Erneuter Eclat um die Vatikanbank

Im Zusammenhang mit Geldwäsche-Ermittlungen gegen die Vatikanbank sind gestern ein hoher Prälat, ein Ex-Geheimagent sowie ein Finanzmakler verhaftet worden. Papst Franziskus will dem Treiben nicht mehr lange zusehen.

Dominik Straub
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Skandal empört Papst Franziskus. (Bild: epa)

Skandal empört Papst Franziskus. (Bild: epa)

ROM. Das «Istituto per le Opere di Religione» (Institut für die religiösen Werke, IOR), wie die Vatikanbank offiziell heisst, kommt einfach nicht zur Ruhe. Gestern sind in Rom auf Antrag der italienischen Staatsanwaltschaft der aus Salerno stammende, aber schon lange in Rom lebende Bischof Nunzio Scarano, ein ehemaliger Agent des italienischen Inlandgeheimdienstes sowie ein Broker verhaftet worden.

Nötige Konsequenzen ziehen

Der 61jährige Bischof soll dem Ex-Agenten 400 000 Euro bezahlt haben, damit dieser illegal mit einem Privatjet 20 Millionen Euro von der Schweiz nach Italien brachte. Das Geld wiederum soll einem Freund des Bischofs gehört haben. Den drei Verhafteten wird Korruption, Betrug und Verleumdung vorgeworfen.

Auf den dubiosen Geldtransfer sind die italienischen Fahnder laut Medienberichten im Rahmen der Geldwäsche-Ermittlungen gestossen, die seit dem September 2010 gegen das IOR und dessen früheren Chef Ettore Gotti Tedeschi laufen.

Inwiefern die beiden Ermittlungsverfahren zusammenhängen und ob der bischöfliche Geldtransfer am Ende auch über Konten der «Bank Gottes» gelaufen ist, haben die Ermittlungsbehörden nicht bekanntgegeben. Vatikansprecher Padre Federico Lombardi sagte gestern, dass das vatikanische Kontrollorgan für das IOR, das vom Schweizer Geldwäsche-Experten René Brülhart geführte AIF, die Angelegenheit verfolge und gegebenenfalls die nötigen Konsequenzen ziehen werde. Der Vatikan werde jedenfalls mit den italienischen Strafverfolgungsbehörden eng zusammenarbeiten.

Bock zum Gärtner gemacht

Ob bei der jüngsten Finanzaffäre des Kirchenstaats das IOR eine Rolle gespielt hat oder nicht: Mit dem süditalienischen Bischof Scarano hatte der Vatikan ganz offensichtlich den Bock zum Gärtner gemacht.

Der Prälat war bis vor kurzem Chef-Rechnungsprüfer bei der vatikanischen Vermögensverwaltung. Seinen Posten hat er vor vier Wochen verloren, nachdem die Staatsanwälte von Salerno im Zusammenhang mit dem Konkurs eines Pastafabrikanten Geldwäsche-Ermittlungen gegen den Bischof aufgenommen hatten. Es sollen über eine halbe Million Euro gewaschen worden sein. In der Kurie war Bischof Scarano nur «Don 500» genannt worden – weil er meist nur 500er-Noten im Portemonnaie gehabt haben soll.

Lob und Tadel des Europarats

Der jüngste Eclat rund um die Vatikanbank und die vatikanischen Finanzen erfolgte bloss zwei Tage nachdem Papst Franziskus am Mittwoch eine Untersuchungskommission für das IOR eingesetzt hatte. Obwohl schon sein Vorgänger Benedikt XVI. die Führung der Bank ausgewechselt und eine Kampagne für mehr Transparenz eingeleitet hatte, ist das seit Jahrzehnten umstrittene und immer wieder mit Mafiageldern in Zusammenhang gebrachte vatikanische Finanzinstitut nie aus den Negativschlagzeilen geraten. Im vergangenen Juli hatte ein Europaratsausschuss dem Vatikan zwar Fortschritte bescheinigt – aber auch fortbestehende Mängel wie fehlende Unabhängigkeit und geringe Kontrollmöglichkeiten der Finanzaufsicht kritisiert.

Ende der dunklen Geheimnisse

Beobachter sind indessen überzeugt, dass Franziskus den Augiasstall Vatikanbank nun ein für allemal ausmisten wolle. Bei der Einsetzung der neuen Sonderkommission schrieb der Vatikan, der Papst wolle das IOR besser «mit der Mission der Kirche und des apostolischen Stuhls in Einklang bringen».

Für Massimo Franco, Vatikan-Experte des «Corriere della Sera», bedeutet dies das definitive Ende der dunklen Geheimnisse: «Papst Franziskus ist entschlossen, die Büchse er Pandora zu öffnen und zu schauen, was alles drin ist. Für ihn beginnt die Revolution in der Kurie damit, das brisanteste Problem zu lösen: eben jenes der Vatikanbank.»