Experten in Deutschland warnen vor Stromlücke nach Atom- und Kohle-Ausstieg

Experten haben wegen des Ausstiegs aus der Atomenergie und der Kohleverstromung vor einer Versorgungslücke beim Strom in Deutschland gewarnt.

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(sda) Schon "in wenigen Jahren" drohe wegen des doppelten Ausstiegs auf der einen und des wachsenden Strombedarfs auf der anderen Seite eine Stromlücke, erklärte das Forschungsinstitut EuPD Research am Freitag.

Das Ende der Atomenergie naht – der Kühlturm des AKW Mülheim-Kärlich in Rheinland-Pfalz wurde abgerissen. (Bild: Keystone/DPA/Thomas Frey, 26. März 2019)

Das Ende der Atomenergie naht – der Kühlturm des AKW Mülheim-Kärlich in Rheinland-Pfalz wurde abgerissen. (Bild: Keystone/DPA/Thomas Frey, 26. März 2019)

Der Studie zufolge, an der auch der deutsche Verband der Solarwirtschaft mitwirkte, liesse sich diese Lücke nur mit Photovoltaik schliessen. Eine "Verdreifachung des Photovoltaikbestands bis 2030 und deutlich mehr Speicher", könnten die Energieversorgung klimafreundlich sichern, lautet das Fazit der Analyse verschiedener Szenarien zur Stromversorgung.

Ein Entsorgungsengpass entstehe dann, wenn wie gesetzlich beschlossen 2022 die letzten Atomkraftwerke vom Netz gehen und Deutschland gleichzeitig sukzessive bis 2038 aus der Kohle aussteigt. Nach Berechnungen des Fraunhofer Instituts für solare Energiesysteme deckten Atomenergie, Steinkohle und Braunkohle im ersten Halbjahr 2019 noch knapp 43 Prozent des Stroms in den öffentlichen Netzen ab.

Der EuPD-Studie zufolge könnte der Nettostromverbrauch bei sinkenden Kapazitäten der Atom- und Kohlekraftwerke bis 2030 um 20 Prozent und bis 2040 um 66 Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr steigen. Grund dafür seien unter anderem immer mehr Elektrofahrzeuge. Bleibe der Zubau Erneuerbarer Energien weiterhin so gering wie bisher, drohe bald eine Versorgungslücke.

Die Experten plädierten für eine Aufstockung der Solar-Gesamtkapazität von derzeit 48 auf 162 Gigawatt im Jahr 2030. Solarstrom sei unter den Erneuerbaren die einzige Technologie, die "kurzfristig in grösserer Menge" zugebaut werden könne. Die Hürden langjähriger Genehmigungsverfahren wie bei der Windenergie würden bei Solaranlagen in der Regel nicht bestehen.

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Beat Schmid

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