Europas letzter Alleinherrscher

Alexander Lukaschenko hat sich in seiner 16jährigen Amtszeit als Präsident Weissrusslands kaum verändert.

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Hält unnachgiebig an der Macht fest: Weissrusslands Präsident Alexander Lukaschenko. (Bild: ap/Vasily Fedosenko)

Hält unnachgiebig an der Macht fest: Weissrusslands Präsident Alexander Lukaschenko. (Bild: ap/Vasily Fedosenko)

Alexander Lukaschenko hat sich in seiner 16jährigen Amtszeit als Präsident Weissrusslands kaum verändert. Weder hat er seit seinem Amtsantritt 1994 seinen markanten Schnauzer abgelegt, noch ist er seither auch nur ansatzweise von seinem autoritären Führungsstil abgewichen, mit dem er in Weissrussland seit Jahren ein Klima der Angst schürt.

Der 56-Jährige präsentiert sich der Welt gerne als Demokrat, doch sein brutales Vorgehen gegen die Opposition im Nachgang der Wahlen vom Sonntag entlarvt ihn erneut als Alleinherrscher, der sich mit allen Mitteln an seine Macht krallt.

Während er von ausländischen Kritikern als der «letzte Diktator Europas» bezeichnet wird, sieht sich Lukaschenko selbst als liebevoller Vater des weissrussischen Volkes. Von der Bevölkerung lässt er sich Batka - Väterchen - nennen.

Vor allem ältere Weissrussen und die Landbevölkerung sehen in ihm tatsächlich den gütigen Patriarchen der Nation. Denn die weitgehend vom Staat kontrollierte Wirtschaft ist dank billigem Öl und Gas aus Russland stabil.

Lukaschenko wurde 1954 in ärmlichen Verhältnissen nahe der russischen Grenze geboren. Sein genaues Geburtsdatum ist eigentlich der 30. August. Doch Lukaschenko änderte dieses kurzerhand auf den 31., den Geburtstag seines jüngsten Sohnes Nikolai.

Seinen sechsjährigen Sprössling, der ihn regelmässig zu Sitzungen begleitet, hat er einst als seinen «Talisman» bezeichnet. Auch mit solchen Äusserungen pflegt Lukaschenko das Bild des liebenden Vaters.

Nach einem Geschichts- und Landwirtschaftsstudium arbeitete der Bauernsohn als Instruktor bei den KGB-Grenztruppen und als politischer Kommissar in der Sowjetarmee, bis er zu Beginn der Achtzigerjahre Direktor einer Kolchose wurde.

1990 wurde er in das weissrussische Parlament gewählt, wo er sich als Sowjetnostalgiker und Gegner der weissrussischen Unabhängigkeit einen Namen machte.

Vier Jahre später setzte sich Lukaschenko in einem von Korruptionsvorwürfen geprägten Wahlkampf gegen den damaligen Parlamentspräsidenten Stanislau Schuschkewitsch durch. Paradoxerweise hatte er sich zuvor als Vorsitzender des Antikorruptionskomitees bei den Weissrussen beliebt gemacht. Schon kurz nach der Wahl zeigte der selbsterklärte Saubermann sein wahres Gesicht.

In seinem ersten Amtsjahr liess er acht regierungskritische Zeitungen verbieten. 1996 besiegelte er per Verfassungsänderung seine Alleinherrschaft; das von ihm handverlesene Parlament und die Justiz wurden zu machtlosen Marionetten degradiert. Regimegegner lässt Lukaschenko systematisch verschwinden. Bei den Wahlen 2001 und 2006, die laut Beobachtern jeglichen demokratischen Standards entbehrten, liess sich der Despot mit jeweils über 70 Prozent der Stimmen im Amt bestätigen.

Auch im Privatleben scheint Lukaschenko nicht gerne zu verlieren. Nimmt der passionierte Eishockeyspieler an einem sportlichen Wettkampf teil, ist es verboten, ihn zu besiegen. «Man darf ihn beim Hockeyspielen nicht berühren und beim Skifahren nicht überholen», berichtete der Kajak-Olympiasieger Wladimir Parfenowitsch. (hae)

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