USA
Ex-Präsident Obama erlebt ein unschönes Comeback – als Hauptfigur einer wüsten Verschwörungstheorie

Um von seinem stark kritisierten Coronakurs abzulenken, hat US-Präsident Donald Trump eine gefährliche neue Verschwörungstheorie unter dem Titel #Obamagate in Umlauf gebracht. Was ist da dran?

Samuel Schumacher
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Damals waren sie noch freundlich zueinander: Donald Trump und Barack Obama am 20. Januar 2017 auf dem Weg zu Trumps Amtseinsetzung in Washington D.C..

Damals waren sie noch freundlich zueinander: Donald Trump und Barack Obama am 20. Januar 2017 auf dem Weg zu Trumps Amtseinsetzung in Washington D.C..

CH Media

Was ist #Obamagate?

Unter dem Hashtag hat US-Präsident Donald Trump (73) am Wochenende auf Twitter eine neue Verschwörungstheorie in Umlauf gebracht. Er beschuldigt seinen Amtsvorgänger Barack Obama (58), das «grösste politische Verbrechen der amerikanischen Geschichte» mitverursacht zu haben. «OBAMAGATE lässt Watergate klein aussehen», schrieb Trump mit Verweis auf den Abhörskandal, der Präsident Richard Nixon einst das Amt gekostet hatte.

Über 100 Kurznachrichten zum vermeintlichen Skandal hat Trump am Samstag und Sonntag über Twitter verbreitet. Bis am Dienstagmittag wurden auch in der Schweiz bereits knapp 3 Millionen #Obamagate-Tweets abgesetzt. Obama, so die Essenz der Anschuldigungen, habe die Untersuchung über die vermeintliche russische Einmischung in den US-Wahlkampf 2016 mitlanciert, um Donald Trump zu diskreditieren. Zur Erinnerung: Sonderermittler Robert Mueller hat die mutmassliche Einmischung Russlands in den US-Wahlkampf während zwei Jahren untersucht. Mueller konnte diverse heikle Verbindungen zwischen Trump und Russland aufzeigen, wies dem aktuellen US-Präsidenten aber keine strafbare Handlung nach.

Was ist dran an den Anschuldigungen?

Es ist nach wie vor unklar, was Trumps konkrete Vorwürfe an die Adresse von Barack Obama sind. Als ihn ein Reporter an einer Pressekonferenz am Montag fragte, was Obama genau verbrochen habe, blieb Trump äusserst vage. «Obamagate: Es ist eine Schande, was passiert ist. Das ist nur der Anfang. Schlimme Dinge sind passiert, die nie mehr passieren sollten», sagte Trump. «Was denn genau», wollte der Reporter wissen. «Sie wissen, was er gemacht hat. Das ist für alle offensichtlich», war Trumps Erklärung.

Was will Trump mit der Verbreitung von #Obamagate erreichen?

Primär handelt es sich dabei um ein Ablenkungsmanöver. Aktuelle Umfragen sehen Trumps Herausforderer Joe Biden, 77, deutlich vorne im anstehenden Rennen um das Weisse Haus. Zudem reisst die Kritik an Trumps Strategie in der Coronakrise nicht ab. Amerika ist mit über 80’000 Toten das mit Abstand am schwersten betroffene Land der Welt. CNN-Analyst Chris Cillizza schreibt: «Trump braucht dringend einen Weg, um seine Basis aufzurütteln und den Fokus von der Art und Weise wegzunehmen, wie er und seine Regierung die Coronapandemie angehen.» Eine vage Verschwörungstheorie über Obama, der versucht habe, ihn zu sabotieren, komme da gerade recht. Gut möglich, dass sich Trump durch den eben erfolgten Freispruch seines einstigen Sicherheitsberaters Michael Flynn zusätzlich beflügelt fühlt. Flynn hatte zugegeben, gegenüber dem Weissen Haus ein Treffen mit russischen Vertretern verschwiegen zu haben, denen er im Dezember 2016 die Lockerung der US-Sanktionen gegen Russland in Aussicht stellte, sobald der neue Präsident Trump im Amt sei. Vor wenigen Tagen liess das Justizdepartement die Anklage gegen ihn fallen: ein Teilsieg für Donald Trump, der damit liebäugelte, Flynn im Falle einer Verurteilung zu begnadigen.

Und was sagt Barack Obama zu all dem?

Vorerst gar nichts. In einem Telefongespräch mit ehemaligen Mitarbeitenden kritisierte Obama Trump am Freitag für das «chaotische Desaster», das er während der Coronakrise verursacht habe. Zudem bezeichnete er den faktischen Freispruch für Michael Flynn als besorgniserregend. Zu den nebulösen Vorwürfen Trumps schweigt sich Obama aber aus. Auch Trumps designierter Herausforderer Joe Biden äusserte sich bislang nicht zu den Vorwürfen.

Barack Obama gilt nicht nur das begnadeter Redner, sondern auch als charismatisch. Das hat viel mit seinen Gesten und seinem Mimenspiel zu tun. 22 Bilder aus seiner Präsidentschaft, die davon zeugen. Obama zeigt vor einer Rede in Galesburg( Illiois) ins Publikum – mit einem ansteckenden Lachen. (24. Juli 2013)
22 Bilder
Barack Obama winkt auf die eine Seite, seine Frau Michelle auf die andere: Der Start zu seiner Präsidentschaft nachdem er bei der Amtseinführung den Eid geschworen hat. (20. Januar 2009)
Obama mit ernster Miene – gleich wird er zum Ehrendoktor an der Rutgers University ernannt. (15. Mai 2016)
Locker lächeln, vor der überdimensionierten US-Flagge – Obama in Holland, Michigan. (11. August 2011)
Blick ins Publikum: Obama bei einer Rede im Rosengarten des Weissen Hauses. (1. Dezember 2013)
Mai 2014: Besuch bei den US-Truppen in Afghanistan. Obama hält eine Rede, zuvor trat Country-Sänger Brad Paisley auf.
Die Mundwinkel zeigen nach unten, der Blick ist vom Publikum abgewandet.: Barack Obama bei einer Pressekonferenz. (8. Oktober 2013)
Freude herrscht: Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüsst US-Präsident Barack Obama im Kanzleramt in Berlin.
Doch noch ein Lächeln zum Schluss: Russlands Präsident Putin gibt Obama am APEC-Gipfel in Lima eine Willkommensgarantie für die Zukunft.
Dezember 2014: Barack Obama öffnet ein Weihnachtsgeschenk.
Obama ganz locker am Telefon in der Wahlnacht, als er wieder gewählt wird. (3. November 2010)
Auch das kann er: Obama wirft einen Baselball im All-Star Game in St. Louis. (14. Juli 2009)
Freundlich, aber keine überschäumende Freude: Obama beim Besuch in Kubas Hauptstadt Havanna. (22. März 2016)
Was diese Geste bedeuten soll? Obama bei einer Pressekonferenz im Weissen Haus. (27. September 2013)
Obama jovial – das Publikum hat er bei einem Event im Weissen Haus auf seiner Seite. (18. Juli 2013)
Obama und ein Thanksgiving-Truthahn. (23. November 2016)
Obama erhält ein Geschenk – und geniesst das mit geschlossenen Augen. (26. September 2016)
Obama gestikuliert mit einem Baselballschläger in Richtung Pressevertreter im Weissen Haus. Nach einer ernsten Drohung sieht das nicht aus, aber was er damit wohl sagen will? (23. Juli 2016)
Der nachdenkliche Obama, mit geschlossenen Augen: Hier kurz nach dem bekannt gewordenen Tod von Nelson Mandela, dem ehemaligen Präsident Südafrikas. (5. Dezember 2013)
Obama setzt seine Gesten gekonnt ein – hier wieder bei einer Pressekonferenz im Weissen Haus. (15. November 2013)
Obama emotional: Bei einer Abschiedsrede im Chicago wischt er sich eine Träne aus dem Gesicht. (10. Januar 2017)
Nach der Abschiedsrede: Obama hält die offene Hand zum Gruss ans Publikum in die Höhe.

Barack Obama gilt nicht nur das begnadeter Redner, sondern auch als charismatisch. Das hat viel mit seinen Gesten und seinem Mimenspiel zu tun. 22 Bilder aus seiner Präsidentschaft, die davon zeugen. Obama zeigt vor einer Rede in Galesburg( Illiois) ins Publikum – mit einem ansteckenden Lachen. (24. Juli 2013)

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