Euphorisches «We love you, Germany!» in München

Fast stündlich rollten gestern Züge mit Hunderten Flüchtlingen in den Hauptbahnhof von München ein. Innerhalb von 24 Stunden erreichten 2500 Menschen die bayrische Hauptstadt mit dem Zug. Die meisten stammen aus Irak und Syrien, aber auch aus Balkanländern.

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Fast stündlich rollten gestern Züge mit Hunderten Flüchtlingen in den Hauptbahnhof von München ein. Innerhalb von 24 Stunden erreichten 2500 Menschen die bayrische Hauptstadt mit dem Zug. Die meisten stammen aus Irak und Syrien, aber auch aus Balkanländern. Beobachter beschrieben die Stimmung als «ruhig bis euphorisch». Freiwillige begrüssten die erschöpften Menschen mit Wasser und Essen, die Kinder bekamen Plüschtiere. «Thank you, Germany!» oder «We love you, Germany!» skandierten die Flüchtlinge. Die Asylsuchenden wurden registriert und in Aufnahmezentren gebracht.

Zahl syrischer Flüchtlinge steigt

Seit Beginn des Bürgerkrieges 2011 sind rund 121 000 syrische Flüchtlinge in Deutschland eingereist, damit erhöht sich die Zahl der Syrer im Land auf über 150 000. Experten rechnen mit weiteren Zehntausenden, die Asyl beantragen werden. Zudem sei mit dem Zuzug von rund 200 000 Familienangehörigen zu rechnen. Von Deutschland erhalten die syrischen Bürgerkriegsflüchtlinge quasi ohne Ausnahme Asyl. Letzte Woche hatte das deutsche Bundesamt für Migration angekündigt, sie nicht mehr in das EU-Land zurückzuschicken, in das sie als erstes einreisen. Damit setzt Deutschland das Dublin-Verfahren aus.

Das Innenministerium jedoch sah sich rasch zu einem Dementi gezwungen: Man habe Dublin keineswegs ausgesetzt, betonte ein Sprecher. «Wer nach Ungarn kommt, muss sich dort registrieren lassen und das Asylverfahren dort durchführen.» Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, Deutschland orientiere sich am geltenden Recht. «Wir stellen nur durch das praktische Erleben jeden Tag fest, dass die geltende Rechtslage offensichtlich nicht praktiziert wird», konnte sich Merkel einen Seitenhieb an die Adresse Ungarns nicht verkneifen. Wegen Verstössen gegen das Dublin-Abkommen geriet Ungarn gestern von mehreren Seiten in die Kritik. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann forderte die Regierung in Budapest dazu auf, sich an europäisches Recht zu halten: «Ungarn muss seinen Verpflichtungen zur Registrierung nach dem Dublin-Abkommen nachkommen.»

1785 Schlepper festgenommen

Wegen der Flüchtlingskrise – Deutschland erwartet in diesem Jahr rund 800 000 Asylgesuche – geht die deutsche Bundespolizei verstärkt gegen Schlepperbanden vor. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden bei Kontrollen in der Grenzregion und in Zügen 1785 mutmassliche Schlepper festgenommen, im gesamten vergangenen Jahr waren es 2149. (cr)