Ex-Regierungschef gestorben

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Griechenland Der ehemalige griechische Premierminister Konstantinos Mitsotakis (Bild) ist gestern früh im Alter von 98 Jahren in Athen gestorben. Der 1918 in Chania auf der Insel Kreta geborene Mitsotakis gehörte zu den prägenden Politikern der griechischen Nachkriegsgeschichte und gilt als einer der Architekten des griechischen Beitritts zur Europäischen Gemeinschaft 1981.

Während der Nazi-Besatzung wurde er wegen seiner Rolle im Widerstand auf Kreta zweimal zum Tode verurteilt, Mitsotakis entging jedoch beide Male der Hinrichtung. Dennoch unterhielt kaum ein griechischer Nachkriegspolitiker so enge Kontakte zu Deutschland wie der fliessend Deutsch sprechende Mitsotakis.

Ein unbequemer Mahner im Parlament

1990 löste der konservativ-liberale Mitsotakis den skandalumwitterten Sozialisten Andreas Papandreou als Premierminister ab. Als Regierungschef versuchte Mitsotakis bereits damals viele jener Strukturreformen und Privatisierungen durchzusetzen, mit denen sich das Land noch heute unter dem Druck der internationalen Kreditgeber schwertut. Man könne nicht auf Dauer mehr ausgeben, als man verdiene, mahnte Mitsotakis seine Landsleute. Seine besondere Sorge galt dem schon damals hochdefizitären Rentensystem.

Doch seine Reformpolitik war nicht nur bei den Gewerkschaften und Verbänden, sondern auch in den eigenen Reihen unpopulär. 1993 verlor Mitsotakis seine hauchdünne parlamentarische Mehrheit und musste zurücktreten. 2004 zog er sich als damals dienstältester Abgeordneter aus dem Parlament zurück. Rückblickend meinen viele politische Chronisten, Griechenland wären wohl die Schuldenkrise und die harten Sparprogramme erspart geblieben, wenn sich Mitsotakis Anfang der 1990er mit seiner Politik hätte durchsetzen können.

Mitsotakis gehörte zu einer der ältesten griechischen Polit-Dynastien. Die Linie der Familie reicht zurück zum legendären Staatsmann Eleftherios Venizelos (1864–1936). Mitsotakis’ Tochter Dora war Athener Bürgermeisterin und Aussenministerin. Sein Sohn Kyriakos ist seit Anfang 2016 Vorsitzender der konservativen Nea Dimokratia (ND) und Oppositionsführer im griechischen Parlament. Er gilt als möglicher nächster Ministerpräsident Griechenlands. (gha)

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