Erst war Corona eine «Erfindung der Demokraten» – doch jetzt greift Trump durch: Keine Treffen mit mehr als 10 Personen

Das Weisse Haus gibt neue Vorgaben aus - und empfiehlt für die nächsten 15 Tage Abstand halten. Doch die USA bleiben weniger strikt als die Schweiz: Um eigentliche Anordnungen handelt es sich nicht, wie Präsident Donald Trump einräumte. 

Renzo Ruf, Washington
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Keine Witze mehr: Präsident Trump beim Presse-Briefing mit der Corona-Virus-Taskforce.

Keine Witze mehr: Präsident Trump beim Presse-Briefing mit der Corona-Virus-Taskforce. 

Evan Vucci / AP

Auch in Amerika sollen nun landesweit Zusammenkünfte von mehr als 10 Personen vermieden werden. Und ältere Menschen sollen den Kontakt mit anderen Mitbürgern vollständig meiden. Diese Empfehlung sprach Präsident Donald Trump am Montag an einer Pressekonferenz im Weissen Haus aus. Nur so könne die weitere Verbreitung des Corona-Virus gebremst werden, sagte er.

Jüngere Amerikaner foutieren sich um die Empfehlungen

Diese Ankündigung ist eine Reaktion auf die Vorgänge der vergangenen Tage; so ignorierte gerade jüngere Bewohner in Grossstädten wie New York City oder Boston die Empfehlungen der Gesundheitsbehörden und gingen in den Ausgang. «Dies ist keine Überreaktion», sagte Anthony Fauci, der Direktor der zuständigen Abteilung an den National Institutes of Health (NIH). Der angesehene Immunologe Fauci ist das eigentliche Aushängeschild der Regierung Trump in der Bekämpfung der Krise. «Jeder Amerikaner muss seinen Beitrag leisten», ergänzte Vizepräsident Mike Pence.

Bei der Empfehlung der Bundesregierung, die vorerst 15 Tage in Kraft sein wird, handelt es sich allerdings nur um Richtlinien ohne Gesetzeskraft, wie Trump indirekt einräumte. Das Weisse Haus hat es bisher den Gouverneuren der 50 Bundesstaaten und den Lokalbehörden überlassen, rechtlich verbindliche Zwangsmassnahmen anzuordnen. So wurde im Grossraum New York die Schliessung von Restaurants oder Bars verfügt; in Seattle (Washington) müssen zudem Coiffeure und Kaffeehäuser dicht machen. Trump sagte am Montag erneut, die Bundesregierung verfolge nicht die Absicht, eine nationale Ausgangssperre zu verhängen.

Die New Yorker Börse stürzt 12,9 Prozent ab

Die Finanzmärkte in New York reagierten dennoch verunsichert auf die Ankündigung des Präsidenten. An der New Yorker Börse verlor der Leitindex Dow Jones 2999 Punkte oder umgerechnet 12,9 Prozent – ein absoluter Minusrekord, selbst in der aktuellen Krise. 

Trump sagte, das Virus werde Amerika vielleicht bis im Juli oder August in Griff halten. Er räumte ein, dass die wirtschaftlichen Einbussen wohl zu einer Rezession führen würden. Aber diese werde nur kurze Zeit anhalten, sagte Trump, und die aufgestaute Nachfrage werde später im Jahr zu einem veritablen Boom führen. Auch kündigte er an, dass die Bundesregierung angeschlagenen Branchen wie der Flugzeugindustrie beistehen werde.

Trump und die Frage der Verantwortung

Auf die direkte Frage, ob er die Verantwortung für die Krise übernehme, sagte Trump sinngemäss: Nein, denn die Pandemie habe die ganze Welt auf dem falschen Fuss erwischt und niemand habe sich auf eine solche Krise vorbereiten können. Trump sagte zudem, es sei nicht angemessen, Wahlen abzusagen. Am Dienstag findet in den Bundesstaaten Florida, Illinois, Ohio und Arizona die nächste Runde der demokratischen Vorwahlen statt. Der Gouverneur von Ohio, der Republikaner Mike DeWine, kündigte am Montag an, dass er die Schliessung der Wahllokale anordne und die Vorwahlen verschieben werde. Nachdem sich ein lokaler Richter geweigert hatte, dieses Ansinnen zu bewilligen, rief DeWine später am Abend kurzerhand den «gesundheitlichen Notstand» aus, und setzte den Urnengang aus. Es sei schlicht nicht möglich, derzeit eine Wahl durchzuführen, die von der Bevölkerung als rechtmässig akzeptiert werde, gab der Gouverneur auf dem Kurznachrichtendienst Twitter bekannt.

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