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FACEBOOK: Facebook-Chef Zuckerberg: Kurz mal die Welt retten

Nach den Wirren um den Datenskandal wird die «Chan Zuckerberg»-Initiative für Mark Zuckerberg zu einem Vehikel, seine Mission weiterzuverfolgen. Die Stiftung könnte dabei ein gutes Mittel sein.
Adrian Lobe
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und seine Frau Priscilla Chan präsentierten an einer Pressekonferenz die «Chan Zuckerberg»-Initiative. (Bild: Beck Diefenbach/Reuters (San Francisco, 21. September 2016))

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und seine Frau Priscilla Chan präsentierten an einer Pressekonferenz die «Chan Zuckerberg»-Initiative. (Bild: Beck Diefenbach/Reuters (San Francisco, 21. September 2016))

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier:<strong><em>www.tagblatt.ch/epaper</em></strong>

Nach der Schiesserei in der Youtube-Zentrale vor wenigen Tagen im kalifornischen San Bruno berichteten lokale Medien, dass die Verletzten in das nahe gelegene Zuckerberg San Francisco General Hospital in San Francisco gebracht wurden.

Beim Namensgeber handelt es sich um keinen Geringeren als Mark Zuckerberg. Der Facebook-Gründer und seine Frau Priscilla Chan spendeten 2015 total 75 Millionen Dollar an das Krankenhaus. Als Dank dafür nannte sich die Institution um und firmiert seitdem unter dem Namen des grossen Gönners.

Zuckerberg gefällt sich in der Rolle des Wohltäters

Zuckerberg war schon immer dar­auf bedacht, sich nicht nur einen Namen als erfolgreicher Unternehmer zu machen, sondern auch als Philanthrop. Anlässlich der Geburt seiner Tochter Max kündigte er an, grosse Teile seines 45-Milliarden-Dollar-Vermögens zu spenden. Die von ihm gegründete «Chan Zuckerberg»-Initiative profiliert sich als Wohltätigkeitsorganisation in allen ge­sellschaftlichen Bereichen: Sie finanziert Schulen, spendet Geld an Wissenschafter und unterstützt Initiativen zum sozialen Wohnungsbau. Zuckerberg gefällt sich in der Rolle des fürsorgenden Wohltäters, der die schützende Hand über die Gesellschaft hält. Das hat er immer wieder betont, etwa in dem pathetischen Brief an seine Tochter, in dem er die Utopie einer Welt ohne Krankheiten entwarf, oder sein «Rundschreiben» an die Facebook-Mitglieder, worin er die Vision einer «globalen Community» formulierte. Das idealistische Denken, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, ist Ausfluss der kalifornischen Ideologie, in der sich alte Hippie-Vorstellungen mit dem ­(libertären) Zeitgeist paaren.

Als die «Chan Zuckerberg»-Initiative gegründet wurde, war klar, dass die gemeinnützige Organisation schon allein aufgrund ihres stattlichen Stiftungsvermögens ein mächtiger zivilgesellschaftlicher Akteur sein würde. Die Stiftung war für Zuckerberg stets eine Ausstiegsoption für den Fall, dass es mit seinem Unternehmen einmal nicht mehr so gut läuft. Jetzt, wo sich Facebook nach dem Datenskandal um die Analysefirma Cambridge Analytica im Krisenmodus befindet und erste Werbekunden abspringen, wird die Stiftung für Zuckerberg zu einem wichtigen Vehikel, seine Menschheitsmission weiterzuverfolgen.

Zuckerberg startete vor längerem eine Tour durch die USA, die ihn in alle Landesteile führte und die Beobachter als eine Bewerbung für eine mögliche Präsidentschaftskandidatur interpretierten. Zuckerberg sass in einem Truck in Iowa, plauderte mit Bürgern bei einem Diner und besuchte eine Autofabrik in Detroit – so wie dies Politiker auch tun. «Am Ende», notierte Zuckerberg in sein Online-Tagebuch auf Facebook, «fragte ich die Trucker, was denn die grösste Herausforderung sei. Ihre Antwort: Autos.» Zuckerberg, der Zuhörer und Kümmerer. «Zuck 2020» bleibt vorerst ein unrealistisches Szenario. Doch Zuckerberg hat womöglich andere Pläne. Das Magazin «Vice» berichtete, dass der Multimilliardär über seine Stiftung die Politik über Generationen beeinflussen will.

Die Ziele – die Stiftung tritt unter anderem für eine Strafrechtsreform ein – sind dezidiert politisch. Für die Umsetzung der Ziele angelte sich Zuckerberg den Politstrategen David Plouffe, der Wahlkampfmanager von Barack Obama war und ihn im Weissen Haus beriet, sowie den ehemaligen Vorsitzenden des Republican National Committee (RNC) Ken Mehlman, der 2004 die Kampagne von George W. Bush leitete und in Washington bestens vernetzt ist. Ken Mehlman sagt: «Zuckerberg und Chan denken beim Erreichen von sozialem Wandel nicht in Dimensionen von Politik und Wahlzyklen, sondern in Jahrzehnten.»

Rechtlich ein geschicktes Konstrukt

Zupass kommt Zuckerberg dabei die Rechtsform: Die «Chan Zuckerberg»-Initiative ist nämlich keine eingetragene Stiftung, sondern eine Limited Liability Company (LLC), eine nach US-amerikanischem Recht gegründete Personengesellschaft, die begrenzt wirtschaftlich tätig sein darf und auf ihre Einkünfte Steuern entrichten muss (am ehesten vergleichbar mit der Kommanditgesellschaft ohne Vollhafter). Als LLC kann die Stiftung in Start-ups investieren, Parteien finanzieren oder Anzeigen schalten (auch auf Facebook), muss diese Ausgaben aber nicht offenlegen. Dieser rechtliche Kniff erlaubt es Zuckerberg, weiter auf dem Markt zu agieren und diskret ­Organisationen zu finanzieren, ohne dass die Öffentlichkeit davon Kenntnis nimmt. Die gemeinnützige Initiative könnte sich als eine als Stiftung getarnte Lobbyorganisation entpuppen, die unter dem Schutz des amerikanischen Gesellschaftsrechts Interessenpolitik für Facebook und Mark Zuckerberg macht. Schon kurz nach der Gründung wurde Kritik an der Initiative laut. Das Projekt sei nicht so al­truistisch, wie es verkauft würde, es diene vor allem dem Branding von Facebook, hiess es. Der «Economist» schrieb bereits 2006 von einem «Philanthropen-Kapitalismus»: Stiften als Geschäftsmodell.

Nun hat es in der Geschichte des Kapitalismus schon immer mächtige Mäzene gegeben: den Ölmagnaten John D. Rockefeller, den Stahlbaron Andrew Carnegie, der in seinem Manifest «Evangelium des Reichtums» die gesellschaftliche Verantwortung von Reichen betonte, oder Microsoft-Gründer Bill Gates, der sein Vermögen der Bill & Melinda Gates Foundation vermachte. Dass man sich mit Stiftungsaktivitäten politischen Einfluss erkauft, ist offenkundig: So ist Bill Gates in zahlreichen internationalen Kommissionen und Entscheidungsgremien der UNO vertreten.

Das Neue an dem Philanthropen-Kapitalismus ist, dass damit auch politische Ziele verfolgt werden: Zuckerberg hat die Vision, die Gesellschaft zu einer Wohngemeinschaft umzubauen, in der man alles teilt und alles offen ist. Die Konsequenzen einer solch hypertransparenten Gesellschaft sind noch gar nicht absehbar.

Diese Dystopie scheint dort auf, wo ein paar Tech-Entrepreneure die öffentliche Infrastruktur und Daseinsvorsorge bereitstellen und die Bürger die Dienste mit ihren Daten bezahlen. Gut möglich, dass man bald nicht nur in einem Zuckerberg-Spital behandelt wird, sondern auch in eine Zuckerberg-Schule geht. Dafür hat der Facebook-Gründer schon gespendet. Das Problem an diesem Modell ist, dass Gelder nicht in einem demokratischen Verfahren bewilligt werden, sondern ein wohlwollender Mäzen autokratisch über die Mittelvergabe entscheidet. Und das bedeutet: Wer die Gunst des Gönners verliert, geht bei den Wohltaten am Ende leer aus.

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