Ex-Präsident muss in Haft

Israels früherer Staatspräsident Moshe Katzav muss wegen Sexualdelikten für sieben Jahre ins Gefängnis. Der Oberste Gerichtshof hat seinen Revisionsantrag abgelehnt.

Susanne Knaul
Drucken
Nach dem Urteil: Moshe Katzav verlässt das Gericht. (Bild: ap/Sebastian Scheiner)

Nach dem Urteil: Moshe Katzav verlässt das Gericht. (Bild: ap/Sebastian Scheiner)

JERUSALEM. Genau ein Jahr nach dem Schuldspruch eines Tel Aviver Gerichts, am 7. Dezember, soll Moshe Katzav seine Haft von sieben Jahren antreten. Im Verlauf des knapp zwei Jahre währenden Prozesses, der strikt unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchgeführt wurde, war Katzav der zweifachen Vergewaltigung, des Missbrauchs von Untergebenen und der Falschaussage überführt worden. Mit dem Urteil im Revisionsverfahren endet nun einer der spektakulärsten Skandale seit der Gründung des Staates Israel.

Fast bis zuletzt im Amt

Bis zum Schluss beharrte der Ex-Präsident auf seiner Unschuld. Das Urteil des Obersten Gerichts, so kommentierte Avigdor Feldmann, einer der drei Verteidiger Katzavs, stütze sich allein auf die Glaubwürdigkeit der Klägerin und die habe «bewiesenermassen wiederholt gelogen». Der Anwalt tat sich mit dem Urteil, dem allein «Intuition» zugrunde liege, sichtlich schwer und will weitere Schritte in Erwägung ziehen. «Es reicht nicht, wenn die Richter ihre Gammastrahlen aktivieren, um herauszufinden, was wahr und was unwahr ist.» Katzav selbst verliess das Gericht ohne Kommentar. Seine Söhne und Enkel hielten sich zwischen ihm und den Reportern.

Gut fünf Jahre zog sich die Affäre hin, seit im Sommer 2006 zum ersten Mal ein Verdacht gegen den damals noch amtierenden Präsidenten aufkam. Katzav selbst hatte den Skandal ins Rollen gebracht, als er sich um rechtliche Hilfe bemühte, weil er angeblich erpresst werden sollte. Erst im Sommer 2007, fast zeitgleich mit dem Ablauf seiner siebenjährigen Amtszeit als Staatsoberhaupt, reichte er seinen Rücktritt ein.

Ermutigung für alle Frauen

Die Beweislage gegen ihn hatte sich so sehr verdichtet, dass sie Generalstaatsanwalt Menachem Masus zur Anklage reichte. Katzav tobte. In einer nicht enden wollenden Pressekonferenz monologisierte er gegen den Oberstaatsanwalt, der Katzav unverblümt einen «sexuellen Serienverbrecher» nannte, gegen die Polizei und gegen die Medien. Er sei Opfer einer politischen Hexenjagd, wetterte Katzav.

Er lehnte einen aussergerichtlichen Vergleich ab. Damit verpasste er seine letzte Chance, der Gefängnisstrafe zu entkommen. Unter keinen Umständen wollte er seine Schuld eingestehen, was Voraussetzung für einen Vergleich gewesen wäre.

Ohne irgendwelche Abstriche übernahm der Oberste Gerichtshof das Strafmass der Richter in Tel Aviv. Dazu gehört auch eine Wiedergutmachungszahlung in Höhe von umgerechnet knapp 25 000 Franken an das Vergewaltigungsopfer.

Das Urteil im Revisionsverfahren sei eine Ermutigung für alle Frauen, erlittene Misshandlungen vor Gericht zu bringen, kommentierte Sheli Jechimowitsch, die neue Chefin der Arbeiterpartei. Es sei ein historischer Tag für den Staat, in dem «vor dem Gericht alle gleich sind».

Zeit für Vorbereitungen

Auch die Frauen der jüdischen Frauenorganisation Wizo begrüssten das Urteil, forderten jedoch, dass Moshe Katzav seine Haftzeit ohne weitere Verzögerungen antreten solle. Die ihm von den Richtern zugestandene Frist von knapp vier Wochen dient auch dazu, der Gefängnisbehörde Zeit zu geben für weitere Vorbereitungen für seine Haft. Noch ist unklar, in welcher Haftanstalt Katzav seine Strafe absitzen wird. Die Tatsache, dass der Verurteilte von seiner Unschuld überzeugt ist, von Familie und Freunden unterstützt wird und religiös ist, lässt israelische Psychologen davon ausgehen, dass der Ex-Präsident während der Haft nicht suizidgefährdet ist.

Aktuelle Nachrichten