Ex-Präsident Sarkozy muss vor den Richter

Eben noch als Rettungsanker der zerstrittenen Rechten angesehen, muss Frankreichs Ex-Präsident Sarkozy heute vor Gericht erscheinen. Der Tatbestand: Korruption.

Stefan Brändle
Drucken

PARIS. Klar ist: Die 150 000 Euro steckten in einem brauen Umschlag. Wie die Buchhalterin der Milliardärin Liliane Bettencourt der Polizei erklärte, übergab der Hausanwalt diesen Betrag 2007 Eric Worth, einem engen Vertrauten von Nicolas Sarkozy. Der ehemalige Präsident bestreitet aber, das Geld für seine Wahlkampagne erhalten zu haben.

Der zuständige Untersuchungsrichter in Bordeaux ordnete im Juli trotzdem eine Hausdurchsuchung in Sarkozys Büro an. Heute lädt er ihn vor. Eingeweihte Anwälte meinen, gegen Sarkozy werde ein Strafverfahren eröffnet, es sei denn, dass er «verdächtiger Zeuge» werde, was laut französischem Recht eine mittlere Position zwischen einem Zeugen und einem Angeklagten darstellt.

Diskussion um Comeback

Für den Staatschef von 2007 bis 2012, der während seines Mandats Immunität genoss, kommt die Gerichtsvorladung zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Nach dem Wahldebakel der bürgerlichen «Union für eine Volksbewegung» (UMP) sind in Paris diese Woche Rufe nach seinem Comeback laut geworden.

Offiziell kümmert sich der 57jährige Sarkozy nicht mehr um Politik. In letzter Zeit zeigte er sich gerne braungebrannt und mit Dreitagebart. Doch bei all dem verfolgt er die Politik doch aus nächster Nähe. Wie das Satireblatt «Canard Enchaîné» gestern berichtete, meinte er vor Freunden zur UMP-Kampfwahl, der vorerst unterlegene Ex-Premier Fillon sei vom Rennen um die nächste Präsidentschaftswahl im Jahre 2017 schon jetzt «eliminiert». Der neue Vorsitzende Copé, nun wieder angefochten, habe hingegen «nur eine Idee im Kopf – mich daran zu hindern, zuvorderst auf die Bühne zurückzukehren.» Im internen Wahlkampf hatte Copé noch versprochen, er würde sich 2017 freiwillig zurückhalten, wenn Sarkozy erneut kandidieren möchte.

Eine Voruntersuchung läuft

In Umfragen geben Franzosen an, der Ex-Präsident würde die Probleme besser lösen als der aktuelle Staatschef François Hollande. Eine Mehrheit von 55 Prozent der Befragten wünscht jedoch nicht, dass Sarkozy in die Politik zurückkehrt.

Gestern wurde zudem bekannt, dass ein Pariser Richter eine Voruntersuchung gegen den Ex-Präsidenten eröffnet hat, um Vorwürfe abzuklären, er habe im Elysée Steuergelder für die Erstellung persönlicher Umfragen missbraucht.