel zu legitimieren versucht.

Einig mit der Feudalherrschaft Barzanis

Mit dem ersten kurdischen Autonomiegebiet in Nordirak, das 2003 als Folge der US-Invasion Iraks entstanden ist, hat Ankara hingegen ein enges wirtschaftliches Verhältnis aufgebaut. Dessen Präsidenten Massud Barzani, der sein Territorium im Stil eines Feudalherren regiert und längst überfällige Wahlen immer wieder vertagt, sieht Ankara als ein verlässliches Gegengewicht zur Allianz von PKK und YPG sowie zur wieder wachsenden Unterstützung des in der Türkei inhaftierten PKK-Gründers Abdullah Öcalan durch syrische und türkische Kurden. Als Erdogan noch Friedensverhandlungen mit der PKK führte, hatten er und Barzani noch 2013 an einer Kundgebung in der türkischen Kurden-Metropole Diyarbakir Türken und Kurden zur Aussöhnung aufgerufen. Als sich aber weder die demokratische Kurdenpartei HDP noch Öcalan für Erdogans Plan für ein Präsidialsystem in der Türkei aussprachen, brach Erdogan die Friedensgespräche mit der PKK ab und kehrte zu seiner Politik der Konfrontation mit der PKK zurück.

Auf die Unterstützung Massud Barzanis konnte sich Erdogan weiter verlassen, da dieser weder die Präsenz von PKK-Kämpfern in seiner Region wünscht noch bereit ist, ein politisches Bündnis mit den linksgerichteten Kurdenparteien in Syrien zu schmieden.

Kampf gegen Stammesgesellschaft

Es ist beileibe nicht das erste Mal, dass sich kurdische Politiker auf die Seite benachbarter Mächte stellen, die im eigenen Land Kurden unterdrücken. Dies hat der kurdischen Sache nie zu Vorteil gereicht. Man muss die politischen Ziele der PKK und der YPG nicht unterstützen. Doch die selbstherrliche Machtausübung Barzanis in Nordirak treibt den linken Kurden immer mehr Anhänger zu – auch deshalb, weil sie als einzige Kraft gegen die patriarchale Stammesgesellschaft kämpfen. Die grosse Zahl von Frauen in den Reihen der YPG zeugt davon, dass diese Politik vor allem auch Frauen begeistert.

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