Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

In Syrien droht eine neue humanitäre Katastrophe

Damaskus und Moskau führen wieder Krieg gegen die von Kaida-Rebellen beherrschte Provinz Idlib. Die Leidtragenden sind Zivilisten.
Michael Wrase, Limassol
Rauchwolken über der Stadt Al-Habeet in der syrischen Provinz Idlib. Bild: AP (3. Mai 2019)

Rauchwolken über der Stadt Al-Habeet in der syrischen Provinz Idlib.
Bild: AP (3. Mai 2019)

«Die Türkei und andere Staaten sollen wissen, dass die syrische Regierung entschlossen ist, jeden Zentimeter ihres Territoriums zu kontrollieren.» Mit diesen markigen Worten versuchte der stellvertretende syrische Aussenminister Faidal Mekdad am Wochenende in einem Interview mit dem Beiruter Fernsehsender Al-Mayadeen die neue Grossoffensive der syrischen und russischen Armee im Nordwesten Syriens zu rechtfertigen. «Idlib», fügte er hinzu, «wird dabei keine Ausnahme sein.»

Die Provinz an der Grenze zur Türkei wird seit sechs Jahren von dem Kaida-nahen Dschihadistenbündnis Hayat Tahrir al-Sham (HTS), das früher unter dem Namen Nusra-Front bekannt war, der uigurischen «Islamischen Partei Turkestans» sowie einigen moderateren Rebellengruppen kontrolliert.

In einer im Herbst letzten Jahres in Sotchi erzielten Verein­barung hatten sich die Türkei, Russland und der Iran dazu verpflichtet, einen «nachhaltigen Waffenstillstand in der Deeskalationszone Idlib» zu erreichen. Um einen syrischen Angriff auf die Rebellenhochburg zu verhindern, sollte das türkische Militär dafür sorgen, dass die mit Al-Kaida verbündeten Dschihadisten­organisationen bis zum 15. Oktober 2018 abziehen und ihre Panzer und Raketenwerfer den Streitkräften Ankaras übergeben. Das ist bis heute nicht geschehen. Anstatt ihr schweres Kriegsgerät den Türken zu überlassen, lancierten die Dschihadisten immer wieder Angriffe gegen syrische Armeestellungen im Süden von Idlib. Ausserdem soll HTS einen russischen Luftwaffenstützpunkt bei Lattakia mit Grad-Raketen und bombenbestückten Drohnen angriffen haben, woraufhin auch die russische Luftwaffe die Ende April gestartete Offensive der Assad-Armee gegen Idlib unterstützte.

Nach Erkenntnissen der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte gab es am letzten Wochenende rund 140 Luftangriffe. Die Zahl der Todesopfer sei auf mindestens 75 gestiegen. 170 000 Zivilisten, melden Hilfsorganisationen, seien seit März dieses Jahres in Gebiete an der türkischen Grenze geflohen. Laut Unicef wurden auch Schulen und Gesundheitszentren von syrischen und russischen Bomben getroffen. Mindestens zwölf Kinder seien dabei in den letzten zwei Wochen ums Leben gekommen.

Position der Türkei schwächen

Ein Ende der Gewalt zeichnet sich bisher nicht ab. Nach einem Bericht des Fernsehsenders Al Jazeera will die russische Luftwaffe mit ihren Angriffen die Türkei dazu bewegen, «sich an das Abkommen von Sotschi zu halten». Mit anderen Worten: Ankara soll die Kaida-nahen Rebellengruppen zur Kapitulation zwingen und anschliessend entwaffnen, was bei nüchterner Betrachtung unmöglich scheint. Tatsächlich hatte Ankara die HTS beziehungsweise ihren Vorgänger Nusra-Front über Jahre bewaffnet. Erklärtes Ziel war der Sturz des Assad-Regimes mit militärischen Mitteln. Ein Regimewechsel in Damaskus wird von der Türkei, den meisten europäischen Staaten sowie den USA aber weiterhin angestrebt. Eine Entwaffnung der schlagkräftigsten Rebellenorganisation würde dem wiedererstarkten Assad-Regime in die Karten spielen und die Position der Türkei im Syrien-Konflikt nachhaltig schwächen.

Leidtragende des regionalen Seilziehens um Syrien sind wie immer die Zivilisten. In der Region Idlib leben rund drei Millionen Menschen, von denen etwa die Hälfte Flüchtlinge aus anderen Regionen Syriens sind. Sollten die syrischen Streitkräfte in den kommenden Tagen eine Bodenoffensive starten, dürfte sich die humanitäre Katastrophe im Norden des arabischen Bürgerkriegsstaates weiter verschärfen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.