FBI ermittelt gegen Whistleblower

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USA Das offizielle Washington hat die neusten Enthüllungen von Wikileaks mit Schweigen zur Kenntnis genommen. Ein Sprecher des Auslandsgeheimdienstes CIA (Central Intelligence Agency) weigerte sich, die Authentizität der veröffentlichten Dokumente zu bestätigen – die in den Worten von Wikileaks aufzeigen, dass die Schlapphüte populäre Gadgets hacken und als Spionagewerkzeuge missbrauchen.

«Ich werde keinen Kommentar abgeben», sagte auch Sean Spicer, Sprecher von Präsident Donald Trump. Gut informierte Quellen berichteten allerdings darüber, dass sich die CIA den Kopf darüber zerbreche, wie Wikileaks in den Besitz der Gebrauchsanweisungen gelangen konnte, die aufzeigen, wie man zum Beispiel das Betriebssystem eines iPhone oder einen Internet-Router hacken kann. Die Bundespolizei FBI soll bereits Ermittlungen aufgenommen haben.

Die Enthüllungsplattform stellte sich auf den Standpunkt, dass die entsprechenden Dokumente unter ehemaligen amerikanischen Regierungshackern und -zuträgern kursierten und die CIA die Kontrolle über die Cybergeheimnisse verloren habe. Wikileaks wies darauf hin, dass es sich bei den veröffentlichten Dokumenten aus den Jahren 2013 bis 2016 nicht um klassifizierte Regierungsakten handle. Deshalb stehe einer Veröffentlichung nichts im Wege – was wiederum den Weg für ausländische Dienste freimacht, die amerikanischen Methoden zu kopieren. Gleichzeitig kündigte Wikileaks aber auch an, dass sämtliche 7818 Dokumente vor der Veröffentlichung redigiert und nötigenfalls zensuriert würden. Darauf hatte die Organisation in der Vergangenheit verzichtet, was zu heftiger Kritik geführt hatte.

Verschlüsselungsdienste geknackt?

Aufgrund der technischen Natur der Enthüllungen war am Dienstag schwer abschätzbar, wie der Durchschnittsamerikaner auf die Neuigkeiten reagieren würde. Computerexperten betonten, dass in den Dokumenten kein Hinweis darauf enthalten sei, dass es den CIA-Technologieexperten gelungen sei, bekannte Verschlüsselungsdienste wie WhatsApp oder Protonmail zu knacken. Auch sagte Michael Hayden, CIA-Direktor unter Präsident George W. Bush, dass der Auslandsgeheimdienst diese Werkzeuge nicht missbraucht habe, um amerikanische Staatsbürger in den USA auszuspionieren – was, mit Ausnahme von Ermittlungsverfahren, gegen das Gesetz verstossen würde. Da und dort wurde aber erstaunt zur Kenntnis genommen, dass die CIA die Methoden der NSA (National Security Agency), des militärischen Geheimdiensts, kopiert habe. Die NSA steht seit den Enthüllungen des ehemaligen Zuträgers Edward Snowden, die ebenfalls über Wikileaks verbreitet wurden, unter verstärkter politischer Beobachtung.

Anzunehmen ist, dass die neusten Enthüllungen den Graben zwischen dem Machtzentrum Washington und der Technologie-Industrie, die im Silicon Valley in Kalifornien zu Hause ist, vertiefen wird. Denn aus den Wikileaks-Dokumenten geht hervor, dass die CIA Sicherheitslücken in den Programmen von Herstellern wie Apple, Microsoft oder Samsung nutzte, ohne dies den Firmen im Silicon Valley mitzuteilen. Eine ganze Reihe bekannter Technologie-Unternehmen wies am Dienstag und gestern aber die Kunden darauf hin, dass man die Probleme rasch beheben wolle. So gab Apple bekannt, dass bei der Lancierung der letzten Version des Betriebssystems iOS bereits viele Sicherheitslücken geschlossen worden seien, «potenzielle Schwachstellen» aber analysiert würden.

Renzo Ruf, Washington