Es geht um verspieltes Vertrauen

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ist US-Geheimdiensten vieles ermöglicht worden, was zuvor undenkbar war: Waterboarding und andere Foltermethoden. Dies ist längst nicht mehr bestritten, der Report des Senats nur noch das offizielle Eingeständnis.

Walter Brehm
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Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ist US-Geheimdiensten vieles ermöglicht worden, was zuvor undenkbar war: Waterboarding und andere Foltermethoden. Dies ist längst nicht mehr bestritten, der Report des Senats nur noch das offizielle Eingeständnis.

Einige Details des Berichts können grausamer sein als die bisher bekannten. Dass aber so heftig darüber gestritten wird, ob es falsch oder richtig sei, das alles öffentlich zu machen, liegt nicht an den Details. Ins Feld geführt wird die Gefährdung amerikanischer Geiseln oder im Einsatz stehender US-Soldaten. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung also sei falsch, sagt auch Barack Obamas Aussenminister John Kerry. Doch einen idealen Zeitpunkt, staatliche Verfehlungen einzugestehen, gibt es so oder so nicht – auch hinter diesem Argument steht ein anderes. Es wurzelt nicht in der Vergangenheit, sondern ist gegenwärtig. Ex-Präsident George W. Bush und andere Republikaner loben die Folterer für ihren patriotischen Dienst. Viele Terroropfer seien so verhindert worden. Der Senatsbericht sagt etwa anderes: «Der Einsatz der Folter war faktisch wirkungslos.» Menschenrechte wurden im Namen von deren Verteidigung verletzt, gerettet hat dies niemanden.

Diese Erkenntnis könnte in Nahost oder anderswo tatsächlich erneut die Wut der Strasse gegen die USA schüren. So kann die Alarmierung von US-Truppen im Ausland begründet werden. Eine andere Lesart bedürfte zwar grösserer Anstrengung, wäre aber stärker als Angst: «Seht her, die USA machen Fehler – auch furchtbare. Aber sie haben die Kraft, aus ihnen zu lernen.» Transparenz als Weg, verlorene Glaubwürdigkeit in der Verteidigung der Freiheit zurückzugewinnen.

walter.brehm@tagblatt.ch

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