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Fehlende Strategie gegen die Terrorgefahr

Analyse zum Massaker in der somalischen Hauptstadt Mogadischu
Walter Brehm

Sie heisst nicht Islamischer Staat (IS) und nicht Al-Kaida. Ihr Name ist eine üble Verharmlosung: Al-Shabaab, die Jugend. Als wäre sie die Zukunft Somalias. Die Zukunft eines Landes, in dem seit drei Jahrzehnten Krieg und Terror herrschen. Eine Blutspur, die am vergangenen Samstag in unerträglicher Weise verlängert worden ist. Über 300 Tote und noch einmal so viel zum Teil schwerst Verletzte. Ein Bekennerschreiben zum Horroranschlag mitten in der Hauptstadt Mogadischu liegt noch immer nicht vor. Das hat einen guten Grund. Ein derartiges Massaker gegen die eigene Bevölkerung kann keine Terrorgruppe rechtfertigen. Oder zynischer: Es schadet dem Renommee.

Das Massaker ist auch eine bittere Lehre – für alle Terrorbekämpfer weltweit. In einer Zeit, in der sich die Erfolgsmeldungen gegen den IS häufen, erinnert Mogadischu daran, das dschihadistischer Terror nicht an eine bestimmte Organisation gebunden ist. Und daran, dass eine menschenverachtende Ideologie letztlich nicht militärisch zu besiegen ist. «Unser Land ist verraten und verkauft worden», hat in Mogadischu eine wütende Demonstrantin nach dem jüngsten Massaker gerufen. Seit den 1990er-Jahren hat Somalia keine Regierung, die das ganze Land kontrollieren kann. Schon oft hat man den Somaliern versprochen, dass alles besser wird. Die USA setzen Kampfdrohnen gegen Islamisten ein. Über 20 000 Soldaten aus der Afrikanischen Union (AU) unterstützen Somalias Militär. Sicher sind die Menschen dennoch nicht – vielleicht auch gerade deswegen.

Somalische Flüchtlinge kommen selten bis nie nach Europa. Ihr grösstes Lager in Dadaab liegt in Kenia – eine veritable Grossstadt mit nahezu einer halben Million Bewohnern, in der bereits eine dritte Generation Somalier ohne Perspektive lebt. Dschihad-­Terror ist nie nur ein regionales Problem. So ist längst bekannt, dass in Somalia ausländische Terroristen trainiert werden. Vor allem Europäer oder islamische Migranten aus Europa, die meisten aus Grossbritannien. Schon 2012 warnte Jonathan Evans, damaliger Chef des britischen Geheimdienstes MI5, dass Somalia eine Brutstätte des internationalen Terrors werden könnte: «Es ist eine Frage der Zeit, bis wir auf unseren Strassen Terror erleben, der von jenen inspiriert wird, die heute an der Seite von Al-Shabaab kämpfen.» US-Präsident Donald Trump hat in rein militärischer Logik das Land zur «aktiven Kampfzone» ernannt.

Ab Mai 2018 aber soll die somalische Armee den Krieg gegen Al-Shabaab allein führen. Dann wird der Abzug der AU-Soldaten beginnen. Zwar hat Mohammed Abdullahi Mohammed, Somalias Präsident, schon vor einem halben Jahr grossspurig den «totalen Krieg» gegen Al-Shabaab verkündet. Aber selbst die Tötung führender Kader scheint die Organisation nicht geschwächt zu haben. Und internationale Finanzhilfe an Mogadischu verschwindet oft in der Korruption. Noch immer verkaufen Militärs ihre Waffen auf dem Schwarzmarkt, weil sie ihren Sold nicht erhalten. In der Woche vor dem Massaker sind zudem Verteidigungsminister Abdirashid Abdullahi und Generalstabschef Mohammed Ahmed zurückgetreten. Quellen aus der Regierung sprachen von einem internen Machtkampf.

Die Türkei will das Vakuum nach Abzug der AU-Truppen füllen. Sie hat eine Militärbasis in Mogadischu eröffnet, um die somalische Armee zu trainieren. Die Frage ist nicht nur, ob dies in so kurzer Zeit möglich ist. Die Türkei und der somalische Präsident denken weiter nur in militärischen Kategorien. Vielmehr gilt es zu überlegen, ob die USA und Europa wirklich auf die richtigen Verbündeten setzen. Tatsache ist: Der internationalen Gemeinschaft mangelt es nicht nur im Nahen und Mittleren Osten, sondern auch in Afrika an einer politischen Strategie gegen Dschihadismus. Schlechte Aussichten, nicht nur für Somalia.

Walter Brehm

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