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Ex-Terroristen sind Phantome geworden

Fast 20 Jahre nach der Auflösung der Roten Armee Fraktion (RAF) geht untergetauchten Linksterroristen das Geld aus. Bei mehreren Überfällen haben sie Spuren hinterlassen. Ein Experte könnte sich vorstellen, dass sich das Trio in der Westschweiz aufhält.
Christoph Reichmuth

BERLIN. Zehn Morde, darunter die Tötung von Siemens-Vorstand Karl Heinz Beckurts und Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen, sowie ein Sprengstoffanschlag auf den Rhein-Main-Luftwaffenstützpunkt der US-Armee mit zwei Toten gehen auf das Konto der dritten Generation der Roten Armee Fraktion (RAF). Von 22 bekannten Taten der letzten RAF-Generation liessen sich bis heute nur zwei aufklären, von den mutmasslich mehr als ein Dutzend Mitgliedern dieser Generation konnten nur zwei verhaftet werden. Ein Terrorist wurde bei der letzten Aktion der Linksterroristen 1993 getötet. Im April 1998 löste sich die RAF nach fast 30jähriger Aktivität auf; in einem Schreiben hiess es: «Die Stadtguerilla in Form der RAF ist nun Geschichte. (…) Die RAF konnte keinen Weg zur Befreiung aufzeigen.» Bilanz seit den Anfängen des RAF-Terrors in den 70er-Jahren: 34 ermordete Menschen und über 20 getötete RAF-Terroristen, dazu unzählige Verletzte.

Zur Zeit der Auflösung waren die Mitglieder der Anfang der 80er-Jahre gegründeten dritten Generation schon seit Jahren im Untergrund. Bis heute ist unbekannt, wo sich die letzten Mitglieder aufhalten.

Kein Geld mehr

Nun könnte ein RAF-Trio den Fahndern allerdings ins Netz gehen. Es handelt sich um die Ex-Terroristen Daniela Klette (57), Burkhard Garweg (47) und Ernst-Volker Staub (61). Sie hinterliessen in den letzten Monaten bei mehreren gescheiterten Überfällen auf Supermärkte und Geldtransporter ihre DNA-Spuren. Alles deutet darauf hin, dass ihnen im Untergrund das Geld ausgegangen ist. Die bei einem Überfall auf einen Geldtransporter 1999 erbeutete Summe von einer Million Mark scheint inzwischen aufgebraucht zu sein. Auch der «Spiegel»-Autor und RAF-Experte Michael Sontheimer geht von einem «Rentenbeschaffungs-Programm ehemaliger RAF-Leute» aus. «Aus dem Nichts heraus ermöglicht sich der Bundesanwaltschaft die Chance, die Verbrechen der dritten RAF-Generation vielleicht doch noch aufzuklären.»

Unentdeckte Waffendepots

Die Behörden gehen davon aus, dass das Trio wegen der gescheiterten Versuche nächstens wieder zuschlägt. Bislang war es vorwiegend im norddeutschen Raum aktiv, eingesetzt wurden alte Gewehre und Panzerfäuste. Experten nehmen an, dass die drei auf mehrere unentdeckte Waffendepots in ganz Deutschland zurückgreifen können. Sie gehen bei ihren Überfällen meist gleich vor: Mit einem bar bezahlten Gebrauchtwagen reisen sie zum Ort des Überfalls, dabei kommt meist eine Panzerfaust zum Einsatz. Nach der Tat wird das Auto an einem abgelegenen Ort abgestellt und angezündet.

Die Untergetauchten führen vermutlich ein recht einsames Leben. Wegen fehlender offizieller Papiere verfügen die Ex-Terroristen nicht über eine Krankenkassenkarte, sie können keinen Handy-Vertrag abschliessen, nicht mit dem Flugzeug reisen, keine Wohnung auf ihren Namen mieten und keiner geregelten, sozialversicherten Arbeit nachgehen. Spuren aus den Überfallautos deuten darauf hin, dass sie in einer ländlichen Gegend zu Hause sind und möglicherweise die Hilfe ihnen wohlgesinnter, ahnungsloser Nachbarn oder Freunde in Anspruch nehmen. Nach ähnlichem Muster konnte sich auch das rechtsextreme Trio Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) während 13 Jahren unentdeckt in Deutschland aufhalten. Unterstützer mieteten Wohnungen für die drei oder liessen sie kostenlos bei sich wohnen.

In der Westschweiz?

Im Gegensatz zu ihren Vorgängern wie Andreas Baader, der gerne im Sportwagen herumfuhr, oder der zweiten Generation führte die dritte Generation ein unauffälliges Leben. An den Tatorten hinterliessen sie keine Fingerabdrücke, sie schlugen meist dort zu, wo es niemand erwartet hatte, und benutzten für Reisen den öffentlichen Verkehr.

Ihre Dokumente fälschten sie vermutlich selbst, wie der RAF-Experte und Buchautor Butz Peters sagt. Der Anwalt meint, dass das Trio heute nicht mehr unbedingt in Deutschland zu Hause sei. Vermutlich leben die drei in einem Land, in dem das Wissen über die RAF nicht so ausgeprägt ist wie in Deutschland. «Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die drei in der französischen Schweiz unter gefälschten Identitäten leben. Die Westschweizer sind ja eher nach Frankreich orientiert, die RAF-Geschichte ist in den Köpfen nicht so präsent. In einem solchen Umfeld lässt es sich relativ gut im Untergrund leben.» Die Behörden gehen auch einer Spur in Holland nach, auch mit Phantombildern im Fernsehen.

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