Erstes EU-Zentrum für Armutsflüchtlinge in Afrika

In Bamako, der Hauptstadt des westafrikanischen Armutstaates Mali, hat die Europäische Union ihr erstes Migrationszentrum eröffnet. Es ist ein Pilotprojekt. Hat es Erfolg, sollen weitere folgen.

Ralph Schulze
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Madrid. «Das Migrationszentrum in Bamako ist ein Pfeiler für jene <Brücke, die Afrika und Europa zusammenführen soll>», sagte Louis Michel, EU-Kommissar für Entwicklungszusammenarbeit. Und es soll ein Rettungsanker sein, «der die gefährlichen Überfahrten per Boot vermeiden helfen soll, bei denen Tausende afrikanische Armutsflüchtlinge sterben».

Abschottung allein hilft nicht

Allein durch Abschottung «Festung Europa» könne die illegale Einwanderung in den gelobten Kontinent nicht aufgehalten werden. Man müsse den Menschen in Mali, einem der ärmsten Staaten der Welt, der zudem als wichtiges Transitland für Flüchtlinge aus ganz Afrika gilt, Perspektiven bieten. Und das vor allem im eigenen Land oder auf dem afrikanischen Kontinent. Dabei soll nun das «Zentrum für Information und Migrations-Management» (CIGEM) entscheidend helfen.

In dem Zentrum sollen Auswanderungswillige vor allem über die Risiken der Migration Richtung Europa informiert werden. Sie sollen erfahren, dass die Auswanderung ohne Papiere wenig Erfolgsaussichten hat, weil die europäischen Staaten Afrikas Armutsflüchtlinge gleich wieder in ihre Heimatländer abschieben wollen. Im Zentrum sollen sie in erschütternden Videos hören und sehen, dass die Flucht, die von den Küsten der Nachbarländer Senegal, Mauretanien oder aus nordafrikanischen Staaten Richtung Spanien und Italien führt, in vielen Fällen mit einem tödlichen Drama endet.

Keine Job-Center für Europa

Etwa 40 europäische und einheimische Mitarbeiter werden im EU-Migrationszentrum beschäftigt sein – vor allem mit Beratung. Das CIGEM wird «keine Arbeitsvermittlung» sein, stellte EU-Kommissar Michel klar. «Es ist nicht vorgesehen, dass das Zentrum Migranten helfen wird, Jobs in Europa zu finden.» Vielmehr sei daran gedacht, zusammen mit Malis Behörden, über Arbeits- und Ausbildungschancen im eigenen Land und auch in den afrikanischen Nachbarstaaten zu informieren. Diese gute Idee muss nun mit Leben und wohl auch mit finanziellen Mitteln gefüllt werden.

Einer der ärmsten Staaten

Im Wüstenstaat Mali leben etwa zwölf Millionen Einwohner, die überwiegend von Viehhaltung, Reis- und Baumwollanbau leben. Die wirtschaftliche Entwicklung ist in dem oft von Dürre betroffenen Land stark von den jährlichen Niederschlägen abhängig. Mali zählt trotz erheblicher europäischer Entwicklungshilfe und einer relativ stabilen Demokratie immer noch zu den ärmsten Ländern der Welt. Im UNO-Bericht über die menschliche Entwicklung für das Jahr 2007 ist das Land, das zu 65 Prozent aus Wüste und Halbwüste besteht, auf Platz 173 von 177 positioniert.

Ausbildung und Arbeit in Afrika

Malis Staatschef Amadou Toumanu Touré sagte denn auch zur Eröffnung des Migrationszentrums: «Das wirkliche Problem ist, Arbeit für die jungen Leute zu finden.» Entsprechend ist es auch die junge Generation, vor allem junge Männer, die von ihren Familien, oft unter Einsatz der letzten Ersparnisse, auf den lebensgefährlichen Weg nach Europa geschickt werden. In der Hoffnung, dort vielleicht doch ein besseres Auskommen zu finden und die Familie in Mali unterstützen zu können.

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