Erstmals wieder Fälle von Kinderlähmung in Syrien

LIMASSOL. Erstmals seit 1999 ist in Syrien die lebensgefährliche Kinderlähmung wieder ausgebrochen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigte gestern zehn Polio-Erkrankungen in dem Bürgerkriegsland. Weitere zwölf Verdachtsfälle würden in regionalen Referenzlabors der WHO untersucht.

Michael Wrase
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LIMASSOL. Erstmals seit 1999 ist in Syrien die lebensgefährliche Kinderlähmung wieder ausgebrochen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigte gestern zehn Polio-Erkrankungen in dem Bürgerkriegsland. Weitere zwölf Verdachtsfälle würden in regionalen Referenzlabors der WHO untersucht. Sämtliche Krankheits- und Verdachtsfälle wurden aus der an Irak grenzenden Provinz Deir al-Sor gemeldet. Die Region wird zu 80 Prozent von islamistischen Rebellen kontrolliert. Täglich kommt es zu schweren Kämpfen mit der Assad-Armee.

«Ausbruch einer Epidemie»

Eine von der «Global Polio Eradication Initiative» geplante Impfkampagne für 100 000 Kinder unter fünf Jahren könnte daher «sehr schwierig» werden, befürchtet WHO-Sprecher Oliver Rosenbauer, der die Polio-Fälle in Syrien als «den Ausbruch einer Epidemie» betrachtet. Dem Polio-Erreger sei eigen, sagte Rosenbauer, jene Kinder zu finden, die geschwächt oder, wie inzwischen 500 000 syrische Kinder, wegen des Bürgerkriegs nicht geimpft werden konnten. Kinderlähmung sei eine hoch ansteckende Krankheit, die durch die Mobilität der Bevölkerung leicht in andere Landesteile sowie in Nachbarstaaten gelangen könne.

Libanon reagiert sofort

Rund 4000 Syrer flüchten täglich nach Jordanien, Irak, Libanon und in die Türkei. Da die Zeit zwischen dem ersten Kontakt mit dem Polio-Erreger und den ersten Krankheitszeichen bis zu 35 Tage betragen kann, ist zu befürchten, dass sich die durch Schmierinfektion übertragende Krankheit auch in den Nachbarländern ausbreiten wird. Libanons Gesundheitsbehörden wollen daher alle 700 000 Kinder, die sich zurzeit im Land aufhalten, umgehend impfen. Ähnliches plant die Türkei, wo 1998 die letzten Polio-Erkrankungen gemeldet wurden.