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Erste Abstimmung nach Mugabe: Simbabwer wählen neuen Präsidenten

Simbabwe wählt einen neuen Präsidenten: Es ist die erste Abstimmung seit knapp vier Jahrzehnten, bei der der vom Militär gestürzte Langzeitpräsident Robert Mugabe nicht mehr zur Wahl steht. An einigen Wahllokalen in Harare bildeten sich am Montagvormittag bereits lange Schlangen.
Anhänger von Präsidentschaftskandidat Nelson Chamisa während einer Wahlveranstaltung. (Bild: Dan Kitwood/Getty Images (Harare, 28 Juli 2018))

Anhänger von Präsidentschaftskandidat Nelson Chamisa während einer Wahlveranstaltung. (Bild: Dan Kitwood/Getty Images (Harare, 28 Juli 2018))

(sda dpa) Mugabes Nachfolger Emmerson Mnangagwa geht als Favorit ins Rennen, doch Oppositionsführer Nelson Chamisa liegt Umfragen zufolge dicht hinter ihm.

Für Simbabwe ist es eine Richtungsentscheidung: Mnangagwa war lange Minister und später Mugabes rechte Hand, der 75-Jährige ist ein Vertreter der alten Garde. Sein Wahlsieg würde die Herrschaft der Regierungspartei Zanu-PF in ein viertes Jahrzehnt verlängern.

Der 40-jährige Chamisa hingegen, ein gelernter Jurist und eloquenter Pastor, steht für einen Neuanfang. Sollte keiner der Kandidaten eine Mehrheit erzielen, würde am 8. September eine Stichwahl stattfinden.

"Wir werden diese Wahl gewinnen", sagte Chamisa bei der Stimmabgabe in Kuwadzana, einem der ärmeren Viertel der Hauptstadt Harare. Eine Wählerin dort sagte, es sei Zeit für "einen radikalen Wechsel in Simbabwe".

Sie wähle Chamisa, sagte Miriam Mundaringisa, "weil wir ein neues Simbabwe brauchen, nicht Mnangagwas falsche Versprechen." Eine Erstwählerin, Melinda Matukuturi, sagte, sie werde für Mnangagwa stimmen, weil er "eine Vision" für das Land habe.

Fairste Wahlen seit vielen Jahren

Die Wahlen gelten nicht als perfektes Modell einer demokratischen Abstimmung, Beobachter sprechen jedoch von der freiesten und fairsten Wahl in Simbabwe seit vielen Jahren. Erstmals seit vielen Jahren werden bei der Wahl auch wieder Wahlbeobachter aus den USA und der EU zugegen sein.

Die Opposition kritisierte im Vorfeld, dass die Wahlkommission parteiisch sei. Zudem hätten Mnangagwa und seine Partei Zanu-PF die Ressourcen der Regierung - inklusive der staatlichen Medien - schamlos für ihren Wahlkampf missbraucht, so Chamisa.

Die rund 5,7 Millionen Wahlberechtigten können sich zwischen 23 Kandidaten entscheiden, doch nur Mnangagwa und Chamisa vom Oppositionsblock MDC werden ernsthafte Chancen eingeräumt. Erste Ergebnisse sollen am Wochenende bekanntgegeben werden.

Mugabe unterstützt Chamisa

Die vielleicht grösste Überraschung des Wahlkampfs kam am Sonntag: Ex-Präsident Mugabe lud nach Monaten des Schweigens zu einer Pressekonferenz ein und sagte, er könne Mnangagwa und die jahrzehntelang von ihm geführte Regierungspartei Zanu-PF nicht wählen.

"Ich kann nicht für jene stimmen, die mich schikaniert haben", sagte er. Daher gebe es neben Oppositionsführer Chamisa kaum andere Optionen, sagte er zum Erstaunen aller Beobachter. Mugabe ging in seiner Amtszeit häufig brutal gegen Chamisas Oppositionspartei MDC vor.

Präsident Mnangagwa nutzte Mugabes Steilpass, um sich vom Ex-Präsidenten zu distanzieren. Eine Stimme für Chamisa sei eine Stimme für Mugabe, sagte er in einer Videobotschaft am Sonntagabend. Chamisa wies eine angebliche Allianz mit Mugabe als Unsinn zurück.

Enorme Herausforderungen

Wer auch immer die Wahl gewinnt, steht vor enormen Herausforderungen. Infolge von Mugabes gescheiterter Wirtschaftspolitik ist Simbabwes Wirtschaftsleistung heute der Weltbank zufolge mit rund 900 US-Dollar pro Kopf niedriger als 1980.

Wegen einer Hyperinflation wurde 2009 der US-Dollar als Währung eingeführt, was zu einer tiefen Krise geführt hat. Es herrscht Rekordarbeitslosigkeit. Und das, obwohl Simbabwe grosses Potenzial hat: Rohstoffe wie Diamanten, eine gut ausgebildete Bevölkerung und ein gutes Klima für die Landwirtschaft.

Mugabe hatte sein Amt im November infolge eines Militärputsches aufgegeben. Zanu-PF machte daraufhin seinen früheren Vize Mnangagwa zum Präsidenten. Mugabe hatte Simbabwe seit der Unabhängigkeit von Grossbritannien 1980 regiert - zuletzt mit zunehmend harter Hand.

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