EU-Kommissar ist doch kein Plagiator

WIEN. Eine international besetzte Kommission im Auftrag der Universität Wien hat gestern bestätigt: Die Dissertation des österreichischen EU-Kommissars Johannes Hahn sei kein Plagiat. «Entsprechend liegt auch kein wissenschaftliches Fehlverhalten vor», heisst es in dem Urteil.

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WIEN. Eine international besetzte Kommission im Auftrag der Universität Wien hat gestern bestätigt: Die Dissertation des österreichischen EU-Kommissars Johannes Hahn sei kein Plagiat. «Entsprechend liegt auch kein wissenschaftliches Fehlverhalten vor», heisst es in dem Urteil.

«Mit Freispruch gerechnet»

Hahn war im Vorfeld vielfach als «österreichischer Guttenberg» bezeichnet worden. Anders als der frühere deutsche Verteidigungsminister darf Hahn nun seinen Doktortitel behalten und muss auch nicht von seiner derzeitigen Funktion als EU-Kommissar für Regionalpolitik zurücktreten. Hahn reagierte erfreut, er habe «mit einem Freispruch gerechnet». Bereits 2007 hatte eine Expertise der Universität Zürich Plagiatsvorwürfe untersucht und nicht bestätigt.

Der ehemalige österreichische Wissenschaftsminister promovierte 1987 an der Wiener Universität mit dem Thema: «Die Perspektiven der Philosophie heute – dargestellt am Beispiel der Stadt». Der Salzburger Medienwissenschafter und Plagiats-Fahnder Stefan Weber hatte im Mai im Auftrag der Grünen Anzeige erstattet: Hahns Doktorarbeit, so lautete der zentrale Vorwurf, bestehe bis zu einem Fünftel aus abgeschriebenen Texten anderer Autoren.

Nicht die reine Lehre

Ganz ohne Schramme allerdings liess die Untersuchungskommission Hahn auch nicht davonkommen. In Anspielung auf schlampig zitierte Passagen und fehlende Quellenangaben heisst es in dem Urteil: An heutigen Standards gemessen, würde dessen Doktorarbeit «nicht den Prinzipien guter wissenschaftlicher Praxis» entsprechen.

Rudolf Gruber